Der südkoreanische Film Parasite gewann bei den Oscars in 4 Kategorien © picture alliance/ Photoshot
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92. Oscarverleihung - So waren die Oscars

In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar wurden zum 92. Mal die Oscars verliehen. Anke Sterneborg hat die Verleihung mit vielen Millionen Fernsehzuschauern weltweit für uns beobachtet.

Eine überraschende Wende

Gleich mehrfach wurde bei der 92. Oscar-Verleihung Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal überhaupt wurde ein Film aus Südkorea ausgezeichnet, und das gleich vierfach! Neben dem Oscar für den besten nichtenglischsprachigen Film gab es noch einen für das beste Originaldrehbuch und die beste Regie und vor allem, auch zum ersten Mal die absolute Königskategorie bester Film.

Mit sechs Nominierungen gehörte "Parasite" zwar von vornherein zu den Überraschungs-Kandidaten. Doch damit, dass er die wichtigsten Preise aber auch allesamt abräumt, hat wohl kaum jemand gerechnet, auch Bong Joon-Ho selber nicht. In einem Oscar-Jahrgang mit sehr vielen historischen Geschichten gehörte "Parasite" zu den wenigen Filmen, die sich mit dem Zustand der Welt heute auseinandersetzen. Auf subversive Weise erzählt der Film eine Geschichte über den härter werdenden Kampf zwischen arm und reich, eine Geschichte, die in der koreanischen Gesellschaft verwurzelt, aber zugleich universell und dazu sehr originell erzählt ist.

Verlierer

Der ganz große Verlierer des Abends war das Mafia-Epos "Irish Man", der für zehn Oscars nominiert war, aber völlig leer ausgegangen ist. Martin Scorsese wurde lange Zeit von der Academy ignoriert, hat seinen ersten Regi-Oscar erst sehr spät in der Karriere bekommen, für "Departed", wurde aber immerhin spontan mit einer Standing Ovation geehrt, als Bong Joon-Ho in seiner Regie-Dankesrede den großen Kollegen als wichtige Inspiration würdigte.

Zu viele Favoriten neutralisieren sich gegenseitig

Während sich sonst schon bei den Nominierungen ein oder zwei Favoriten abzeichnen, gab es in diesem Jahr vier Favoriten mit zehn oder elf Nominierungen, neben "Irish Man", noch die düstere Comic Verfilmung "Joker", das Kriegsepos "1917" von Sam Mendes  und die Hollywood-Satire über eine alternative Version der Manson-Morde "Once upon a time in Hollywood" von Quentin Tarantino.

Bei den Oscarprognosen sah es noch so aus, als würde sich "1917" durchsetzen, dann aber mit drei Oscars für die beste Kamera, die besten visuellen Effekte und die beste Soundmischung begnügen, fast schon ein Affront für einen Film, der sehr hoch gehandelt wurde und als künstlerisches Gesamtwerk überzeugt. Auch sonst wurden die Nominierungsfavoriten stark zurechtgestutzt, "Once upon a Time in Hollywood" konnte nur zwei Oscars für Brad Pitt als bester Nebendarsteller und für das Produktionsdesign verbuche, ebenso wie der "Joker" für die beste Musik und den besten Hauptdarsteller Joaquin Phoenix.

Oscars so white, so male

Schon im Vorfeld gab es viel Kritik an den Nominierungen. Zwei Jahre nach dem Bekanntwerden des Weinstein-Skandals und dem Kick-off für die me-too-Debatte, und nach der großen Oscar so white-Debatte, über die notorische Unterrepräsentierung von farbigen Talenten vor und hinter der Kamera waren in diesem Jahr wieder kaum Frauen nominiert und nur eine einzige schwarze Schauspielerin, Cynthia  Erivo als beste Hauptdarstellerin in "Harriet". Während die Academy in ihrem Kern nach wie vor rückwärtsgewandt und grundkonservativ am kulturellen Wandel vorbeinominiert, haben Präsentatoren und Preisträger in ihren Reden viel Flagge gezeigt: Wenn sich Chris Rock und Steve Martin in ihrer Auftakt-Performance süffisant darüber mokieren, wie sehr sich die Oscars in 92 Jahren verändert haben, im ersten Jahr habe es gar keine Nominierung für einen Schwarzen gegeben, in diesem Jahr immerhin eine.

Die Diversität und Geschlechtergleichheit, die bei den Nominierungen fehlte, wurde bei der Präsentation ganz bewusst wettgemacht, schon in der sehr bunten Besetzung, aber auch in vielen kämpferischen Reden, wenn etwa die isländische Komponistin Hildur Guanadottir, die für Ihre "Joker"-Filmmusik ausgezeichnet wurde, die Frauen dazu aufruft sich zu Wort zu melden, weil ihre Stimmen gebraucht würden und Joaquin Phoenix in seiner berührenden Dankesrede eine Lanze für Vielfalt und Toleranz bricht. Und natürlich sind auch die vielen Oscars für einen südkoreanischen Film, eine Art der Ehrenrettung.

