Mia Goth (links) und Anya Taylor-Joy in EMMA in der Regie von Autumn de Wilde © Focus Features
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Drama | Komödie - "EMMA" - von Autumn de Wilde

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All dieses Sehnen und Schmachten! All diese Gefühle, die sich gegen einen Wall gesellschaftlicher Konventionen durchsetzen müssen! All dieses Taktieren und Intrigieren! Woran liegt es nur, dass die Romane von Jane Austen immer wieder und wieder verfilmt werden? Nach Greta Gerwigs Verfilmung von Little Women von Louisa May Alcott, folgt nun eine neue Version von Janes Austens Emma, verfilmt von der Amerikanerin Autumn de Wilde.

 

Zeitlose Modernität

Diese Werke aus einer fremden, restriktiven Zeit haben sich über all die Jahre eine ungebrochene Popularität bewahrt, weil sie über alle Zeiten und Länder hinweg universelle Themen behandeln: die Liebe, die Sehnsucht, die Ehe, Freundschaften und gesellschaftlicher Status. Hinzu kommt, dass Jane Austen ihrer Zeit sehr voraus war. Obwohl ihre Romane immer wieder um Heiratspläne und Heiratsabsichten kreisen, war sie selber nie verheiratet.

Nun also Emma: Sie ist jung, schön, klug und reich, lebt mit ihrem Vater (Bill Nighy) auf einem britischen Landsitz in der Nähe von London und sie langweilt sich. Also fängt sie an, in ihrem Umfeld mit dem Schicksal anderer Menschen zu spielen. Gerade hat sie ihre Gouvernante erfolgreich verkuppelt, nun wendet sie sich ihrem nächsten Projekt zu: Harriet (Mia Goth), ein recht naives Mädchen, aus weniger gutem Hause, der sie eine bessere Partie verschaffen will. Mit guter Absicht, stiftet sie Chaos, bringt Harriet etwa dazu, den Antrag eines jungen Bauern auszuschlagen, der für sie wohl genau richtig gewesen wäre. Von dieser Prämisse ausgehend wird ein Netz aus Beziehungen zwischen drei Familien und einigen weiteren Figuren gesponnen.

Frischekick

Autumn de Wilde modernisiert Emmas Geschichte nicht so radikal, wie das Amy Heckerling vor 25 Jahren im Gewand einer romantischen Komödie im Highschool Milieu in "Clueless" getan hat. Die neue Verfilmung wirft sich lustvoll in den Ausstattungspomp des frühen 19. Jahrhunderts, mit sanft geschwungenen Landschaften, erlesenen Interieurs und opulenten Kostümen. Zugleich baut sie aber viele kleine moderne Widerhaken ein und bürstet den Look dezent ironisch gegen den Strich. Empirekleider, Männeroutfits und Frisuren haben immer ein paar Schnörkel, Bordüren, Verzierungen, Schlingen, Krägen und Korkenzieherlocken mehr als realistisch wäre. In Umkehrung der klassischen Boudoir-Szene wird hier ein Mann erst mit splitterfasernackter Rückseite gezeigt und anschließend kunstvoll rausgeputzt. Und die Art, wie Emma eine geschwätzige ältere Dame mit einem Satz vor versammelter Gesellschaft abkanzelt würde man heutzutage wohl "mobbing" nennen.

Vor ihrem späten Spielfilmdebüt mit fast fünfzig Jahren war Autumn de Wilde eine renommierte Fotografin und Musikvideoregisseurin für Rockmusiker wie Beck oder die White Stripes, die sie auf ihren Touren begleitet hat. In der  hektischen Atmosphäre in der geschlossenen Gesellschaft einer britischen Kleinstadt sieht sie eine Verwandtschaft zum turbulenten Leben im Tourbus.

Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy) und Frank Churchill (Callum Turner) in EMMA © Focus Features
Bild: Focus Features

Widersprüche und Brechungen

Vor einem knappen Vierteljahrhundert hat Gwyneth Paltrow die "Emma" noch recht traditionell lieblich verkörpert. Im Vergleich dazu legt die britisch argentinische Schauspielerin Anya Taylor-Joy die Rolle sehr viel vielschichtiger an, voller Brechungen und Widersprüche. Schon Jane Austen hat über ihre Emma gesagt, dass sie eine Heldin erschaffen wollte, die keiner außer ihr besonders mögen würde. Tatsächlich steckt viel Arroganz und Überheblichkeit in der Art wie sie das Schicksal der Menschen manipuliert, zugleich wirkt sie aber auch immer wieder empfindsam und zerbrechlich. Diese Widersprüchlichkeit  macht ihre Figur nicht nur sehr viel spannender, sondern auch viel moderner, in dieser gelungenen Neuinterpretation eines klassischen Romans.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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