Nome di Nonna, Regie: Marco Tullio Giordana © Arsenal Film
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Drama - "NOME DI DONNA"

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Seit 1979 macht Marco Tullio Giordana Filme. Darin erzählt er vom Kampf gegen die Mafia, vom Widerstand gegen politische Systeme – von Menschen, die sich für eine bessere Welt einsetzen. Viele seiner Filme wurden bei großen Festivals gefeiert. Der neue Film des heute 69-jährigen italienischen Regisseurs heißt "Nome di Donna" und erzählt viel über die Katholische Kirche in Italien, wie diese Männerinstitution mit ihren Gläubigen und vor allem mit ihren MitarbeiterInnen umgeht. Im Namen des Vaters …

Dadurch, dass Giordana seinen Film mit diesem anonymisierten Titel "Nome di Donna" überschreibt und nicht mit einem konkreten Frauennamen, verweist er auf die Allgemeingültigkeit seiner Geschichte. Im Mittelpunkt aber steht eine sehr sympathische Heldin: Nina. Von dem aus, was sie erlebt, erschließt sich dann mit Wucht das Kolossale eines still geduldeten sexuellen Missbrauchs.

Sie ahnt nichts Böses, als sie in das Büro des Direktors gebeten wird ...

Nina ist eine junge alleinerziehende Mutter, die ihren Job als Restauratorin verloren hat. Als sie in einer kirchlichen Einrichtung, in einem Altenheim, eine Anstellung findet, ist sie überglücklich, es macht ihr Spaß, sie mag die alten Damen, sie hat wieder Geld und auch Zeit für ihre kleine Tochter. Als sie eines Abends von dem Direktor in sein Büro gebeten wird, ahnt sie nichts Böses, begreift aber schnell, worum es hier geht. Dieser Direktor verlangt von seinen Mitarbeiterinnen, dass sie ihm sexuell zu Diensten sind. Nina aber verweigert sich, beginnt sich zu wehren, geht in die Offensive, sucht sich eine Anwältin. Anders aber als sie denkt und hofft, verweigern die anderen ihr die Unterstützung. Cristiana Capotondi spielt diese Einzelkämpferin als zarte, aber wehrhafte Person, jemand die weiß, was sie will, auch wenn sie vielleicht ein bisschen gutgläubig ist. Sie kann nicht glauben, dass ihr Arbeitgeber – immerhin die Kirche – die Frauen ausnutzt, bedrängt, bedroht. Der Film erzählt davon, wie Belästigung am Arbeitsplatz beginnt und wie es enden kann.

Nome di Nonna, Regie: Marco Tullio Giordana © Arsenal Film
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Missbrauch am Arbeitsplatz

"Nome di Donna" ist der erste italienische Film, der sich mit Missbrauch am Arbeitsplatz auseinandersetzt. Der Regisseur sagt selbst, dass er und auch seine Drehbuchautorin von der Initiative "Dissenso commune" ("Gemeinsamer Widerspruch") inspiriert wurden, die u.a. von der Schauspielerin Alba Rohrwacher ins Leben gerufen wurde. Doch schon bevor "Me too"  aufkam, stand die Kirche im Fokus einer länderübergreifenden Missbrauchsdebatte, ihr Umgang mit Kindern, jungen Männern. Zuletzt wurde das sehr eindringlich in dem französischen Film "Gelobt sei Gott" von Francois Ozon behandelt.

Missverhältnis zwischen Mann und Frau

Während Ozon sich kompromisslos mit einem konkreten Fall auseinandersetzt, bleibt Giordana vorsichtiger. Er will eher sensibilisieren als konfrontieren. Ein weiterer Unterschied zu Ozons Film ist der, dass hier kein Missbrauch geschieht. Nina wird sexuell belästigt, aber es kommt nicht zum Äußersten. Es geht hier weiter gefasst um das Missverhältnis zwischen Mann und Frau, darum, die Machtverhältnisse aufzuzeigen. Giordana wagt sich sozusagen an zwei heilige Kühe: den italienischen Mann und den italienischen Mann in der katholischen Kirche. Der Regisseur war, wie er sagt, entsetzt über die Reaktionen seiner Landsleute auf "Me Too". In Italien, sagt er, genießen Männer offensichtlich "eine Art kulturelle Straffreiheit". Genau das hinterfragt er, gebettet in wunderschöne Architektur und traumhafte Landschaft. Die sehr unaggressive und eher zurückhaltende Erzählhaltung mag daher rühren, dass er in Italien zunächst einmal Widerstände dem Thema gegenüber abbauen will. Denn erst wenn man sich auf Ninas Geschichte einlässt, begreift man: "Nome di Donna" erzählt sehr wohl von einem Skandal.

Christine Deggau, rbbKultur

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