2001: Odyssee im Weltraum - DVD und Buch; © Montage: rbbKultur
Bild: Taschen Verlag

DVD und Buch - "2001: Eine Odyssee im Weltraum"

Bewertung:

Stanley Kubricks Film "2001: Eine Odyssee im Weltraum" gilt als Meilenstein der Filmgeschichte, eine kühne Science-Fiction-Vision, die das Genre revolutionierte: Der Film war 1968 so revolutionär, dass er zahlreiche Kritiker und Zuschauer ratlos machte.
Im Taschen-Verlag wird der Film jetzt im Rahmen der opulenten Serie "Making-of eines Meisterwerks" gewürdigt.

DVD und Blu-ray des neu gemasterten Films werden durch eine Fülle von Materialien ergänzt, in einem Bilderbuch im Deluxe LP-Format über die Entstehungsgeschichte, mit einer Fülle von Essays, Interviews, Setfotos und Skizzen aus Kubricks Archiven.

Raumschiffe tanzen Walzer

Es war der erste Schnitt der Filmgeschichte, der drei Millionen Jahre überbrückte, von der Urzeit der Primaten in die Zukunft der Raumfahrttechnik. Der Knochen, den der Affenmensch im ersten Akt der Menschwerdung durch die Luft schleudert, wird im Schnitt zum Raumschiff, das in fließend schwerelosem Flug zu den Klängen von Johann Strauß' Donauwalzer durch die Weite des Alls tanzt. Erst nach fast einer halben Stunde wird der erste, lapidare Satz  gesprochen, bei der Ankunft von Dr. Floyd Haywood auf einer Art Weltraum-Raststätte zwischen Erde und Mond: "Wir sind da."

2001: Odyssee im Weltraum - DVD und Buch; © Montage: rbbKultur
Auszug aus dem Buch | Bild: Taschen Verlag

Höchste Geheimhaltung

Auf futuristischen roten Sesseln, die locker in der gleißend weißen, weitläufigen Lobby verteilt sind, versuchen russische Forscher vergeblich, von dem Amerikaner etwas über einen Zwischenfall im Mondkrater Clavius zu erfahren: "Vielleicht können Sie das Geheimnis lüften und uns erklären, was da oben vor sich geht?" – "Ich bedauere sehr, aber ich bin nicht berechtigt, über die Sache zu reden."

Auch etwas später im Konferenzraum auf dem Mond, bei seinen eigenen Leuten, bleibt der Mann vom nationalen Ausschuss für Astronautik vage: "Ich hoffe, Sie sind sich darüber im Klaren, welche Gefahren bestehen, zu welcher Schockwirkung es sowohl auf kulturellem wie auf sozialem Gebiet kommen würde, wenn die Fakten zu früh bekannt werden und wir keine Zeit mehr haben, die Menschheit langsam darauf vorzubereiten."

Psychedelischer Bilderrausch und Klassik

Kurz darauf begibt sich eine Delegation von Wissenschaftlern in Raumanzügen an die Fundstätte eines mysteriösen schwarzen Monolithen. Von dem Artefakt einer hochentwickelten außerirdischen Intelligenz geht eine seltsame Wirkung aus, eine Botschaft in Form von Tönen und Strahlungen, die die Menschen von ihrem selbstzerstörerischen Kurs abbringen soll.

Von den 149 Minuten Laufzeit des Films entfällt nicht mal ein Drittel auf Dialoge: "Versuche nie etwas zu erklären, was du selber nicht verstehst.", wird Kubrick im opulenten großformatigen Booklet zitiert, dessen Inhalt von den, ebenfalls bei Taschen erschienenen "Kubrick Archives" übernommen ist: "Vertraue darauf, dass das Publikum mit dir fühlt."

Entsprechend speist sich die Filmerfahrung bei "2001" aus einem psychedelischen Bilderrausch, der von klassischer Musik getragen ist, unter anderem von György Ligeti, Johann Strauß und Richard Strauß. Eine sinnlich überwältigende und zugleich rätselhafte Erfahrung von Raum und Zeit.

2001: Odyssee im Weltraum - DVD und Buch; © Montage: rbbKultur
Auszug aus dem Buch | Bild: Taschen Verlag

Prophetischer Blick in die Zukunft, gepaart mit Philosophie

"2001 – Odyssee im Weltraum" glänzt mit der realistischen Darstellung der Weltraumfahrt, über die sich Kubrick in zahllosen Gesprächen mit Wissenschaftlern aus aller Welt umfassend informiert hatte. Statt eine galaktische Fantasie über fliegende Untertassen und kleine grüne Männchen zu entwerfen, lotete Kubrick die philosophischen Dimensionen des Genres aus. Schon vor mehr als 50 Jahren, noch vor der ersten Mondlandung, dachte er auf visionäre Weise über den Ursprung des Lebens nach, über die Zukunft der Computertechnik und die Gefahren künstlicher Intelligenz, die uns heute so virulent beschäftigen.

Im dritten von vier Teilen des zweieinhalbstündigen Films kommt der Supercomputer Hal 9000 ins Spiel: "HAL 9000 ist das komplizierteste und vollkommenste Elektronengehirn, das es auf der Welt gibt. Er ist imstande, alle Funktionen des menschlichen Gehirns zu vollziehen – oder nachzuahmen, wie manche Experten lieber sagen – und das mit wesentlich größerer Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit als wir."

Ein Computer als Besatzungsmitglied

Im Film wird das elektronische Superhirn, als sechstes Mitglied der Besatzung, durch ein riesiges, kaltes, rotes Glasauge verkörpert. Im Original spricht es mit der berühmt gewordenen Stimme von Douglas Rain, die zugleich hypnotisch schmeichelnd und bedrohlich wirkt, etwa wenn er in einem Fernsehinterview wie ein Mensch angesprochen wird und über seine fehlerlose Funktionalität spricht: "Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen mal ein Fehler unterläuft? – "Kein Computer der Serie 9000 hat jemals einen Fehler gemacht oder unklare Informationen gegeben. Wir alle sind hundertprozentig zuverlässig und narrensicher!"

Genau das wird zum Problem, als Hal begreift, dass die Besatzung in ihm eine Gefahr sieht und ihn darum ausschalten will …

Anke Sterneborg, rbbKultur

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