Ruf der Wildnis © 2019 Twentieth Century Fox
2019 Twentieth Century Fox
Bild: 2019 Twentieth Century Fox

Abenteuer | Drama - "Der Ruf der Wildnis"

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1903 erschien Jack Londons Abenteuerroman "Ruf der Wildnis". Das Buch, das in die Zeit des Goldrauschs in Alaska führt, gilt als eines seiner besten Werke. London erzählt die Geschichte des Hundes Buck, einem Mischling aus Bernhardiner und Schäferhund, der zahlreiche Abenteuer bestehen muss und immer wieder menschlicher Gewalt ausgesetzt ist - bis er auf den kauzigen, aber gütigen GoldgräberJack Thornton trifft.

Buck ist ein junger Hund, der in einem Herrenhaus im südlichen Kalifornien ein behagliches Dasein fristet. Eines Nachts wird er heimlich gestohlen und in einer Kiste nach Alaska verfrachtet, wo gerade große Mengen Gold gefunden wurden. Es beginnt ein Wettlauf um die besten Claims und alle Welt braucht Schlittenhunde, um in der Weite der dortigen Landschaft voranzukommen. Für den verwöhnten Haushund beginnt das Abenteuer seines Lebens, das ihn näher und näher an seine eigentliche Bestimmung heranführen wird.

Ein Roman-Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts

"Der Ruf der Wildnis" ist einer der bekanntesten Romane des US-amerikanischen Abenteurers Jack London. Vor dem Hintergrund des großen Goldrauschs am Klondike River 1897/98 beschreibt London die (Rück)-Verwandlung eines Haushundes zum Wildtier: Buck läuft zunächst im Schlittenhunde-Rudel des gutmütigen Postschlittenfahrers Perrault (Omar Sy).

Als dessen Job durch den Telegrafen überflüssig gemacht wird, gelangt der Hund in die Hände eines verbrecherischen Goldsuchers (Dan Stevens) und landet schließlich an der Seite des kauzigen Einsiedlers John Thornton (Harrison Ford). Die beiden machen sich auf zu einem Treck nach Norden – und dort, in einsamen Weiten Alaskas, hört Buck endgültig den Ruf der Wildnis und schließt sich einem Wolfsrudel an.

Die dünne Decke der Zivilisation

Ein Hund, der seinen Urinstinkten folgt und die dünne Decke der Zivilisation immer weiter abstreift – wie lässt sich das verfilmen? US-Regisseur Chris Sanders hat sich für die Disney- Methode entschieden. Sein Buck trägt äußerst menschliche Züge. Dank moderner Animationstechnik kann er nach Belieben fröhlich, traurig oder grimmig dreinblicken, er kann Menschen und Tieren gegenüber seinen Willen zum Ausdruck bringen und er kann seinem Herrchen John sogar die Schnapsflasche aus der Hand nehmen, wenn dieser wieder mal seine Schwermut im Alkohol ertränken will. Leider tut all das dem Film überhaupt nicht gut - aus dem packenden Abenteuer-Roman wird ein rührseliges Kindermärchen.  

Harrison Ford – Ritter von der traurigen Gestalt?

Noch schlechter meint es das Drehbuch mit den menschlichen Darstellern. Ausnahmslos jeder, der in diesem Film auftaucht, hat entweder ein Herz aus Gold oder er ist abgrundtief böse. Irgendwelche Zwischentöne sind offenbar nicht vorgesehen. Besonders schlimm hat es Harrison Ford getroffen.

Der Jäger des verlorenen Schatzes wird zum Ritter von der traurigen Gestalt. Ein einsamer und vom Leben gebeulter Trapper, der mit seinem Hund hoch- philosophische Gespräche unterm Sternenhimmel führt, während der ihn treuherzig anbellt. Als sich Buck am Ende von den Menschen abseilt und nur noch mit seinem Wolfsrudel durch die Gegend streift, ist man regelrecht erleichtert: Wenigstens wird nun kein Unsinn mehr geredet.

Ruf der Wildnis © 2019 Twentieth Century Fox
Bild: 2019 Twentieth Century Fox

Der Sieg des Künstlichen über die Natur

Nicht nur das Drehbuch ist enttäuschend, auch die Bilder lassen stark zu wünschen übrig. Statt echter Landschaftsaufnahmen aus den Weiten Alaskas gibt es vor allem Studioaufnahmen mit verschneiten Westernstadt- Kulissen sowie nachkolorierte Naturimpressionen, die an einen bunten Reiseprospekt erinnern.

Wer tatsächlich was von der Atmosphäre des Großen Goldrauschs mitbekommen will: Lieber nochmal das Buch von Jack London zur Hand nehmen und die eigene Vorstellungskraft bemühen - das macht deutlich mehr Spaß!

Carsten Beyer, rbbKultur

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