August Diehl als Franz Jägerstätter und Bruno Ganz als Richter in einer Szene des Films "Ein verborgenes Leben" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 30.01.2020 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts vom 23.01.2020) Foto: Reiner Bajo/Pandora Filmverleih/dpa
Bild: dpa / Pandora Filmverleih / Reiner Bajo

Drama - "Ein verborgenes Leben"

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"Wehrkraftzersetzung" hieß das Verbrechen, das dem einfachen Bauern Franz Jägerstätter 1943 angelastet wurde. Er hatte sich geweigert, einen Eid auf Hitler zu schwören und die Waffe für das Reich in die Hand zu nehmen. Nicht vereinbar mit seinem Glauben und mit seiner Moral. Am 9.August 1943 wurde er in Brandenburg hingerichtet.

Der Amerikaner Terrence Malick hat diese Geschichte jetzt unter dem Titel "Ein verborgenes Leben" verfilmt, mit August Diehl in der Rolle des widerständigen Franz Jägerstätter.

Amerikaner auf den Spuren des stillen, österreichischen Helden

Der stille Widerstand wurde nie so prominent thematisiert, wie etwa das Stauffenberg-Attentat oder die Aktionen der Geschwister Scholl. In Amerika war die Geschichte lange Zeit bekannter als in Österreich und Deutschland. Der amerikanische Soziologe Gordon C. Zahn, veröffentlichte die Biografie von Franz Jägerstätter 1964, und inspirierte damit wiederum die amerikanische Friedensbewegung Pax Christi zum Widerstand gegen Vietnam. Terrence Malick hat sich seit den Neunziger Jahren für eine Verfilmung interessiert, 2015 begann er mit der Suche nach Schauspielern, 2016 wurde in Südtirol, Nordfriaul und Berlin gedreht. Dann dauerte die Postproduktion, mit Schnitt und Nachbearbeitung noch mal drei Jahre, bis das dreistündige Werk bei der Premiere in Cannes mit 20 Minuten Standing Ovation gefeiert wurde.

Meditatives Filmpoem

In Filmen wie "Tree of Life", "To The Wonder" oder "Song to Song" hat Terrence Malick in den letzten Jahren eine sehr assoziative Art des Erzählens zelebriert. Nun nähert er sich zwar wieder stärker einer klassischen voranschreitenden Erzählung an, bewahrt aber dennoch sehr meditative Elemente, sowohl am Anfang, wenn sich der Film in das Naturidyll der österreichischen Wiesen und Weiden und Berge einklinkt, in die bäuerliche Arbeit und das Familienleben, mit Frau und drei kleinen Mädchen, aber auch später wenn der Film nachspürt, wie der Entschluss in Franz Jägerstätter reift, in Gesprächen und Briefwechseln mit seiner Frau, den Dorfbewohnern, dem Pfarrer, dem Pflichtanwalt und dem Richter. Da ist auch die Seelenverwandtschaft zwischen dem Regisseur und seinem Helden zu spüren. Beide sind in gewisser Weise Mystiker, suchen den Einklang mit der Natur und begeben sich wenn nicht auf eine religiöse, so doch auf eine spirituelle Sinnsuche.

Fiktive Version eines realen Helden

Verkörpert wird dieser stille Held des Widerstands von dem deutschen Schauspieler August Diehl, der schon eine ganze Reihe historische Figuren gespielt hat, zuletzt den jungen Karl Marx und Walter Gropius in der Bauhausserie. Er hat viel recherchiert, sich in die Zeit und die Geschichte eingearbeitet, dann aber entschieden eine fiktive Version von Jägerstätter verkörpert. Er schwärmt von der sehr besonderen Zusammenarbeit mit Malick, bei dem er so wenig gespielt habe wie nie zuvor. Es sei vor allem darum gegangen, dieses Leben mit all seinen natürlichen Anforderungen vom Kühe melken bis zu Weizenernte zu leben. Da der Film chronologisch gedreht wurde, hat er auch den Wechsel von der Weite der Landschaft zur Enge des Gefängnisses ganz physisch erlebt. Getragen wird er vo einem dichten Netz großartiger Schauspieler in kleinen Nebenrollen, Bruno Ganz in einer seiner letzten Rollen als unnachgiebiger Richter, Tobias Moretti als Pfarrer, Franz Rogowski als Freund bei der Wehrdienst Grundausbildung, dazu noch Valerie Pachner, Maria Simon, Matthias Schoenaerts, Ulrich Matthes, Franz Rogowski,  Karl Markovic, Michael Nyquist. Sie alle begreifen die Geschichte nicht nur als historisches Kapitel, sondern ganz aktuell als Aufruf, nicht einfach gedankenlos mitzumachen, sondern eigene moralische, ethische Entscheidungen zu treffen und zu verteidigen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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Rithy Panh

Fr 28.02.2020 | 70. Berlinale | Wettbewerb - "Irradiés" | "Irradiated"

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