Ermittler Karow am Schauplatz eines Verbrechens (Bild: rbb/die film gmbh/Volker Roloff)
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Ein Streifzug durch die Mediatheken - Tatort und Polizeiruf 110

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Kinos und Theater sind geschlossen, darum wollen wir Ihren Blick in den nächsten Wochen auf das Fernsehen, die Mediatheken und die Streaming-Dienste richten.

Tatort: Das perfekte Verbrechen

Sonntag ist Tatort-Tag. Am 15.3. lief der neue Berliner Tatort "Das perfekte Verbrechen" mit dem von Mark Waschke und Merit Becker gespieltem Ermittler-Team, der ab sofort in der rbb-Mediathek nachgeholt werden kann.

Kein Motiv und keine Verbindung zum Opfer

Unter den reichen Elite-Studenten der Berlin School of Law ist Benjamin (Anton von Lucke) das Aschenbrödel. An den Studienplatz, der sonst 25.000 Euro pro Semester kostet ist er über ein Stipendium gekommen. Vor der Aufnahme in eine elitäre Studentenverbindung muss er drei Prüfungen bestehen. Die erste ist eine Art Fightclub im Keller der Fakultät, in dem Benjamin einen von der Straße geholten Penner verprügeln soll. Danach soll er einen Vortrag über das perfekte Verbrechen halten, dessen Täter nicht überführt werden kann, weil es kein Motiv und keine persönliche Verbindung zum Opfer gibt. Und dann bricht eines Mittags eine Jurastudentin tödlich getroffen auf dem Gendarmenmarkt zusammen. War das die dritte Prüfung? Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Karow (Mark Waschke, ganz rechts) will Benjamin (Anton von Lucke, Mitte rechts) unter vier Augen zu sprechen, wird aber von Perner (Ulrich Frriedrich Brandhoff, ganz links) und der Assistentin (Odine Johne, Mitte links) davon abgehalten. (Quelle: rbb/die film gmbh/Volker Roloff)
Bild: rbb/die film gmbh/Volker Roloff

Allmachtfantasien junger, reicher Jurastudenten

Junge Männer, die aus Langeweile oder Arroganz mit dem Schicksal anderer Menschen spielen, das Szenario kennt man sonst von amerikanischen Filmen, wie Hitchcocks "Der Fremde im Zug" oder aktuell der Serie "How to get away with murder". Das sind auch die Vorbilder, denen die Regisseurin Brigitte Maria Bertele hier nacheifert, ohne sie wirklich erreichen zu können. Gleichzeitig basiert die Geschichte auch auf einem realen Fall, der 1997 in Italien passiert ist, eine Jurastudentin wurde unter ähnlichen Umständen im öffentlichen Raum erschossen. Statt eine geradlinige Geschichte zu erzählen, verquirlt Brigitte Maria Bertele oberflächliche Filmzitate, etwa an David Finchers "Fight Club" oder Stanley Kubricks "Eyes wide shut". Doch wenn sich die schnöseligen Geheimbund-Juristen-Jungs im Keller mit schwarzen Umhängen und goldenen Masken verkleiden, wirkt das eher lächerlich.

Junge Jurastudenten gegen das eingespielte Berliner Ermittler-Team

Auch in Deutschland geht es in Krimis nicht mehr nur um einzelne, am Ende sauber gelöste Fälle. Immer häufiger werden gesellschaftliche Phänomene mitverhandelt, (als Empfehlung der Göttinger Tatort "Krieg im Kopf", mit dem Team Furtwängler/Kasumba) Trotz einiger Schwächen eröffnet sich in "Das perfekte Verbrechen" ein interessantes Kräftespiel zwischen dem Berliner Ermittlerteam Meret Becker und Mark Waschke und den mit allen Wassern gewaschenen Jurastudenten, die ihre Rechte ganz genau kennen und einfordern. Ein schöner Besetzungs-Coup ist mit Peter Kurth gelungen, der hier mal nicht als grantiger Arbeiter, sondern als eloquenter Unternehmer agiert, als übermächtige und unnahbare Vaterfigur für den von Max Krause zwischen Arroganz und Verletzlichkeit angelegten Sohn. Alles in allem kein ganz schillernder, aber doch ein interessanter Berliner Tatort.

Polizeiruf 110: Zwischen den Welten

Bild zum Film: Polizeiruf 110: Zwischen den Welten, Quelle: rbb/NDR/Christine Schröder
Bild: rbb/NDR/Christine Schröder

Jurastudentin im Rotlicht

Auch die Tote, die in "Zwischen den Welten" im Wald gefunden wird, ist Jura-Studentin, Buckow hat eigentlich Urlaub, nach einem Angelausflug mit seinen Söhnen, läuft ihm ein kleines Mädchen mit Blutflecken auf dem Kleid vors Auto. Sie führt ihn zu ihrer tot im Wald liegenden Mutter. Bei den weiteren Ermittlungen stellt sich heraus, dass die junge Ehefrau, Mutter und Rechtsanwaltsgehilfin einen lukrativen Nebenjob als Edelprostituierte hatte und gerade dabei war, ihre Familie zu verlassen. Ins Visier der Ermittler kommen der Ehemann und eine Freundin der Toten (Alice Dwyer), ein Rechtsanwalt, ein Uni-Professor und die Nachbarn.

Durchdringung von Fall und Leben

Während die Ermittlungsarbeit mit steter Zuverlässigkeit voranschreitet, verlagert sich das Interesse auf die Ermittler. Wie in britischen oder skandinavischen Serien werden deren Lebensgeschichten inzwischen auch in deutschen Krimiserien immer komplexer mit den Fällen verzahnt. Die Ermittler bleiben von den Fällen nicht mehr so unberührt wie früher üblich. Statt alles sauber durch zu deklinieren und zum guten Ende zu bringen, eröffnet sich Raum für Grauzonen. Das wahre Leben dringt durch das Drehbuchkonstrukt, etwa wenn Buckow und König nachts in einer Karaoke Bar Dampf ablassen und mal gar nicht vom Fall geredet wird und der aber trotzdem mitschwingt. Szenen wenn Buckow und König nachts in einer Karaoke Bar Dampf ablassen und einfach mal gar nicht vom Fall geredet wird und der aber trotzdem mitschwingt. So spiegelt sich die Zerrüttung der Familienverhältnisse auf der Täterseite auch bei den von Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau mit erdiger Präsenz verkörperten Rostocker Ermittlern. Engagierte Detektivarbeit lässt sich mit einem geordneten Familienleben eben nur schwer vereinbaren.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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