Die Polizisten Stéphane (Damien Bonnard), Chris (Alexis Manenti), Gwada (Djebril Zonga) bei einem Einsatz
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Thriller - "Die Wütenden – Les Misérables"

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Stéphane (Damien Bonnard), Chris (Alexis Manenti) und Gwada (Djibril Zonga) sind Polizisten einer Spezialeinheit, die zwischen den Plattenbauten von Montfermeil Streife fahren.

Chris ist ein korrupter Sadist und ein Rassist, Gwada hat zwar eine afrikanische Mutter und stammt selbst aus dem Banlièue, hat sich aber den Gewohnheiten seiner weißen Kollegen angepasst. Lediglich Stéphane, der Dritte im Bunde, ein Idealist, der gerade erst aus der Provinz nach Montfermeil versetzt worden ist, stellt die gewalttätigen Praktiken der Vorstadt-Cops in Frage.

Aus den "Elenden" werden die "Wütenden"

Victor Hugos Roman "Les Misérables" ist weltberühmt. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1862 ist er mehr als zwei Dutzend Mal verfilmt worden und doch ist die Geschichte noch immer nicht auserzählt. Die neueste Version – vom französischen Filmemacher Ladj Ly – hat alllerdings nur noch peripher mit Hugos Romanvorlage zu tun. Geblieben ist eigentlich nur der Ort der Handlung: Montfermeil – ein heruntergekommener Vorort von Paris, in dem vor allem die Armen und Unterpriveligierten wohnen – damals wie heute. Wo zu Victor Hugos Zeiten das Lumpenproletariat auf die Barrikaden ging, um gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit zu protestieren, randalieren heute farbige Jugendliche gegen die Drangsalierung und den Rassissmus der Polizei

Zum Zerreißen gespannt

Das ungleiche Polizisten-Trio wird derweil mit einem ungewöhnlichen Fall konfrontiert, der zunächst ganz harmlos scheint: Ein Löwen-Baby ist aus einem fahrenden Zirkus verschwunden, vermutlich hat einer der Jugendlichen ihn geklaut. Weil das Tier aber einem Clan-Chef gehört – und weil die Situation in dem Viertel ohnehin zum Zerreißen gespannt ist – eskaliert das Ganze in einen Bandenkrieg. Die drei Polizisten, die sich gerade noch als Herren der Lage fühlten, sind auf einmal mittendrin in einer Orgie der Gewalt – und die Wut der Jugendlichen bricht sich ihre Bahn …

Die Jugendlichen von Montfermeil © Wild Bunch Germany
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Mit dem Milieu bestens vertraut

Regisseur Ladj Ly wuchs selbst als Kind afrikanischer Eltern in Montfermeil auf und ist mit dem Milieu bestens vertraut. Er und sein Kameramann Julien Poupard kennen noch immer jeden Winkel in dem Viertel: jeden kaputten Kinderspielplatz, jede Dönerbude und jedes Treppenhaus, in dem die Kids abhängen. Auch die Sprache ist authentisch – deftig und voller Straßenslang. Die Dialoge sind glaubhaft und ohne Klischees – und dann ist das Ganze auch noch schnell geschnitten und mit der richtigen Musik unterlegt.

Anwärter auf den Auslands-Oscar

"Les Misérables" ist ein bemerkenswertes Debüt: Ein halb-dokumentarischer Thriller über ein sehr aktuelles Thema, der zeigt, dass das französische Kino mehr zu bieten hat als harmlose Komödien über Monsieur Claude und seine bunte Familie. In Cannes gab es für den Film völlig zu Recht den Großen Preis der Jury: Jetzt ist der Film sogar auf der short list für den Oscar 2020 gelandet. Chapéau!

Carsten Beyer, rbbKultur

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