Filmszene aus "Sorry We Missed You" von Ken Loach © www.imago-images.de/Joss Barratt
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Drama - "Sorry we missed you"

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Filmemachen ist ein anstrengender Beruf, darum es nur allzu verständlich dass Ken Loach, der Chronist der Lebensumstände der britischen Arbeitergesellschaft mit rund achtzig Jahren, zwanzig Spielfilmen und vielen Dokumentationen seinen Rückzug aus dem aktiven Geschäft angekündigt hat.

"Jimmy's Hall" sollte sein letzter Spielfilm werden und er wollte fortan Fußball- oder Cricket-Spiele verfolgen und vielleicht mal eine kleine Dokumentation drehen. Jetzt kommt "Sorry we missed you" in unsere Kinos, nach "I, Daniel Blake" (über einen 59jährigen Arbeiter, der nach einem Herzinfarkt gegen das marode, britische Sozialsystem ums Überleben kämpfen musste) schon der zweite Spielfilm seit seiner angekündigten Pensionierung.

Eine Arbeiterfamilie unter Druck

Wie in allen Filmen von Ken Loach geht es auch hier wieder um die Nöte des arbeitenden Mannes. Im Zentrum von "Sorry we missed you" steht eine Familie im unteren Mittelstand im Zentrum, die durch die Bankenkrise ihr Haus und mit dem Job des Mannes die Existenzgrundlage verloren hat. Am Anfang des Films hofft Ricky auf einen Job bei einem Paketlieferdienst, doch die Hoffnung erweist sich als trügerisch. Der neue Arbeitgeber verspricht Freiheit und Unabhängigkeit als Unternehmer, doch dafür soll Ricky zunächst ein Lieferfahrzeug teuer mieten oder auf Kredit ein eigenes kaufen. Aber auch sonst ist der Druck in der Firma immens. Gerechnet wird mit dem reibungslosen Ablauf, jede Verzögerung, im dichten Straßenverkehr, mit falschen Adressen oder rüpeligen Kunden, ist Sand im Getriebe, erhöht den Druck, schmälert den Verdienst. Auch für familiäre Notstände bleibt kein Spielraum, und dann wird Ricky auch noch überfallen, bestohlen und verprügelt.

Bitterer Ernst im zärtlichen Blick

Gelang es den britischen Regisseuren in der Regel, auch den schwierigsten Lebensumständen noch komische Momente abzuringen, so scheint Ken Loach angesichts moderner Arbeitsbedingungen nun doch das Lachen vergangen zu sein. Manchmal ist es kaum auszuhalten, wie der Film immer mehr Zumutungen über dieser tapferen kleinen Familie ablädt. Wenn Ricky auf seiner Tour von seiner elfjährigen Tochter begleitet wird, trotzen die beiden der harten Arbeit ein paar liebevolle, familiäre Momente ab, doch dieses kleine Glück wird augenblicklich wieder angeschwärzt und untersagt. Das einzige, was bleibt, ist die schützende Zärtlichkeit des Blicks von Ken Loach, die Aufmerksamkeit für die kleinen Wunder des Alltags und für die Art wie diese kleine Familie die letzten Reste von Menschlichkeit gegen die Anforderungen des Turbokapitalismus verteidigt.

Laiendarsteller tragen dokumenatrische Elmente ins fiktive Konstrukt

Kris Hitchen, der Ricky verkörpert, war bis vor kurzem selber noch Fabrik-und Bauarbeiter. Auf fast dokumentarische Weise trägt er seine eigene Lebenserfahrung in den Film. Auch das macht die Magie des Kinos aus, ein feines Gespür für tolle Gesichter und wahrhaftige Gefühle. Zugleich schlagen hier Ken Loachs Anfänge als Dokumentarfilmregisseur durch. Mit großer Zärtlichkeit sammelt Ken Loach feine Beobachtungen des Arbeits- und Familienalltags, macht zugleich auf schmerzliche Weise den ungeheuren Druck spürbar, der dieser hart arbeitenden Familie die Luft zum Atmen nimmt.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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