The People vs. O.J. Simpson: der Angeklagte mit seinen Anwälten im Gerichtsaal; © Fox/Netflix
Bild: Fox/Netflix

"American Crime Story" bei Netflix - "The People vs. O.J. Simpson"

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Ein spektakuläres Verbrechen wird in der Serie "American Crime Story" jeweils in einer Staffel thematisiert. In der ersten Staffel von 2016 geht es um den Football-Star O.J Simpson und den Doppelmord an seiner Ex-Frau Nicole Simpson sowie deren zehn Jahre jüngeren Liebhaber: Trotz überwältigender Beweislast wurde O.J. Simpson damals freigesprochen.

Vor dem Hintergund von Rassismus und Polizeigewalt

Wie in der Sachbuchvorlage des Anwalts und Journalisten Jeffrey Toobin ("The Run of his life: The People v O.J. Simpson") geht es auch in der Serie weniger um die Frage "Schuldig oder nicht schuldig?", als um die gesellschaftlichen Begleitumstände. Von Anfang an werden Rassismus und Polizeigewalt als Hintergrund etabliert. So steigt die Serie bereits 1992 ein, zwei Jahre vor den Morden, mit Archivaufnahmen von den rassistischen Polizeiattacken auf Rodney King, mit Berichten vom Freispruch der vier weißen Polizisten und den bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen als Reaktion darauf.

Dieses Ereignis bestimmt das Klima, auf dessen Grundlage trotz erdrückender Beweise ein Freispruch für O.J. Simpson möglich wurde. Erst nach diesem Prolog geht es zu den eigentlichen Ereignissen von 1994, zum Fundort der beiden übel zugerichteten Leichen und davon ausgehend zu den Ermittlungen und zum Prozess.

Komplexe Zusammenhänge

In zehn Folgen werden fast zehn Stunden Material ausgelegt, über einen Fall dessen Ausgang bekannt ist. Doch der Spannung tut das keinen Abbruch. Denn die Serie ist stringent und vielschichtig abgelegt, geradezu brillant geschrieben und ausgesprochen dynamisch inszeniert, mit schnellen Dialogen und den gewieften Argumenten eines Gerichtsdramas, im Wechsel zwischen den unterschiedlichen Parteien: Hier die Staatsanwälte, die glauben, einen niet- und nagelfesten Fall zu haben, sich aber in Verfahrensfehlern verheddern. Dort die Anwälte, die mit allen Tricks und Finten arbeiten, um ihre Version der Geschichte zu entfalten, die aber auch untereinander verstritten sind und die eigene Selbstdarstellung immer wieder vor den Fall stellen.

Eine Fülle an Details und Zusammenhängen werden ausgebreitete und umfassend beleuchtet, etwa auch die Seite der Jurymitglieder, die über Monate abgeschirmt werden. Es geht um den Sexismus, dem die leitende Staatsanwältin Marcia Clark ausgesetzt war, deren Frisur und Kleidungsstil ebenso diskutiert wurde wie ihr angebliches Versagen als Mutter.

Ein weiteres zentrales Thema ist der Medienhype, der unter anderem dazu führte, dass die Gerichtsverhandlung live übertragen wurde. In vieler Hinsicht wirkt dieses Jahr 1994 prägend für die Welt wie wir sie heute kennen. 

Schillernde Besetzung

Schöpfer der Serie und Regisseur mehrerer Folgen ist Ryan Murphy. Auf den ersten Blick scheint diese True-Crime-Geschichte nicht in sein Portfolio zu passen. Doch bei näherer Betrachtung hat er sich auch in seichteren Stoffen wie der Schönheitschirurgie-Serie Nip/Tuck bereits für gesellschaftliche Phänomene interessiert.

In einem schillernden Ensemble ist Cuba Gooding Jr. die einzige Schwachstelle, weil ihm die charismatische Ausstrahlung von O. J. Simpson fehlt. John Travolta hat spürbares Vergnügen als leitender Rechtsanwalt Shapiro vom Leder zu ziehen. Sarah Paulson glänzt als führende Staatsanwältin, die die Widersprüche zwischen öffentlicher und privater Persönlichkeit und den besonderen Druck, unter dem sie steht, in allen Nuancen spürbar macht. Als Robert Kardashian lässt David Schwimmer die innere Zerrissenheit seiner Figur durchschimmern, als in ihm die Zweifel an der Unschuld seines Freundes aufziehen.

Für jede Staffel ein neuer spektakulärer Fall aus den Neunzigerjahren

"American Crime Story" ist eine Anthologieserie, das heißt in jeder Staffel wird ein anderer Kriminalfall verhandelt. In "The Assassination of Gianni Versace" geht es um den Serienmörder Andrew Cunanan. Auch diese Serie ist raffiniert und komplex strukturiert: Ausgehend von dem Mord an dem Modeschöpfer, geht diese Serie stufenweise in der Zeit zurück, um parallel die Karriere und das Leben des Modeschöpfers und den Werdegang seines Mörders zu rekapitulieren. Und auch hier geht es über die Rekonstruktion eines konkreten Falls wieder um größere gesellschaftliche Zusammenhänge, in diesem Fall um die vielfältigen Formen der Diskriminierung von Homosexuellen.

Inzwischen wird schon an einer dritten Staffel gearbeitet: Über die Affäre Monica Levinsky, die zum Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton geführt hat.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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