Gereon Rath (Volker Bruch) in einer Filmszene von "Babylon Berlin" 3. Staffel (Quelle: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019)
Bild: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

Fernsehserie | 3.Staffel - "Babylon Berlin"

Bewertung:

Die bisher teuerste und erfolgreichste deutsche Fernsehserie geht in die nächste Runde. Doch sie will nicht einfach nur mehr das Gleiche bieten.

Ein Gewinnerteam soll man nicht auswechseln. Auch die dritte Staffel von "Babylon Berlin" ist in mehr als 100 Länder verkauft worden Für die Drehbücher und die Regie zeichnen, wie schon bei den vorherigen Folgen Henk Handloegten, Achim von Borries und Tom Tykwer verantwortlich. "Uns war klar, dass wir nicht einfach ein Schema wiederholen dürfen", so Tykwer. "Deswegen spielt in der neuen Staffel Psychologie eine große Rolle. Die Figuren sind schon etabliert. Nun können wir in ihr Innerstes vordringen."

Eine Gesellschaft steht am Rand des Abgrunds

Im Zentrum stehen – wie bei den bisherigen Folgen – der aus Köln nach Berlin versetzte Hauptkommissar Gereon Rath und seine charismatische Assistentin Charlotte Ritter. Er hat als ehemaliger Weltkriegssoldat mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen, sie stammt aus Arbeiterfamilie und will Karriere machen – was in der von Männern dominierten Kriminalpolizei nicht einfach ist. Die dritte Hauptrolle spielt Berlin, wo die Zwanziger Jahre durchaus nicht nur golden waren.

Große Teile der Bevölkerung lebten in Armut, Nazis und Kommunisten hatten großen Zulauf und wurden immer radikaler – auch davon will die neue Staffel erzählen. Das Regie- und Autorentrio hat die Geschichte, die aus dem Kriminalroman "Der stumme Tod" von Volker Kutscher stammt, entsprechend umgeschrieben. Die Handlung setzt im Spätsommer 1929 ein. "Es geht um eine Gesellschaft, die am Rand eines Abgrunds steht", sagt Henk Handloegten. "Deshalb erzählen wir auch von Ereignissen, die bei Volker Kutscher keine Rolle spielen – vom Tod Gustav Stresemanns, am 3. Oktober 1929 und vom Zusammenbruch der Weltwirtschaft Ende Oktober."

Der Börsencrash von 1929

Der Börsencrash taucht gleich am Anfang der ersten Folge in einer Alptraumsequenz auf. Kommissar Rath taumelt durch eine verwüstete Bankfiliale, bis er von einem Mob wütender Kleinaktionäre niedergetrampelt wird. Dabei ist Deutschland am Anfang der neuen Staffel noch im Börsenfieber. Überall im Land kaufen Menschen Aktien – die meisten auf Kredit. Da die Kurse steigen, gehen sie davon aus, Gewinn machen zu können.

Im Film wird die Aktienblase vom Industriellen Alfred Nyssen erkannt und für seine Geschäfte genutzt. Doch natürlich kann man auch an die Finanzkrise des Jahres 2008 denken. "Die Parallelen sind frappierend", sagt Achim von Borries. "Aber wir haben sehr darauf geachtet, aus der Perspektive des Jahres 1929 zu erzählen. Die Zuschauer sollen genauso unmittelbar mit der Geschichte konfrontiert werden, wie unsere Helden."

Hauptkommissar Rath und die Kriminalassistentin Charlotte Ritter ermitteln in den Filmstudios von Babelsberg. Eine Schauspielerin ist bei den Dreharbeiten zu einem Musikfilm von einem herabstürzenden Scheinwerfer erschlagen worden. Der Täter hatte die Befestigungsschrauben manipuliert. Ob es ihm um einen persönlichen Racheakt ging oder darum, der Filmproduktion an sich zu schaden, ist unklar. Da ein berüchtigter Unterweltboss das Projekt finanziert, könnte der Mörder aus diesem Milieu kommen.

Es geht um das Düstere und Schattenhafte

Die Szenen, die in den Babelsberger Filmstudios spielen, haben die drei Regisseure mit großem Aufwand inszeniert. Man sieht expressionistisch bemalte Kulissen, Tanzgirls auf Schaukeln und Trampolinen, während eine düster geschminkte Diva mit rollendem R ein Liebeslied ins Mikrofon raunt. "Wir wollten auf Filme der Zwanziger Jahre verweisen, ohne dass es wie ein eitles Zitat wirkt", erklärt Tom Tykwer. "Man kann an Nosferatu oder Das Cabinet des Doktor Caligari denken. Es geht um das Düstere und Schattenhafte, was ja auch ein Thema unseres Films ist."

Die Filmfiguren jagen durch düstere und glamouröse Welten. Neben Volker Bruch als Kommissar Rath und Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter spielen Benno Fürmann, Lars Eidinger, Martin Wuttke, Meret Becker und und und – die Besetzungsliste liest sich wie ein Who is Who der deutschen Theater- und Filmszene. Auch das spricht dafür, dass die neuen Folgen gegenüber den bisherigen nicht abfallen werden, sondern dass das Niveau gehalten wird.

Oliver Kranz, rbbKultur

weitere rezensionen

Königin © SquareOne Entertainment
SquareOne Entertainment

Drama - "Königin"

Viele Filme sind in den letzten Monaten in den Schubladen liegen geblieben, so nach und nach aber erblickt der ein oder andere dann doch das Licht, glücklicher Weise! Schon Anfang April hätte der dänische Beitrag "Königin" mit Trine Dyrholm in der Hauptrolle, nominiert für den Oscar 2020, ins Kino kommen sollen. Seit dem 5. Mai ist er nun auf verschiedenen Plattformen als Video on Demand erhältlich.

Bewertung:
The People vs. O.J. Simpson: der Angeklagte mit seinen Anwälten im Gerichtsaal; © Fox/Netflix
Fox/Netflix

"American Crime Story" bei Netflix - "The People vs. O.J. Simpson"

Ein spektakuläres Verbrechen wird in der Serie "American Crime Story" jeweils in einer Staffel thematisiert. In der ersten Staffel von 2016 geht es um den Football-Star O.J Simpson und den Doppelmord an seiner Ex-Frau Nicole Simpson sowie deren zehn Jahre jüngeren Liebhaber: Trotz überwältigender Beweislast wurde O.J. Simpson damals freigesprochen.

Bewertung:
Standbild: Der Mandalorian (links, Pedro Pascal) und Mythrol (rechts, Horatio Saenz) in "The Mandalorian" (Bild: Disney/François Duhamel)
Disney/François Duhamel

Star-Wars-Serie bei Disney+ - "The Mandalorian"

Seit Ende März gibt es den neuen Streaming-Dienst Disney+, auf dem unter anderem alle Disney- und Star-Wars-Filme angeboten werden. Das Prestige-Objekt des neuen Dienstes ist "The Mandalorian", die erste Realfilmserie aus dem Star-Wars-Universum – bisher gab es nur Animations-Serien.

Bewertung: