Acht Tage @ AV Visionen | Eye See Movies
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DVD Tipp | Serie - "8 Tage"

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Wenn sich deutsche Filme- und Serienmacher an den Weltuntergang wagen, dann geht das in der Regel sehr viel leiser vonstatten als bei den amerikanischen Kollegen, weniger spektakuläres Krachbumm als leise menschliche Abgründe. Etwas größer wird in der Serie "8 Tage" gedacht, die beim Bezahlsender Sky lief, der zuletzt bereits mit seinen beiden anderen Eigenproduktion "Das Boot" und "Der Pass" in größeren Dimensionen gedacht hat. Jetzt ist die Serie auch auf DVD und Blu-ray zu haben.

Eine Welt mit Ablaufdatum

Selten hat die Apokalypse ein so konkretes, klar angekündigtes Datum wie hier gleich am Anfang in den Nachrichten verkündet. Ein gewaltiger Meteorit rast auf die Erde zu, die Versuche der amerikanischen Militärs, ihn mit Atomraketen aus seiner Bahn zu schießen, sind gescheitert: "Der Asteroid Horus befindet sich weiter auf Kollisionskurs mit der Erde. Der Einschlag wird in acht Tagen in der Nähe von La Rochelle erwartet. Europa befindet sich damit in der sogenannten Kill Zone."

Wie reagieren die Menschen, wenn sie nur noch acht Tage zu leben haben? In acht Folgen, eine für jeden Tag, wird das Katastrophenszenario hier an den verschiedenen Mitgliedern und Freunden einer gutbürgerlichen Familie durchgespielt. Die Ärztin Susanne (Christiane Paul), der Physiklehrer Uli (Mark Waschke, ihre Teenagertochter Leonie und der kleine Jonas wollen sich mit Hilfe von Schleppern nach Russland absetzen.

Umgekehrte Fluchtrichtung

In krasser Umkehrung der realen Verhältnisse, ist Europa nicht mehr das Ziel der Flucht, sondern Ausgangspunkt. Millionen von Europäern drängen auf andere Kontinente, die ihre Grenzen vor dem Ansturm schützen. Susannes Bruder Herrmann (Fabian Hinrichs) hofft als Referent im Innenministerium auf einen Platz in einer Bundeswehrmaschine nach Amerika, wo er mit seiner hochschwangeren Freundin (Nora von Waldstätten) ein neues Leben beginnen will.

Opa und Ex-NVA-Offizier Egon (Henry Hübchen) sieht dem Ende im kleinen Häuschen in Kleinmachnow gleichmütig entgegen, während die Jugend feiert, als gäbe es kein Morgen. Ein einsamer Polizist versucht, um jeden Preis und bis zur letzten Stunde die Ordnung aufrechtzuerhalten, zum Beispiel beim Verhör eines jungen Mannes, den er beim Plündern aufgegriffen hat: "Wo wohnst du? - Genau wie Sie demnächst in einem riesigen Krater. Hey, in acht Tagen ist Weltuntergang, warum arbeitest du überhaupt noch?"

Manche hoffen auf einen von nur 15 Millionen Plätzen in den staatlichen Schutzbunkern, während andere lieber auf eigene Faust vorsorgen, wie der Bauunternehmer und alleinerziehende Vater Klaus, dem Devid Striesow mit der irren Übersteigerung eines Psychopathen ausstattet.

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Bayerische Frischzellenkur für deutsche Serien

Verantwortlich für die Serie "8 Tage" sind ein paar junge Filmemacher, Produzenten und Autoren der bayerischen Produktionsfirma "Neuesuper", die schon mit der etwas anderen, subversiv frechen Heimatfilmserie "Hindafing" Furore gemacht hat. Im making of erzählt Rafale Parente, einer der Gründer der Neuesuper und Showrunner und Autor von "Acht Tage" wie alles anfing: "Eigentlich war das kurz nach der Filmhochschule, dass wir da irgendwie als ganz junge Produktionsfirma zusammensaßen, gedacht haben, was könnte man den anders machen als Fernsehserie, als was es bisher gibt."

Anders als bisher, das heißt vor allem mehr Drama, mehr Action. Wie in allen Weltuntergangsszenarien zerbröseln auch hier mit den Sicherheiten schnell die Werte und Regeln der Zivilisation. Wenn es hart auf hart kommt, ist jeder sich selbst der Nächste. Ganz so stringent und treibend wie in vergleichbaren internationalen Serien ist das hier noch nicht gelungen. In immer neuen Anläufen scheitern die Figuren daran, sich in Sicherheit zu bringen. Wenn sie dann immer wieder im Jojo-Modus zuhause in ihren leeren Wohnungen landen, wirkt das bisweilen arg mechanisch.

Acht Tage @ AV Visionen | Eye See Movies
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Und die Katastrophenstimmung ist eher skizziert als ausformuliert, hier ein paar verstreute und gestapelte Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz, dort ein paar leere Regale. Dennoch gibt der existenzielle menschliche Überlebenswille der Serie einen für deutsche Verhältnisse ungewohnten Drive. Und ein mitreißendes Gedankenspiel ist es allemal, gerade auch im Angesicht der aktuellen Corona-Krise, etwa wenn ein Familienvater mit seiner Teenagertochter den Aufbruch in eine neue Zeit diskutiert: "Wir werden ganz von vorne anfangen müssen, aber vielleicht ist das ja sogar eine Chance. Eine neue Zivilisation, die die Fehler der alten vermeidet, eine gerechte Gesellschaft ohne Hunger, ohne Ausbeutung, wo jeder leistet was er kann und jeder bekommt, was er braucht …"

Anke Sterneborg, rbbKultur

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