Freies Land © Verleih Telepool
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Thriller - "Freies Land"

Bewertung:

Eine Kleinstadt in der Oderregion, kurz nach der Wende: Nach einem Besuch auf dem Jahrmarkt sind zwei junge Frauen spurlos verschwunden. Für die Dorfbewohner ist der Fall klar: Die Mädchen sind Hals über Kopf in den Westen abgehauen.

Doch die beiden Kommissare Markus Bach (Felix Kramer) und Patrick Stein (Trystan Pütter) finden heraus, dass die Mädchen einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen sind. Dann tauchen neue Leichenteile auf – und es dämmert Stein und Bach, dass sie es nicht nur mit einer Mordserie zu tun haben, sondern mit einer zutiefst verstörten Gemeinschaft, in der die Wahrheit ihren Wert verloren hat.

Ein Morast aus Lügen und Intrigen

In Christian Alvarts Wende-Thriller "Freies Land" ist nichts, wie es scheint.

Seine beiden ungleichen Ermittler kämpfen sich in dem verschworenen Städtchen durch einen Morast aus Lügen und Intrigen. Niemand will etwas gesehen haben, niemand hat die beiden jungen Frauen wirklich vermisst. Es scheint, als habe sich dicker Mehltau über die Gesellschaft gelegt. Die Wende hat zwar stattgefunden, aber wirklich etwas verändert hat sich nichts. Sogar die alten sozialistischen Parolen hängen noch an den Wänden.

Spannung mit subtilen Mitteln

Anders als in seinen "Nick Tschiller"-Tatorten und seiner Netflix-Serie "Berlin Dogs" setzt Alvart diesmal nicht auf Action-Szenen, auf Schießereien und rasante Verfolgungsjagden. Spannung wird eher mit subtilen Mitteln aufgebaut: Durch die Musik und die mysteriöse Grundstimmung in dem namenlosen Städtchen entsteht ein Gefühl der Bedrohung, dem sich auch die beiden Kommissare nicht entziehen können. Dazu zeigt die Kamera Bilder von verlassenen Flusslandschaften, Industrieruinen und nasskaltem Ödland.

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Exzellentes Drehbuch

Dass es dabei nie langweilig wird, ist zum einen dem Drehbuch zu verdanken, dass Alvart vom spanischen Regisseur Alberto Rodríguez ("Mörderland") übernommen hat, zum anderen den beiden exzellenten Hauptdarstellern Trystan Pütter und Felix Kramer. Der eine ein strafversetzter Idealist aus dem Westen, der andere ein ehemaliger Stasi- Offizier aus dem Osten – nur langsam kommen sich die Beiden näher. Und als sie sich endlich zusammen gerauft haben, droht ein dunkles Geheimnis die Eintracht gleich wieder zu zerstören.

Alte Wunden der Wendezeit

Auch wenn sich Christian Alvart das eine oder andere Klischee nicht verkneifen kann: seine Mischung aus Milieustudie und Thriller funktioniert ausgezeichnet. Dass der Regisseur dabei alte Wunden der Wendezeit nochmal aufreißt und neu zusammensetzt, macht die Sache zusätzlich spannend. "Freies Land" schlägt die meisten "Tatorte" um Längen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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