Jojo Rabbit © dpa/Twentieth Century Fox/Entertainment Pictures
Bild: dpa/Twentieth Century Fox/Entertainment Pictures

Komödie - "Jojo Rabbit"

Bewertung:

Schräge Jungs und charmante Kindmänner sind die Helden der Filme des Neuseeländers Taika Waititi, zum Beispiel in "5 Zimmer, Küche Sarg" über eine von Vampiren bewohnte WG oder in "Wo die wilden Menschen jagen" über das bewegende Coming of Age eines pummeligen Waisenjungen und seine Freundschaft zu einem grantigen Witwer.

Nachdem er zuletzt in "Thor: Ragnarok" das Superheldenkino mit seinem besonderen Humor aufgemischt hat, erzählt sein neuester Film "Jojo Rabbit" eine Geschichte aus den Zeiten des Nationalsozialismus.

Ein imaginärer, väterlicher Freund namens Adolf Hitler

Titelheld des Films ist der zehnjährige Jojo, ein kleiner Junge, der in den letzten Monaten des Dritten Reiches in einer deutschen Kleinstadt lebt und sich wahnsinnig auf ein Feriencamp bei der Hitlerjugend freut. Er will unbedingt dazugehören, scheitert aber schon an der ersten Aufgabe, einen kleinen Hasen zu töten, was ihm den Spitznamen Jojo Rabbit, Hasenfuß einbringt. Zur Unterstützung in schwierigen Zeiten des Krieges mit einem abwesenden Vater hat er einen imaginären, väterlichen Freund namens Adolf Hitler, den Regisseur Taika Waititi mit viel subversivem Humor und Slapstickeinlagen selbst verkörpert.

Scarlett Johansson, Roman Griffin Davis
Bild: imago images

Enorme Fallhöhe zwischen knalliger Komödie und finsterer Tragödie

Wie meistens in den Filmen von Taika Waititi wechselt der Tonfall in schwindelerregendem Tempo, zwischen überdrehter Komödie und tief empfundenen Gefühlen. Einige Stilelemente erinnern an die Filme von Wes Anderson, die symmetrischen Blicke in Puppenhaus-Szenerien, rasante Kamerabewegungen, fidele Slapstick-Momente und der verspielte Umgang mit der Musik. Gleich in der ersten Szene, wenn der Beatles Song „I want to hold your hand“ über jubelnde Heil-Hitler-Massen gelegt ist.

Der respektlose Umgang mit Autorität udn Ideologie erinnert an die Filme und Sketche der britischen Komikertruppe Monty Python. Als Jojo zuhause hinter einer Wand der Wohnung ein jüdisches Mädchen entdeckt, das seine alleinerziehende Mutter (Scarlett Johanson) dort versteckt hat, wechselt der Tonfall. Fortan treten der imaginäre Freund und die reale Freundin in einen Wettstreit um die Seele von Jojo.

Das Mädchen bringt eine zarte romantische Note in den Film, es beginnt eine ganz leise, warmherzige Geschichte über einen kleinen, verwirrten Jungen, der durch die zartromantisch gefärbte Freundschaft zu dem sechzehnjährigen, jüdischen Mädchen Elsa herausfindet, wer in seiner Welt die wahren Monster sind.

Widerstreitende Kräfte

Dass Taika Waititi nicht nur Drehbch und Regie übernommen hat, sondern auch gleich noch die Hitlerrolle, ist ein schöner Hinweis auf seinen subversiven Humor, schließlich ist er nicht nur Halb-Maori, sondern  hat durch seine Mutter auch jüdische Wurzeln. Er selber kolportiert, dass sich nicht so viele Schauspieler um diese Rolle gerissen hätten.

Entscheidender ist, dass niemand die Rolle in dieser irrwitzigen Mischung aus Understatement und exaltiertem Spaß verkörpern hätte können. Auch sonst hat Taika Waititi eine illustre Schauspielerriege versammelt, die die konträren Kräfte verkörpern, die in diesem Film walten.

So verkörpert Sam Rockwell Captain Klenzendorf, der im Camp der Hitlerjugend die Fächer Bücherverbrennung, Judenverfolgung und Granatenwerfen unterrichtet. Die Komikerwuchtbrumme Rebel Wilson spielt Fräulein Rahm, die sich damit brüstet, dem Führer 18 kleine Arier geboren zu haben.

Andererseits gibt es aber auch jemanden wie Scarlett Johansson, die diesem Wahnsinn einen stillen Ernst und feine Gefühle entgegensetzt. Jojo ist eine vielschichtige Coming of Age-Geschichte in Nazi-Deutschland, die eine schwindelerregende Balance zwischen schrillem Klamauk und ganz zarter Wahrhaftigkeit hält.  

Anke Sterneborg, rbbKultur

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