Miles Davis © Piece Of Magic Entertainment
Bild: Piece Of Magic Entertainment

Dokumentation - "Miles Davis: Birth of the Cool"

Bewertung:

Über einhundert Alben hat Miles Davis in 46 Schaffensjahren eingespielt. Er gilt als einer der bedeutendsten Jazzmusiker aller Zeiten.

Er hat mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie gespielt, und unter anderem die Karrieren von Herbie Hancock, Carlos Santana und Quincy Jones inspiriert. Sehr viel Leben und sehr viel Musik für einen Film von knapp zwei Stunden, in der Dokumentation "Miles Davis  - Birth of the Cool" von Stanley Nelson.

Mit jazziger Improvisationslust komponiert

Stanley Nelson hat eine Fülle von Material gesichtet, er hatte unbegrenzten Zugang zum Archiv der Familie. Statt das Leben streng chronologisch zu verwalten setzt er die vielen Komponenten des Werdens und Wirkens von Miles Davis formal und inhaltlich zueinander in Beziehung, wie ein impressionistisches Puzzle, wie ein improvisiertes Jazz-Stück.

Grandiose, zum Teil schwarzweiße, zum Teil farbige Fotos des King of Cool werden mit Archivaufnahmen von Konzerten und Studiosessions und mit vielen Interviews mit Wegbegleitern und Kollegen wie Quincy Jones und Herbie Hancock, mit Schriftstellern, Historikern, Jugendfreunden und schönen Lebensgefährtinnen wie der Sängerin Juliette Gréco, der Tänzerin Frances Taylor oder der Musikerin Betty O’Mabry vernetzt.

Miles Davis © Piece Of Magic Entertainment
Bild: Piece Of Magic Entertainment

Dazu kommen Impressionen aus seiner Heimatstadt East St. Louis, aus New York, wo er tags die Juilliard School besuchte und nachts in den Clubs der 52Street spielte, aus Paris, wo er Ende der vierziger Jahre einige Zeit im Umfeld berühmter Künstler wie Sartre oder Picasso lebte. Zusammengehalten werden die vielen Teile durch die Musik von Miles Davis und durch die raue Erzählerstimme des Schauspielers Carl Lumbly, der Passagen aus seiner Autobiografie spricht.

Lebensthema schwarze Selbstermächtigung

Seit zwanzig Jahren kreisen die Filme von Regisseur Stanley Nelson um das Thema schwarze Selbstermächtigung, in Dokumentationen wie "The Black Press: Soldiers without Swords", "Freedom Riders" und "The Black Panthers: Vanguard of the Revolution". Durch seine lange und vielschichtige Beschäftigung mit dem Thema hat der Regisseur eine Sensibilität, die auch hier immer wieder durchschlägt, ohne penetrant kämpferisch zu dominieren und Miles Davis Haltung entspricht.

Für eingefleischte Fans ebenso wie für Jazznovizen

"Miles Davis  - Birth of the Cool" ist so flirrend und vielschichtig komponiert, dass jeder auf seine Kosten kommt, der sich ein kleines bisschen für Jazz interessiert. Besonders berührend sind die Passagen, in denen berühmte Kollegen die besonderen Qualitäten des Spiels von Miles Davis zu beschreiben versuchen.

In seiner Struktur spiegelt der Film die Entstehung und den Wandel der Musik von Miles Davis, der sich von den unterschiedlichsten Einflüssen inspirieren ließ, seien es die verschiedenen Geliebten, die Flamenco Klänge bei einer Tanzaufführung oder die indische Musik in einem Restaurant.

Der berühmte Soundtrack zu Louis Malles "Fahrstuhl zum Schafott", den Miles Davis direkt zu den Bildern improvisiert hat, markiert eine weitere entscheidende Wende im Werk. Von da an durfte jedes Mitglied seiner Band die Musik dahin treiben, wo er sie haben wollte. Auf kongeniale Weise verknüpft der Film die Lebensgeschichte und die künstlerische Entwicklung von Miles Davis mit den Zeitläufen des 20.Jahrhunderts.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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