Die wichtigsten Nominierten und Gewinner im Überblick

 

Bester Film

"Once Upon a Time...in Hollywood"

"1917

"The Irishman"

"Little Women“

"Jojo Rabbit"

"Joker"

"Marriage Story"

"Parasite"

"Le Mans 66: Gegen jede Chance"

 

Beste Hauptdarstellerin

Scarlett Johansson - "Marriage Story"

Saoirse Ronan - "Little Women"

Charlize Theron - "Bombshell: Das Ende des Schweigens"

Renée Zellweger - "Judy"

Cynthia Erivo - "Harriet"

 

Bester Hauptdarsteller

Adam Driver - "Marriage Story"

Leonardo DiCaprio - Once Upon a Time...in Hollywood

Joaquin Phoenix - "Joker"

Jonathan Pryce - "Die zwei Päpste"

Antonio Banderas - "Leid und Herrlichkeit"

 

Beste Regie

Martin Scorsese - "The Irishman"

Bong Joon Ho - "Parasite"

Sam Mendes - "1917"

Quentin Tarantino - Once Upon a Time...in Hollywood

Todd Phillips - "Joker"

 

Beste Nebendarstellerin

Laura Dern - "Marriage Story"

Scarlett Johansson - "Jojo Rabbit"

Kathy Bates - "Richard Jewell"

Florence Pugh - "Little Women"

Margot Robbie - "Bombshell"

 

Bester Nebendarsteller

Tom Hanks - "Der wunderbare Mr. Rogers"

Anthony Hopkins - "Die zwei Päpste"

Al Pacino - "The Irishman"

Joe Pesci - "The Irishman"

Brad Pitt - "Once Upon a Time...in Hollywood"

 

Bester internationaler Film

"Parasite"- Südkorea

"Leid und Herrlichkeit" - Spanien

"Die Wütenden: Les Misérables" - Frankreich

"Corpus Christi" - Polen

"Honeyland"- Nordmazedonien

 

Beste Filmmusik

"1917" - Thomas Newman

"Joker" - Hildur Guðnadóttir

"Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers" - John Williams

"Little Women"- Alexandre Desplat

"Marriage Story" - Randy Newman

 

Bester Song

"(I'm Gonna) Love Me Again" - Rocketman

"Into the Unknown" - Die Eiskönigin 2

"Stand Up" - Harriet

"I'm Standing With You" - Breakthrough

"I can't let you throw yourself away" - Toy Story 4

 

Bestes Originaldrehbuch

"1917" - Sam Mendes und Krysty Wilson-Cairns

"Marriage Story" - Noah Baumbach

"Once Upon a Time...in Hollywood" - Quentin Tarantino

"Parasite"- Bong Joon Ho und Han Jin Won

"Knives Out" - Rian Johnson

 

Bestes adaptiertes Drehbuch

"Jojo Rabbit" - Taika Waititi

"Joker" - Todd Phillips und Scott Silver

"Little Women" - Greta Gerwig

"The Irishman" - Steven Zaillian

"Die zwei Päpste" - Anthony McCarten

 

 

Beste Kamera

"1917" - Roger Deakins

"Once Upon a Time...in Hollywood" - Robert Richardson

"The Irishman" - Rodrigo Prieto

"Joker" - Lawrence Sher

"Der Leuchtturm" - Jarin Blaschke

 

Beste visuelle Effekte

"Der König der Löwen"

"Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers"

"Avengers: Endgame"

"1917"

"The Irishman"

 

Bester Dokumentarfilm

"For Sama"

"American Factory"

"Honeyland"

"The Dave"

"The Edge of Democracy"

 

Bester animierter Spielfilm

"Drachenzähmen leichtgemacht 3: Die geheime Welt"

"Missing Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer"

"Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando"

"Ich habe meinen Körper verloren"

"Klaus"

 

Bester Schnitt

"Le Mans 66: Gegen jede Chance" - Andrew Buckland und Michael McCusker

"The Irishman" - Thelma Schoonmaker

"Joker" - Jeff Groth

"Jojo Rabbit" - Tom Eagles

"Parasite" - Yang Jin-mo

 

Bestes Szenenbild

"Once Upon a Time...in Hollywood"

"1917"

"The Irishman"

"Jojo Rabbit"

"Parasite"

 

Bestes Kostümdesign

"Once Upon a Time...in Hollywood"

"Little Women"

"Joker"

"Jojo Rabbit"

"The Irishman"

 

Bestes Make-Up & Hairstyling

"Bombshell"

"Joker"

"1917"

"Judy"

"Maleficent 2: Mächte der Finsternis"

 

Beste Tonmischung

"1917"

"Le Mans 66: Gegen jede Chance"

"Joker"

"Once Upon a Time...in Hollywood"

"Ad Astra"

Bester Tonschnitt

"1917"

"Le Mans 66: Gegen jede Chance"

"Once Upon a Time...in Hollywood"

"Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers"

"Joker"

   

Anke Sterneborg, rbbKultur

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