Willem Dafoe in Tommaso und der Tanz der Geister © Peter Zeitlinger
Bild: Peter Zeitlinger

Drama - "Tommaso und der Tanz der Geister"

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Im Wettbewerb der kommenden Berlinale gehört "Siberia", der neue Film des amerikanischen Indie-Regisseurs Abel Ferrara zu den 18 Filmen, die um die goldenen und silbernen Bären konkurrieren. Eine Woche vorher, am morgigen Donnerstag läuft der letzte Film des Regisseurs in unseren Kinos an, "Tommaso und der Tanz der Geister".

Mit dokumentarischem Gestus fängt die Kamera den italienischen Alltag eines Amerikaners in Rom ein: Italienisch-Unterricht, Yoga-Stunden, ein Espresso im Coffee-Shop, Einkäufe beim lokalen Gemüsehändler, Spielplatzbesuch mit der kleinen Tochter, Sitzungen bei den Anonymen Alkoholikern.

Autobiografische Lebensskizze

Wie Abel Ferrara ist auch Tommaso Regisseur unabhängig produzierter Film, wie dieser lebt auch er in Rom und hat das unstete Leben als Bad Boy Bohemien mit Drogenproblemen hinter sich gelassen, für den Kleinfamilienalltag mit einer gut dreißig Jahre jüngeren Europäerin und der gemeinsamen, dreijährigen Tochter.

Gedreht wurde in der Wohnung, in der Abel Ferrara mit Frau und Kind lebt. Im Film heißt die Frau zwar Nikki, aber "gespielt", oder besser verkörpert wird sie von Cristina Chiriac, die auch in Wirklichkeit die Mutter von Abel Ferraras Tochter Anna ist, die wiederum als Filmtochter Deedee auftritt. Die Trennungslinie zwischen Realität und Fiktion ist sehr dünn in diesem Film, der bisweilen wie ein cineastisch überhöhtes Home Movie anmutet.

Der Tanz der Geister

Ansätze eines fiktiven Konstrukts gibt es dennoch. Es beginnt mit kleinen Irritationen, die Tommaso aus der Bahn werfen, auf die er unverhältnismäßig heftig reagiert. Dass er seine Frau zufällig auf der Straße dabei beobachtet hat, wie sie Zärtlichkeiten mit einem anderen Mann austauscht, überspielt er zwar zunächst, doch dieser kleine Moment reicht, um die Fassade des bürgerlichen Lebens zum Einsturz zu bringen, und Tommaso immer unberechenbarer und aufbrausender reagieren zu lassen. Bald verwischen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit, banaler Alltag und flirrender Fiebertraum sind nicht mehr klar zu unterscheiden.

Der Schauspieler als Alter Ego des Regisseurs

In rund zwanzig Jahren kontinuierlicher Zusammenarbeit bei insgesamt sechs gemeinsamen Filmen haben sie eine besondere Vertrautheit entwickelt. Zusammen mit einer gewissen äußerlichen Ähnlichkeit zwischen Abel Ferrara und Willem Dafoe, prädestiniert sie den Schauspieler nun dafür, das Alter Ego des Regisseurs zu spielen. Gleichzeitig ist Willem Dafoe aber auch die einzige sichtbare Trennungslinie zwischen Realität und Fiktion, ein Schauspieler, der bei aller Intensität und Durchlässigkeit eben doch immer noch eine Rolle spielt. In gewisser Weise könnte der Film auch eine Vorstudie von "Siberia" sein, in dem es um eine „Sprache der Träume“ gehen soll.

Willam Defoe in Tommaso und der Tanz der Geister © Peter Zietlinger
Bild: Peter Zeitlinger

Von New York nach Rom

Die fiebrige Aggressivität und auch der große Stilwillen von Filmen wie "Bad Lieutenant" oder "Die Frau mit der 45 Magnum" ist in "Tommaso und der Tanz der Geister" einem eher europäischen Flair gewichen. Die Bilder verströmen römisches Lebensgefühl und lassen ein Echo des Neorealismus und der Nouvelle Vague nachklingen, das wohl auch mit den Dokumentarfilmen zu tun haben dürfte, die Ferrara in den letzten fünf Jahren gedreht hat. "Tommaso und der Tanz der Geister" ist die autobiografische Skizze eines Mannes, der die eigene Situation zwischen den Lebensentwürfen als ruheloser Künstler und als verantwortungsvoller Familienvater reflektiert, und zwischen Wahn und Wirklichkeit ins Schlingern gerät.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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