Gundermann Revier © Dok Leipzig/Grit Lemke
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Dokumentation - "Gundermann Revier"

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Gerhard Gundermann erlebt 20 Jahre nach seinem Tod eine erstaunliche Renaissance – im Kino: Ein Jahr nach Andreas Dresens Filmbiographie "Gundermann" liefert Grit Lemke mit "Gundermann Revier" nun die dokumentarische Unterfütterung.

In alten Archivaufnahmen zeigt "Gundermann Revier" die Anfänge von Gundermanns Karriere im Singeclub Hoyerswerda (später umbenannt in "Brigade Feuerstein"), seine Nachwende - Karriere mit der Band "Die Seilschaft" Anfang der 90er Jahre und schließlich seine Enttarnung als IM der Staatssicherheit und den Kampf um sein künstlerisches Erbe. 1998 ist Gerhard Gundermann gestorben – mit gerade mal 43 Jahren.

Die Lausitz als Hauptperson

Als gebürtige Sprembergerin hat Lemke den Sänger gut gekannt, genauso wie dessen Frau Conny und das künstlerische Umfeld Gundermanns – Menschen, die in ihrem Film ausführlich zu Wort kommen. Eine besondere Rolle spielt in ihrem Film auch die Lausitz selbst, "das Revier". Das zeigt sich nicht nur in den wunderbaren Landschaftsbildern (Kamera: Uwe Mann), es zeigt sich auch in den Parallelen, die der Film immer wieder zwischen der Region und den Songs von Gerhard Gundermann zieht.

Der singende Baggerfahrer

Gundermann war immer beides: Baggerfahrer und Sänger. Oft fuhr er nach seinen Konzerten nachts noch in die Lausitz zurück, um dort am nächsten Morgen wieder auf dem Bagger zu sitzen. Nur auf dem Bagger  könne er sich "erden", hat er mal gesagt, nur dort könne er seine Lieder schreiben. In diesen Worten steckt nicht nur Heimatverbundenheit, sondern auch eine Bergbau- Romantik, die heute, in Zeiten von "Fridays for Future" fast schon anachronistisch anmutet, die den Menschen in der Lausitz aber noch immer viel bedeutet. Für sie war Gundermann in der Nachwendezeit eine wichtige Identifikationsfigur.

Unrühmliche Rolle als Stasi- Spitzel

Vielleicht haben sie ihm deshalb auch seine unrühmliche Rolle als Stasi- Spitzel verziehen. Gerhard Gundermann, auch das zeigt der Film von Grit Lemke, war ein Mann, der kompromisslos für seine Überzeugungen eintrat. So sicher war sich, dass seine Ideen, sein Weg in eine sozialistische Gesellschaft der richtige war, dass er nicht davor zurückschreckte, diejenigen, die diesen Weg nicht mitgehen wollen, an die Staatsmacht zu verraten.

War das skrupellos? Oder einfach nur naiv? Dieses Urteil überlässt Grit Lemke dem Zuschauer selbst. Ihr Film hält sich an dieser Stelle raus – er wirkt wie eine Momentaufnahme aus der Wendezeit, in der nicht nur ein Staat und sein Gesellschaftssystem, sondern auch viele seiner Ideale und Visionen untergegangen sind.

Carsten Beyer, rbbKultur

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