Standbild: Der Mandalorian (links, Pedro Pascal) und Mythrol (rechts, Horatio Saenz) in "The Mandalorian" (Bild: Disney/François Duhamel)
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Star-Wars-Serie bei Disney+ - "The Mandalorian"

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Seit Ende März gibt es den neuen Streaming-Dienst Disney+, auf dem unter anderem alle Disney- und Star-Wars-Filme angeboten werden. Das Prestige-Objekt des neuen Dienstes ist "The Mandalorian", die erste Realfilmserie aus dem Star-Wars-Universum – bisher gab es nur Animations-Serien.

Die erste Staffel besteht aus acht Folgen von jeweils rund 30 bis 40 Minuten Länge, fünf davon sind bereits verfügbar, jede Woche wird eine neue freigeschaltet. Die zweite Staffel soll bereits im Herbst dieses Jahres erscheinen.

Pedro Pascal in einer Szene von "The Mandalorian" © Disney Plus/Francois Duhamel
Bild: Disney Plus/Francois Duhamel

Kreuzung aus japanischem Samurai und italienischem Spaghettiwestern-Helden

In der 1977 beginnenden Star-Wars-Zeitlinie liegt die neue Serie zwischen "Das Imperium schlägt zurück" von 1980 und vor "Das Erwachen der Macht" von 2015. Dabei bewegt sie sich weit entfernt vom Zentrum der Macht, an den geografischen Rändern der Galaxie und des erzählerischen Universums, also ganz ohne Jedi-Ritter und Rebellen-Aristokratie, ohne Lichtschwerter und Raumpaläste.

"The Mandalorian" spielt an Orten, die in den Kinoerzählungen nur am Rande gestreift wurden, all die dunklen Bars und Kaschemmen, wuselnden Märkte, entlegenen Außenposten und Undergroundverstecke, die von Gaunern, Schuften und Hehlern, von Kopfgeldjägern, Söldnern und von Warlords bevölkert werden, die das Vakuum der Machtverhältnisse nach dem Fall des Imperiums für dunkle Geschäfte nutzen.

Der Mandalorianer des Titels gehört zu einer Kaste von Kopfgeldjägern, die auch schon in den früheren Filmen gelegentlich auftauchten. Er wurde als Waisenkind in die Gilde dieser Kopfgeldjäger aufgenommen, die man sich als Weltraumversion japanischer Samurai-Krieger und italienischer Spaghettiwestern-Outlaws vorstellen kann. Wie Clint Eastwoods Fremder ohne Namen landet er auf abgelegenen Planeten, um Ordnung zu schaffen, um Kautionsflüchtlinge und andere gesuchte Verbrecher einzufangen und dann wieder zu verschwinden. Mando, wie er zärtlich genannt wird, ist einer der besten, spezialisiert auf schwierige Aufträge.

Wortkarg und lakonisch lässt Mando Taten sprechen

Rüstung und Helm darf der Mandalorianer niemals in der Öffentlichkeit absetzen. Doch aus diesen Beschränkungen macht sein Darsteller Pedro Pascal ("Game of Thrones", "Narcos") das meiste. Statt mit Worten und Mimik, spricht er mit Haltung, Gang und minimalen Regungen und Reaktionen.

In Serienschöpfer Jon Favreau hat Pedro Pascal dabei den idealen Verbündeten, denn der Schauspieler und Regisseur hat bereits in seinen "Iron Man"-Filmen bewiesen, dass er roboterhafte Superhelden mit Charisma aufladen kann, mit einem vergnüglichen Mix aus Action, Gefühl und cool-lakonischer Schlagfertigkeit. Bei Disney hat er sich mit seinen gelungenen Realverfilmungen der Animationsklassiker "Dschungelbuch" und "König der Löwen" einen Namen gemacht.

Der Clou: Ein kleiner, hochcharismatischer Herzensbrecher namens Baby Yoda

Mit dem ersten, besonders schwierigen Auftrag des Mandalorianers kommt eine Figur ins Spiel, die schon im Vorfeld für großes Aufsehen im Netz gesorgt hat. Nach einem actiongeladenen Gefecht in der Festung auf einem Wüstenplaneten öffnet sich ein weißes, schwebendes Wiegenei und gibt den Blick auf ein faltiges, kleines grünes Baby frei, mit großen schwarzbraunen Augen und neugierig lauschenden Segelohren. Der kleine Kerl streckt dem Mandalorianer seine winzige Hand mit drei kleinen Fingerknubbeln entgegen und berührt damit die Spitzen seiner Metallhandschuhe, so wie Gottes Sohn den Vater auf Michelangelos Deckenbemalung der Sixtinischen Kapelle.

Ein mythischer Moment, der alle Herzen zum Schmelzen bringt und die harte ungerührte Erscheinung des Mandalorianer von Grund auf in Frage stellt. In den weiteren Folgen werden sie gemeinsame Abenteuer erleben, und dabei eine profunde Vater-Sohn-Verbindung eingehen.

Kostbare Schauwerte

Die rund 15 Millionnen Dollar, die als Budget einer einzigen Serienfolge genannt werden, schlagen sich in sinnlichen Schauwerten nieder, in einer ungeheuren Vielfalt atemraubender Landschaften, im Eis, in der Wüste, in malerischen Sümpfen und Wäldern. Der ganze Look der Serie ist einer Vintage-Philosophie verpflichtet: Weil nach dem Zerfall des Reiches neue Geräte, Waffen und Fahrzeuge Mangelware sind, werden die Klassiker mit ihrer Patina und ihren Beulen erfinderisch zusammengeflickt, jedes Teil transportiert neben der vordergründigen Funktion Charakter und Geschichte. Mit einer neuen Digitaltechnik wurden die Welten nicht anschließend auf eine Green-Screen projiziert, sondern gleich direkt bei der Aufnahme, so dass auch die Schaupieler direkt darauf reagieren können.

Die wunderbaren Soundtrack-Kompositionen von Ludwig Göransson verbinden Elemente von Ennio Morricones Sergio-Leone-Soundtracks mit Stammestrommeln und Weltraumklängen. Die Serie wartet für "Star Wars"-Kenner und -Nerds mit einer Fülle von Zitaten und Querverbindungen auf. Doch man muss sie nicht lesen können, um Vergnügen mit den archaischen Western- und Samurai-Mythen, mit spannenden Actionsequenzen, sinnlichen Schauplätzen, einer Vielfalt an bizarren Kreaturen und Aliens und einer sehr berührenden Ersatzvater-Sohn-Geschichte zu haben.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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