The Irishman, Regie: Martin Scorsese © dpa / Netflix / Courtesy Everett Colle
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Drama/Krimi - "The Irishman"

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Seit langem mit wachsender Spannung erwartet: "The Irishman" von Martin Scorsese, ultraprominent besetzt mit den schauspielerischen Superschwergewichten Robert DeNiro und Al Pacino im Zentrum einer ausufernden Mafiageschichte, eine Verfilmung des Sachbuchs "I’ve heard you Paint Houses" von Charles Brandt.

Ein ruhiger reflektierter Blick zurück

Der Weg in die Lebensgeschichte von Frank Sheeran führt in einer langen, virtuosen Fahrt durch das Foyer, die Gänge und Räume eines Altersheims, bis in die hinterste Ecke, wo in einem Rollstuhl ein Greis sitzt, mit Altersflecken, pergamentfaltiger Haut und ein paar grauen Haarsträhnen auf dem Kopf. Selten erreichen Mafia-Ausputzer ein so biblisches Alter, in dem sie ihr Leben in aller Ruhe reflektieren können.

Mit Frank Sheeran blickt auch der Regisseur Martin Scorsese auf sein Werk zurück, noch einmal erzählt er eine Geschichte aus dem Mafia-Milieu, so wie er das in Meisterwerken wie "Mean Streets", "Good Fellas" und "The Departed" schon oft getan hat. Statt ungestüm voranzudrängen, nimmt sich Scorsese 3,5 Stunden Zeit, um ganz ruhig auf den Kern seiner Geschichte zuzusteuern, auf die Frage, was damals am 30. Juli 1975 eigentlich passiert ist, als der legendäre Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa, dessen Verstrickungen mit der Mafia bekannt waren, spurlos verschwand.

Der Alltag der Mafiosi

Dem Regisseur wurde immer wieder vorgeworfen, dass er das organisierte Verbrechen in seinen Filmen romantisiert hat. Jetzt sehen die bösen Jungs aus dem organisierten Verbrechen nicht mehr ganz so cool aus, es geht weniger um gewalttätige Ausbrüche, als um den Alltag der Mafiosi: Die Art wie sich über Jahre hinweg Freundschaften, Geschäftsallianzen und Hierarchien bilden. Die Spuren, die das Mafialeben in den privaten Beziehungen hinterlässt.

Es gibt ausgedehnte bisweilen komische Wortwechsel auf langen Autofahrten, in denen die Gewalttaten auf harmlos beschönigende Weise beschrieben werden. So bezieht sich das "I paint houses" des Buchtitels nicht auf die Farbe eines Malers, sondern das Blut, das bei einem Mord an die weiße Wand spritzt.

The Irishman, Regie: Martin Scorsese © imago-images/Netflix
Bild: imago-images/Netflix

Mit dem Teufel im Bunde?

The Irishman ist eine Netflix-Produktion, das bedeutet, er wird bei uns nur zwei Wochen im Kino laufen, bevor er auf den Bildschirmen der Streaming-Kunden landet. Man kann es Scorsese nicht verdenken, fünfzehn Jahre lang hat er vergeblich versucht, diesen Film finanziert zu bekommen, bis die Rettung von Netflix kam: 160 Millionen Dollar stellten sie bereit, ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen. Dass es Filme wie "The Irishman" und den mit 3 Oscars ausgezeichneten "Roma" dank Netflix überhaupt gibt, heißt immerhin auch, dass sie auf Retrospektiven in Filmmuseen im Kino gezeigt werden können.

Digitale Frischzellenkur

Ein Grund für die hohen Kosten des Films ist der aufwendige Prozess der computergenerierten Verjüngung, dem Al Pacino, Joe Pesci und Robert DeNiro unterzogen wurden, damit sie ihre Rollen über die Riesenspanne von fast 50 Jahren selber spielen können. Anders als sonst bei solchen epischen Familienerzählungen üblich, müssen also nicht drei verschiedene Schauspieler ran. Wenn der verjüngte Robert DeNiro in den vierziger Jahren im zweiten Weltkrieg als junger Mann, vor allem aber in den sechziger und siebziger Jahren gut zwanzig Jahre verjüngt ist, wirkt das tatsächlich recht überzeugend. So ist "The Irishman" aus vielen Gründen ein echtes Ereignis, das man unbedingt im Kino sehen sollte!

Anke Sterneborg, rbbKultur

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