Gatsby (Timothée Chalamet) und Chan (Selena Gomez) im New Yorker Regen © 2019 Gravier Productions | Foto: Jessica Miglio
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Woody Allen | Komödie - "A Rainy Day in New York"

Ein Riesenstaraufgebot hat Woody Allen in seinem neuen Film "A Rainy Day in New York" versammelt – von Timothée Chalamet und Elle Fanning bis zu Jude Law und Selena Gomez. Und doch muss man, wenn man über diesen Film spricht, auch über die Umstände sprechen, die ihn derzeit begleiten. Der Filmstart von "A Rainy day in New York" ist überschattet von Missbrauchswürfen gegen den Regisseur, erhoben von seiner Adoptivtochter Dylan Farrow, eines der vielen Kinder, die das Künstlerpaar Allen und Mia Farrow damals adoptiert haben.

Anfang der 90er Jahre soll Woody Allen das Mädchen missbraucht haben. Er bestreitet das bis heute. Und auch ein Gerichtsurteil befindet ihn für unschuldig. Als 2017 die "Me Too"-Debatte entbrannte, geriet auch Allen wieder in den Fokus – mitten in den Dreharbeiten von "A Rainy Day in New York". Die "Amazon Studios" – die "A Rainy Day in New York" in Amerika an den Start bringen wollten, zogen den Film zurück. In den USA wird er also gar nicht in die Kinos kommen. Der ehemals so verehrte Regisseur ist in Amerika zu einer Persona non grata geworden. Viele Schauspieler und Schauspielerinnen auch vergangener Filme distanzieren sich von ihm. Zum Beispiel in dem sie wie hier ihre Gagen gespendet haben. Für seine Autobiographie lässt sich in Amerika zumindest kein Verlag finden.

Allens Frauenbild

"Me too" hat eine politische Dimension erreicht. Zurecht sind Köpfe gerollt. Doch was jetzt mit diesem Film und seinem Regisseur geschieht, scheint weniger qualitative als moralische Gründe zu haben. Eine Moral allerdings, die sich hinterfragen lassen muss.

Dennoch bleibt es nicht aus, dass sich bei Zuschauen ein gewisses Unwohlsein einstellt. Man stellt sich schon die Frage, ob man sich hier amüsieren darf, ob dieser Film nicht zu banal ist, zu altherrenhaft und vor allem ob das Frauenbild, das Allen hier entwirft, nicht völlig obsolet ist?

Ashleigh (Elle Fanning) und Gatsby (Timothée Chalamet) auf Kutschfahrt durch den Central Park © 2019 Gravier Productions
Bild: © 2019 Gravier Productions | Foto: Jessica Miglio

Hauptdarsteller Gatsby zwischen zwei Frauen

Doch ist gerade die Rolle von Elle Fanning so überzogen, dass man sie nicht anders als ironisch verstehen kann. Sie ist das Klischee eines blonden Dummchens aus der Provinz, das in New York mit der Welt des Films in Berührung kommt und von einer Ohnmacht in die andere fällt, während Selena Gomez die selbstbewusste Großstädterin aus reichem Hause gibt, der man die Welt nicht mehr erklären muss. Die beiden begegnen sich allerdings gar nicht. Sie sind vielmehr die personifizierten Pole, zwischen denen sich die Hauptfigur Gatsby bewegt. Und er wird sich entscheiden müssen. Gatsby ist ein intellektueller, musisch begabter College-Student aus New York, der an der Uni seine Freundin kennengelernt hat und ihr nun seine Heimatstadt bei einem romantischen Wochenende zeigen will. Doch alles kommt anders. Jeder der beiden wird das Wochenende für sich verbringen.

New York im bezaubernden Licht – trotz Regen

Und wieder einmal spielt New York eine der Hauptrollen. Nachdem Allen in vergleichsweise hohem Alter Europa für sich entdeckt hat – von Barcelona und London über Rom, der nächste Film mit Christoph Waltz ist schon abgedreht und spielt in San Sebastian – kehrt er hier wieder in seine Geburtsstadt zurück und setzt sie gemeinsam mit seinem Kameramann Vittorio Storaro in ein bezauberndes Licht. Trotz Regen. So wie Timothée Chalamet lässig durch die Straßen schlendert, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es ist ein sehr persönlicher und auch verklärender Blick auf eine Stadt, die es so wahrscheinlich gar nicht mehr gibt. Aber es ist schön. Der 84-jährige Woody Allen selbst sagt, dieser Film gehöre nicht zu seinen Meisterwerken. Das stimmt. Spaß macht er trotzdem.

Christine Deggau, rbbKultur

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