Little Joe, Regie: Jessica Hausner © COOP99, The Bureau, Essential Films
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Drama - "Little Joe – Glück ist ein Geschäft"

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Eine Blume, die gewärmt, gehegt und angesprochen werden muss, wie ein lebendiges Wesen. Als Belohnung verströmt sie einen Duft, der glücklich macht. Die Wissenschaftler, die sie im Labor erschaffen haben, preisen sie als erste "stimmungsaufhellende, antidepressive Glückspflanze" an.

Sie heißt "Little Joe" und ist sozusagen die heimliche Hauptdarstellerin im neuen Film der Österreicherin Jessica Hausner. Der gleichnamige Film hat letztes Jahr in Cannes Premiere gefeiert.

Mad scientists im Gewächshaus

"Little Joe" fängt in einer großen Gewächshaushalle an, mit endlosen Reihen von Blumensetzlingen. Dort stellen die Genforscher ihre neueste Kreation vor, die titelgebende Blume. Alle sind stolz und optimistisch und wollen ihre Schöpfung auf der nächsten Blumenmesse lancieren. Um das zu erreichen, wurden im Züchtungsprozess aber unbekannte Viren eingearbeitet. Ein wenig erinnert das an die "mad scientists" in Horrorfilmen, Wissenschaftler, die Gott spielen und dabei etwas erschaffen, das außer Kontrolle gerät. Könnte es sein, dass die Blütenpollen im menschlichen Gehirn Veränderungen hervorrufen, wenn sie eingeatmet werden?

Little Joe, Regie: Jessica Hausner © COOP99, The Bureau, Essential Films
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Ahnungen und Andeutungen

Während die Wissenschaftler ihre Schöpfung verteidigen, verbreitet eine ältere, labile Kollegin Unruhe und Paranoia. Womöglich gehen die Irritationen eher von der psychischen Verfassung der Menschen aus, als von der Blume. Schützen die Wissenschaftler sich selber mit Mundschutz und Handschuhen, oder doch eher die zarte Pflanze? Die große Kunst von Jessica Hausner besteht darin, Ahnungen und Andeutungen auszulegen, ohne Sicherheiten zu manifestieren. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, sich seinen eigenen Weg zu bahnen.

Gentechnik als Märchenerzählung mit komischen Komponenten

Jessica Hausner ist keine Forschungspessimistin, sie glaubt an die Vorteile der Gentechnik für Medizin und Nahrungsmittelherstellung, weiß aber auch dass es in der Wissenschaft viele Unwägbarkeiten gibt. Im Film geht sie mit diesem Für und Wider eher spielerisch um, mit feinem Gespür für die Absurditäten des Alltags, mit viel Ironie und manchmal sogar mit Humor.

Schon das Aussehen der Pflanze mit ihrer leuchtend roten Puschel-Blüte ist ausgesprochen liebenswert, aber wenn sie ihre feinen Tentakel ausstreckt, wirkt sie auch geheimnisvoll, als würde sie etwas im Schilde führen. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch die Tonspur, durch die unterschwellig bedrohliche Musik und das feine Knistergeräusch der Blüte.

Kühler Look mit lichten Akzenten

Die weitläufigen Räume des Gentechniklabors sind klinisch weiß, kühl und sauber, mit geometrischen Linien in kaltem Neonlicht. Doch immer wieder leuchten bunte, lichte Farben hervor, kanariengelb, pudriges Apricot, leuchtendes Pink, giftiges Grün. Dazu kommen die roten Haare von Emily Beecham und die lindgrünen Laborkittel.

Jessica Hausner kreiert eine künstliche Welt, in der sie dann wie auf einer Bühne die Strippen ziehen kann. Überall streut sie sich widersprechende Hinweise aus. Alles wirkt immer ein bisschen distanziert, fast mechanisch. Doch Emily Beecham, die im Mai in Cannes zurecht mit der goldenen Palme als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, unterwandert diese Sachlichkeit des Auftretens, schmuggelt feine Nuancen von Unsicherheit und eine seelische Durchlässigkeit ein, treibt feine Risse in die Fassade der analytischen Wissenschaftlerin.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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