Shadow, Regie: Zhang Yimou; © Constantin Film
Constantin Film
Bild: Constantin Film

Filmkritik - "Shadow"

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Zhang Yimou gehört zur sogenannten fünften Generation chinesischer Filmemacher, die auf subtile Weise Kritik an den politischen Verhältnissen geübt haben. 1988 begann sein Triumphzug ins internationale Kino auf der Berlinale, wo er für seinen bildgewaltigen Film "Rotes Kornfeld" mit dem goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Es folgten opulente Filmkunstwerke wie "Rote Laterne" und epische Kampfkunstdramen wie "Hero" und "House of Flying Daggers". Ausnahmsweise nicht am Donnerstag sondern am Montag, den 6.1.2020 startet bei uns sein neuester Film, "Shadow" mit dem er an diese sogenannten Wuxia-Filme über ritterliche Helden anknüpft.

"Shadow" schließt an die großen Kampfkunstfilme an und erfindet das Genre des Wuxia-Schwertkampffilms zugleich noch mal ganz neu. Im Unterschied zu dem bei der letzten Berlinale zurückgezogenen Film "One Second", der mit der Kulturrevolution ein Tabuthema behandelte, wird hier eine fiktive historische Geschichte erzählt, die einer im 14. Jahrhundert verfassten Textsammlung mit  Geschichten und Legenden aus der Frühzeit des Reichs entnommen ist. Die Geschichte spielt zur Zeit der drei Königreiche, im dritten Jahrhundert nach Christus. Der junge König Pei Liang will unbedingt den Frieden bewahren, während sein oberster General heimlich Kriegsvorbereitungen trifft. Damit nicht bekannt wird, dass sein Oberbefehlshaber Jing im letzten Kampf schwer verwundet wurde, das Reich also geschwächt ist, schickt er dessen "Schatten" ins Gefecht, einen Doppelgänger. Dieses Motiv der Spiegelung durchzieht den ganzen Film motivisch, angefangen mit dem riesigen Yin und Yang-Zeichens, das am Boden einer geheimen Grotte aufgemalt ist, in der sich der sieche Oberbefehlshaber vor der Öffentlichkeit versteckt. Im Spannungsverhältnis von schwarz und weiß, männlich und weiblich, Erde und Wasser ist der Film atemraubend schön komponiert, bis hin zur Musik, mit ihrem Zusammenspiel von Flöte und Zither.

Shadow, Regie: Zhang Yimou; © Constantin Film
Bild: Constantin Film

Hochästhetische und sinnliche Schauwerte

Shadow nimmt Motive aus den großen Kampfepen "Hero" und "House of Flying Daggers" auf, auch einige spektakuläre Kampfszenen gibt es. Doch in stärkerem Maße geht es um die Intrigenspiele bei Hofe, die an Shakespeare’sche Königsdramen erinnern, und an die Filme des Japaners Akira Kurosawa. Im Kontrast zur enormen Farbenpracht der großen Meisterwerke von Zhang Yimou, wirkt dieser fast wie in schwarzweiß gedreht. Erlesene Kompositionen in allen Schattierungen von grau, schwarz und weiß, erinnern an chinesische Tuschezeichnungen, nur die Haut schimmert dezent farbig, und das rote Blut, das sich in den Kampfszenen malerisch mit dem Regenwasser mischt. Die Kamera schwelgt in flatternden Stoffen der Gewänder, in den Wassertropfen, die unter dem Tritt eines Fußes dekorativ aus den Pfützen hochspritzen, in symmetrischen Architekturen, malerischen Berg- und Fluss-Landschaften, in den rhythmischen Strukturen von Bambuswäldern.

Weibliches Prinzip männlich umgedeutet

In einer Abwandlung des traditionellen Ölpapier-Schirms, den Frauen dekorativ einsetzen, kommt im Film eine männliche, kriegerische Version zum Einsatz, die aus vielen kurzen Eisenschwertern zusammengesteckt ist. In elegant fließenden und dynamisch schwingenden Bewegungsabläufen werden einzelne Klingen aus dem Schirm geschleudert, begleitet von metallischen Geräuschen, die an das Klappern und Zirpen von Insekten erinnern. Auf den vom Regen durchgematschten Wegen können diese Schirme aber auch wie eine Art Paddelboot eingesetzt werden, wie eine Muschel, in der die Krieger wie ein Heuschreckenschwarm in die besetzte Stadt einfallen. Das Prinzip der Spiegelungen, Doppelungen und Gegensätze durchdringt den gesamten Film, dessen Schönheit nie nur oberflächlich ist.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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