Vincent Cassel, Reda Kateb © 2019 PROKINO Filmverleih GmbH
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Éric Toledano und Olivier Nakache | Drama - "Alles außer gewöhnlich"

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Mit ihrem Blockbuster "Ziemlich beste Freunde" hat das Regie-Duo Éric Toledano und Olivier Nakache sich 2011 einen Namen gemacht. Die Geschichte der Freundschaft zwischen einem querschnittsgelähmten Millionär und einem kleinkriminellen Draufgänger machte Omar Sy zum Star und animierte selbst Hollywood zu einem Remake. Nach verschiedenen kleinen Komödien kommt jetzt eine Art Herzensprojekt der beiden Regisseure ins Kino. "Alles außer gewöhnlich".

Wobei dieser Titel ein bisschen sperrig ist. Um "gewöhnlich" geht es nämlich gar nicht, eher um das Anderssein. Im Original "Hors normes" – außerhalb der Normen. Das sind hier zum einen autistische Kinder, zum anderen Jugendliche, die durchs Raster gefallen sind. Und es geht um einen Mann, der alles gibt, um die Welt für diese Kinder lebenswert zu machen. Das ist Bruno, gespielt von Vincent Cassel.

Er hat eine Einrichtung gegründet, in der die landen, die keiner will: die besonders schweren Fälle. Und das sind viele. Brunos Alltag ist so voll, dass einem schon beim Zusehen ganz schwindelig wird: ständig klingelt sein Telefon, ständig geht irgendwo irgendwas schief: alle rufen nach ihm, hoffen auf ihn. Denn Bruno sagt nicht nur seinen Standardsatz "Wir finden eine Lösung". Er findet sie wirklich. 

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten

Die Geschichte von Bruno ist nicht erfunden. Es gibt ein reales Vorbild und es gibt diese Einrichtung tatsächlich. Éric Toledano hat vor 25 Jahren hier mal als Betreuer gearbeitet und hat Jahre später noch einmal Kontakt zu dem Leiter aufgenommen, als Autismus in der eigenen Familie Thema wurde.

Als Toledano und Olivier Nakache 2015 das Angebot von dem Fernsehsender Canal+ bekamen, eine Dokumentation über ein Thema ihrer Wahl zu drehen (da schon das gefeierte französische Regie-Duo überhaupt), wurde daraus eine Dokumentation über diese Einrichtung. Der Titel "Man müsste einen Spielfilm daraus machen". Das haben sie jetzt getan. Und kehren damit zu ihren Anfängen zurück – denn so stark "Ziemlich beste Freunde" war, die Filme, die folgten, waren doch eher mittelmäßig.

Fiktion und doch sehr nah an der Realität

Was wir sehen, ist Fiktion, doch die beiden Regisseure fühlen sich auch hier dem Dokumentarischen verpflichtet. Das heißt zum Beispiel: die autistischen jungen Leute im Film spielen sich selbst. Auch wie der Alltag dieser Einrichtung inszeniert ist, ist ganz dicht an der Realität – denn keines der Kinder ist die Nummer eins, alle sind gleich wichtig, wie auch alle Probleme gleichberechtigt behandelt werden.

Dennoch gibt es natürlich Jugendliche, die wir näher kennenlernen, wie Joseph, der neben vielen anderen Problemen regelmäßig den unwiderstehlichen Drang verspürt, in der Metro die Notbremse zu ziehen. Oder Valentin, der aus Schutz vor Verletzungen, die er sich zuführt, mit einem Schutzhelm durchs Leben gehen muss. Oder ein junger Arbeitsloser, der in seiner Beziehung zu Valentin lernt, Verantwortung zu übernehmen. Und es gibt den Chef, Bruno. Auch er hat sein Päckchen zu tragen: Probleme mit Frauen, Probleme mit dem Gesundheitsministerium, die seine Einrichtung schließen wollen, weil er gar keine Genehmigung hat und ihn kontrollieren lassen. Doch gibt es keinen Plot, dem irgendetwas untergeordnet wird.

alles ausser gewoehnlich, Vincent Cassel, Benjamin Lesieur © 2019 PROKINO
Bild: Carole Bethuel © 2019 PROKINO Filmverleih GmbH

Zum Beispiel ist Bruno Jude. Man sieht es daran, dass er eine Kippa trägt, sich mit Orthodoxen verabredet. Sein engster Freund und Mitarbeiter, der sich um gestrandete Jugendliche kümmert, ist Moslem. Was Konfliktpotenzial bedeuten könnte, wird hier überhaupt nicht weiter thematisiert. Es ist einfach so. Wir sehen zwei Männer, die mit bewundernswerter Leichtigkeit Menschen verschiedener Biographien, Kulturen, Religionen und Eigenheiten unter einen Hut bekommen. Mit viel Humor. Und Respekt.

Vincent Cassel profitiert von der Arbeit mit den Autisten

Die Zusammenarbeit der Profischauspieler Vincent Cassel und Reda Kateb mit den autistischen Laiendarstellern funktioniert wunderbar. Cassel und Rateb sind wie die Klammer, die alles zusammenhält. Ein Schutzwall gegen das Außen, während es drinnen drin brodelt. Cassel sagte, er habe viel von der Arbeit mit den Autisten profitiert. Irgendwann habe er einfach aufgehört zu heulen, vor Rührung oder vor Anstrengung…

Nach zuletzt der "Der Glanz der Unsichtbaren" ist auch "Alles außer gewöhnlich" wieder ein Beleg dafür, wie man ohne Sentimentalitäten und trotzdem zu Herzen gehend, gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen kann. Da sind die Franzosen wirklich gut drin.

Christine Deggau, rbbKultur

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