"Meine Nacht bei Maud" von Eric Rohmer mit Marie-Christine Barrault und Jean-Louis Trintignant; © dpa/Courtesy Everett Collection
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Video on demand | arte - Französische Klassiker in der der arte-Mediathek

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Weil wir diesen Sommer vielleicht nicht nach Frankreich reisen können, bietet arte in seiner Mediathek eine ganze Serie mit französischen Klassikern, darunter "Meine Nacht bei Maud" von Eric Rohmer, "Die schöne Querulantin" und "Die Herzogin von Langeais" von Jacques Rivette.

Vielleicht sind diese Filme gerade wieder besonders zeitgemäß. Es geht in ihnen um den Konflikt zwischen Konventionen und Gefühlen, zwischen der moralischen Instanz der Kirche oder Gesellschaft und der Entscheidung des Einzelnen oder der Einzelnen. Inzwischen versuchen die sogenannten sozialen Netzwerke diese Instanz zu übernehmen mit ähnlichem Konfliktpotential.

In dem Film "Meine Nach bei Maud" von Eric Rohmer treffen sich zwei Bekannte in Clermont-Ferrand, ein Marxist und ein Katholik. Beide verehren die gleiche Frau, die kluge Maud. Der Marxist tut so, als würde ihm die Unverbindlichkeit der Beziehung nichts ausmachen, in Wirklichkeit aber ist er eifersüchtig. Der Katholik tut so, als würde er die wachsende Vertrautheit nicht spüren, denn er hat ein Auge auf eine schöne Kirchgängerin geworfen.

Jean-Louis Trintignant spielt diesen zugeknöpften Menschen, "gewunden" wird er im Film genannt, der vor lauter Grundsätzen die Chance seines Lebens verpasst. François Fabian ist die lebhafte selbstbewusste Maud. Der Film ist vom Kameramann Nestor Almendros in klar gesetzten Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert.

Beide Regisseure, Rohmer und Rivette, haben als Filmkritiker begonnen und "Meine Nacht bei Maud" verrät auf der einen Seite die Kenntnisse des klassischen Kinos und gleichzeitig die Aufbrüche hin zum Autorenfilm. Irritierend unzeitgemäß wirkt nur, dass die Hauptfiguren in wirklich jeder Situation rauchen, was damals wohl realistisch war.

"Die schöne Querulantin" mit dem gerade verstorbenen Michel Piccoli

Michel Piccoli spielt einen Maler, der von seinem großen Meisterwerk träumt, dem Bild, das "mit Blut gemalt wurde", wie es einmal heißt, dem Bild von der schönen Querulantin. Im Verlauf des Films offenbart sich, dass der Künstler der Vollendung einmal nahe gekommen ist, aber damals hätte entweder er oder seine Frau diesen Prozess der Häutung mit dem Leben bezahlt.

Piccoli bleibt wie immer jovial, professionell, höflich, als er noch einmal eine junge Frau als Modell wählt. Dennoch spielt er die untergründigen Obsessionen. Denn das Malen wird zum Machtkampf, der Versuch hinter die Schönheit zu schauen und die Grausamkeit offen zu legen, droht auch das fragile Gleichgewicht der Künstlerehe zu zerstören.

Als kongeniale Partnerin steht Piccoli Jane Birkin gegenüber. Sie liefert die perfekte Studie einer mädchenhaft untertänigen, aber subtil sadistischen Strippenzieherin. Einziges Manko des Films ist, dass die Malerei, deren Entstehung wir beobachten, nur mittelmäßig gelingt. Dafür sind die Bilder des Kameramanns William Lubtchansky umso exquisiter. Die wackelige Balance wird kaum merklich durch die Farben Rot und Blau immer wieder neu austariert.

Zwei wichtige Kameramänner der Nouvelle Vague

Die Serie bietet auch die Gelegenheit, die Arbeit von zwei wichtigen Kameramännern der Nouvelle Vague kennen zu lernen: Nestor Almendros und William Lubtchansky. Nestor Almendros kommt vom Dokumentarfilm, er bringt die karge strenge Form der Dokumentation mit und bewegt seine Kamera in den Szenen, als würde er den Personen spontan folgen. In "Meine Nacht bei Maud" entsteht so der Eindruck, als ob man in den Dialogen den Gedanken beim Entstehen zusieht.

William Lubtchansky bringt sehr viel Ruhe in den Strudel der Liebe. Er durchleuchtet seine Bilder, gibt ihnen einen zart überirdischen Touch. Ganz deutlich wird das in dem Historienfilm "Die Herzogin von Langeais".

Abgrundtiefe Tragödie: "Die Herzogin von Langeais"

Der Konflikt zwischen Konvention und Gefühl endet mal in der Heuchelei des Bürgertums, mal in der Selbstverleugnung der Hauptfiguren, mal in der abgrundtiefen Tragödie wie in dem Film "Die Herzogin von Langeais" von Jacques Rivette.

Die Herzogin von Langeais ist eine geübte Gesellschaftsdame, ihr Ehemann taucht nie auf. Sie beherrscht das Spiel mit der Liebe. Als sie aber mit der Liebe eines tapferen Helden spielt, wird aus dem Flirt ernst. Jeanne Balibar als zarte Rokokoschönheit, Guillaume Depardieu als massiger, verletzter Soldat gehen sowohl in ihrer Leidenschaft als auch in ihrer Besessenheit über die Grenzen.

Man weiß bereits, wo das endet, wenn man den Titel von Balzacs Erzählung kennt, die dem Film zu Grunde liegt. Sie heißt: "Berühren Sie nicht das Beil". "Die Herzogin von Langeais" ist ein hierzulande bisher wenig bekannter, völlig unterschätzter Film von Jacques Rivette, der die flackernde Intensität der Gefühle unter der gesellschaftlichen Form auflodern lässt.

Simone Reber, rbbKultur

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