Aquarela © Neue Visionen Filmverleih
Bild: © Neue Visionen Filmverleih

Dokumentarfilm - "Aquarela"

Bewertung:

In "Aquarela", dem neuen Film des russischen Dokumentaristen Victor Kossakovsky ("Vivan las Antipodas!") spielt das Wasser die Hauptrolle. Egal ob gefroren, flüssig oder gasförmig – Wasser ist der Entstehungsort allen Lebens. Trotzdem scheinen die Menschen dem wertvollen Element manchmal nicht gewachsen zu sein. Denn Wasser ist launisch: Es kann gefrieren, es kann vom Himmel fallen, es kann ganze Landstriche überfluten oder sich plötzlich zurückziehen und eine Wüste zurücklassen.

"Aquarela" nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise – beginnend in Kossakovskys russischer Heimat am zugefrorenen Baikalsee, geht es weiter ins Packeis nach Grönland, in den Atlantik nördlich von Schottland und zu einem geborstenen Staudamm in Mexiko. Wir sind dabei, wie sich gigantische Wellen am Strand in Portugal brechen, wir erleben einen Hurrikan an der  Küste von Miami und stehen schließlich am höchsten Wasserfall der Welt, dem Salto Ángel in Venezuela, wo das Wasser noch im Fallen verdunstet und in die Wolkendecke diffundiert.

Hypnotisierende Bilder

Das alles zeigt "Aquarela" ohne ein einziges Wort der Erklärung. Während der gesamten Filmdauer hört man im Kino nur die Geräusche des Wasser, das Knacken des Eises und die Filmmusik: Das ist eine ungewöhnliche Erfahrung, aber es hat auch etwas Magisches – weil die Bilder (Kamera: Ben Bernhard) umwerfend sind und die langen Einstellungen von kalbenden Eisbergen und tobenden Wellen den Zuschauer auf Dauer hypnotisieren.

Aquarela © Neue Visionen Filmverleih
Bild: © Neue Visionen Filmverleih

Kein erhobener Zeigefinger

Auch wenn sein Film die Auswirkungen von Klima- Phänomenen zeigt, wie etwa die Wirbelstürme in der Karibik oder das schmelzende Eis auf dem Baikal- See: Nach dem erhobenen Zeigefinger sucht man in der Filmkunst von Victor Kossakovsky vergebens. Er habe ganz bewusst keinen Film machen wollen, in dem Menschen über das Wasser reden, sagt Kossakovsky im Interview. Er wollte lieber das Wasser 90 Minuten für sich selbst sprechen lassen. Wer nach diesen 90 Minuten immer noch nicht verstanden hat, warum es sich lohnt, diesen Planeten zu erhalten, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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