"The Report", Regie: Scott Z. Burn
Bild: © 2019 DCM / Atsushi Nishijima

Drama - "The Report"

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Vor gut zehn Jahren hat sich der Filmregisseur Errol Morris in seiner Dokumentation "Standard Operating Procedure" kritisch mit dem Folterskandal im Militärgefängnis von Abu Ghraib auseinandergesetzt. Jetzt kommt ein Spielfilm in unsere Kinos, der dasselbe Thema aufrollt, "The Report" heißt er, Regie hat Scott Z. Burns geführt, der bisher vor allem Drehbücher für Steven Soderbergh geschrieben hat ("Side Effects", "Contagion"), der diesen Film jetzt auch als Produzent unterstützt hat.

So wie "Die Unbestechlichen" über den Watergate Skandal, oder "Spotlight" über die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche ist nun auch "The Report" eine klassische Enthüllungsgeschichte. Mit dem einzigen Unterschied, dass es hier keine Journalisten sind, die die Wahrheit ans Tageslicht bringen, sondern ein regierungsinterner Mitarbeiter. David Jones (Adam Driver) soll die Haft- und Vernehmungspraktiken der CIA im Kampf gegen den Terror nach dem 11. September, recherchieren, im Auftrag einer Senatorin (Anette Bening), die den entsprechenden Geheimdienstausschuss leitet. Dabei geht es um Foltermethoden wie Schlafentzug, sexuelle Erniedrigungen oder Waterboarding, allesamt Verstöße gegen das Völkerrecht und die Amerikanische Verfassung. Ein Teil der Regierung ermittelt also gegen einen anderen, der wiederum alles unternimmt um die Veröffentlichung der diskriminierenden Informationen zu verhindern: "Sie wollen, dass du ein Boot baust, in dem niemand  auf See fahren will" sagt einer der Kollegen zu Jones, der 5 Jahre seines Lebens dafür opfert, einen Mammutreport von 7000 Seiten zusammenzutragen.

"The Report", Regie: Scott Z. Burns
Bild: © 2019 DCM / Atsushi Nishijima

Finstere Screwball-Comedy um schmutzige Staatsgeheimnisse

So sitzt David Jones unter größten Sicherheitsvorkehrungen mit einem kleinen Team in einem fensterlosen Raum und durchforstet mehrere Millionen von Akten, Fotos, Memos, Emailkorrespondenzen, aber auch Experten-Einschätzungen, die klar belegen, dass diese Foltermethoden keine einzige, verlässliche Erkenntnis hervorgebracht haben.

Nachgestellte Szenen aus den Folterkellern der CIA sind sparsam eingestreut, um zu vermitteln worum es hier wirklich geht. Auch ohne spektakuläre Action-Elemente ist der Film so dynamisch geschrieben und konstruiert, dass es nie langweilig wird.

Wesentlichen Anteil daran hat auch Adam Driver, der den Ermittler nicht als überlebensgroßen amerikanischen Helden spielt, sondern als Jedermann, der einfach nur seine Arbeit gut macht. Er meistert enorme Mengen an Dialogen mit souveräner Natürlichkeit, so dass der Film bisweilen fast wie eine düstere Screwball Comedy anmutet, in der es nicht um die Liebe geht sondern um Regierungs- und Militärgeheimnisse. Während es vordergründig um die Verwaltung von Informationen geht, vermittelt der Schauspieler das Wechselbad der Gefühle, dem er ausgesetzt ist, von ungläubigem Staunen über Entsetzen und Frust, bis zu Wut und Zorn.

Historischer Skandal in modernem Licht

Die akribische Arbeit des Ermittlers spiegelt sich in der Machart des Films, wobei die langen 5 Jahre auf knackige 2 Stunden verdichtet werden. Als der Report beinahe im Giftschrank landet, wird die Sache für den einsamen Ermittler existenziell. Ist er bereit seinen Job und sein Leben aufs Spiel zu setzen, damit die Öffentlichkeit von den schmutzigen Regierungs- und Militärangelegenheiten erfährt. "The Report"  ist ein starker Politthriller, der die Mechanismen der amerikanischen Politik vermittelt und zugleich zeigt, wie leicht Demokratie ausgehöhlt wird, wenn man sich nicht dagegen stellt. Für Scott Z. geht es hinter der Aufarbeitung dieser amerikanischen Schande um eine Systemkritik, die weit über den konkreten historischen Fall hinausgeht. Es geht um nichts weniger als das Recht der Öffentlichkeit auf Information, in einer Zeit, in der Staatenlenker wie Trump oder Johnson glauben, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Anders als Kathryn Bigelows, die dafür kritisiert wurde, dass sie die Foltermethoden in ihrem Film "Zero Dark Thirty" als notweniges Übel bei der Verfolgung von Osama Bin Laden darstellte, geht es Scott Z. Burns darum, wirklich deutlich klarzustellen, dass diese Foltermethoden durch nichts zu rechtfertigen sind.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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