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Komödie - "Zu weit weg"

Bewertung:

"Zu weit weg" ist ein besonderer Kinderfilm, der schon auf vielen Festivals Preise gewonnen hat, unter anderem auf dem Zürich Film-Festival, auf dem Molodist International Filmfestival in Kiew und auf dem Schlingel Filmfestival 

für Kinder und junges Publikum in Chemnitz. "Zu weit weg" ist das Langspielfilmdebüt von Sarah Winkenstette und kreist um sehr aktuelle Themen wie Flucht und Integration.

Heimatverlust

Im Zentrum stehen zwei Jungs im Alter von 12 und 11 Jahren, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: Ben ist ein blonder, deutscher Junge, der in behüteten Verhältnissen mit Eltern und älterer Schwester in der deutschen Provinz aufwächst. Tariq ist ein syrischer Junge, dessen Eltern in der Heimat geblieben sind, der auf der Flucht aus den Kriegsgebieten von seinem älteren Bruder getrennt wurde und in Deutschland allein zurechtkommen muss. 

Auch wenn Tariqs Situation sehr viel traumatischer ist, stellt sich doch schnell heraus, dass die beiden viel verbindet, denn auf unterschiedliche Weise haben beide ihre Heimat verloren und müssen sich an einem neuen Ort, einer neuen Schule, im neuen Fußballverein behaupten. Während Tariqs Heimat dem Krieg zum Opfer gefallen ist, sind es in Bens Fall die riesigen Schaufelbagger des Braunkohleabbaus.

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Persönlicher Ansatz an universelle Themen

Auch Sarah Winkenstette hat als Teenager erlebt, dass ihr Elternhaus abgerissen wurde. dieses Bild von den Trümmern eines Hauses war der Ausgangspunkt, sich mit dem Thema Heimatverlust zu beschäftigen. Diesen persönlichen Blickwinkel hat sie auf universellere Themen erweitert, auf die Zerstörung von Landschaften im Zusammenhang mit dem Braunkohleabbau und die Flüchtlingskrise. Als Filmemacherin hat sie sich früh für Kinder interessiert, schon an der Kunsthochschule eine Diplomarbeit über Schauspielerführung bei Kindern geschrieben, später verschiedene TV- und Netz-Formate für Kinder inszeniert.

Konzentration auf die Perspektive der Kinder

Statt mit dem didaktischen Zeigefinger erzählt Winkenstette sehr einfühlsam, unsentimental und unaufgeregt auf Augenhöhe der Kinder. "Zu weit weg" ist kein künstlich hochgetuntes Drama, sondern eine leise erzählte Geschichte mit vielen kleinen Momenten der Annäherung. Statt alles durch zu deklinieren, wird vieles angedeutet, in einem Film, der sein ernstes Thema auch als tolles Kinderabenteuer erzählt, zum Beispiel beim nächtlichen Radausflug in Bens altes Dorf, wo die Jungs Marshmallows über dem Lagerfeuer rösten., und auf dem gesperrten Gelände von der Polizei aufgegriffen werden, ein Lausbubenstreich, der für Tariq existenzielle Folgen haben könnte. 

Auch die Kinderdarsteller sind auf angenehme Weise unspektakulär, einfach ganz normale Kids. Der syrische Junge wurde von Sobhi Awad verkörpert, der bei Drehbeginn selbst erst neun Monate in Deutschland war und seine eigenen Erfahrungen in den Film trägt. Statt alle möglichen deutschen Stars Parade laufen zu lassen, schaffen eher unbekannte erwachsene Darsteller einen Raum für die Kinder und ihre Wahrnehmung. Zu weit weg ist ein leises und genau erzähltes Drama um Heimatverlust und Integration, ein ganz besonderer Kinderfilm, der nicht so betont bunt, gutgelaunt und überdreht daherkommt, wie das sonst in Deutschland meist der Fall ist.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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