Queen & Slim © Universal/Everett Collection
© Universal/Everett Collection
Bild: © Universal/Everett Collection Download (mp3, 5 MB)

Drama - "Queen & Slim"

Bewertung:

Unsere Kinos bleiben wohl noch eine Weile geschlossen. Gut, dass gerade jetzt einer der meistdiskutierten Filme des vergangenen Winters digital erscheint: "Queen and Slim" von der US- amerikanischen Regisseurin Melina Matsoukas. Eine Filmempfehlung von Carsten Beyer.

Eigentlich hatte sich Slim (Daniel Kaluuya) diesen Abend ganz anders vorgestellt: Doch bei seinem Blind Date mit der Rechtsanwältin Queen (Jodie Turner-Smith) will der Funke nicht so recht überspringen. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als die junge Frau wieder nach Hause zu bringen. Dabei wird sein Auto von einem rassistischen Streifenpolizisten angehalten: Die Situation läuft aus dem Ruder. Queen wird angeschossen, Slim erschießt den Polizisten in Notwehr – und von da an sind die beiden jungen Schwarzen auf der Flucht – kreuz und quer durch die USA.

Bonnie & Clyde oder "Black Lives Matter"?

Als "schwarzes" Remake von Bonnie & Clyde ist dieser Film in den USA bezeichnet worden – und tatsächlich gibt es einige Parallelen zur Geschichte des legendäre Verbrecher- Pärchen aus Texas. Hier wie dort ist ein Liebes- Paar auf der Flucht vor einem riesigen Polizei- Aufgebot. Autos spielen eine große Rolle, Waffen und Verrat. Doch damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten dann auch. Während Bonnie und Clyde real existierende Personen waren, die in den USA in den 1930er Jahren zu regelrechtem Star-Ruhm gelangten, sind Queen und Slim fiktive Charaktere, die sich Regisseurin Melina Matsoukas gemeinsam mit ihrer Drehbuch- Autorin Lena Waithe ausgedacht hat,um die außer Kontrolle geratene Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA zu thematisieren, die spätesten seit der "Black Lives Matter" – Bewegung zum Dauerthema geworden ist.

Queen & Slim © Universal/Everett Collection
Bild: © Universal/Everett Collection

Waghalsige Flucht

Wer als Schwarzer einen weißen Polizisten tötet, ist selbst so gut wie tot, ganz egal ob schuldig oder nicht: Davon ist Queen fest überzeugt. Deshalb entwickelt sie einen waghalsigen Fluchtplan, der die Beiden bis nach Kuba führen soll. Dabei stellen sich die Flüchtenden jedoch nicht sehr geschickt an: Sie wählen völlig absurde Verkleidungen,  schlüpfen immer wieder bei Bekannten unter und lassen sich auf ihrer Flucht sogar filmen. Bald kennt das ganze Land ihre Gesichter – und als Helden der schwarzen Community werden sie von der  Staatsgewalt umso verbissener gesucht.

Queen & Slim © Universal/Everett Collection
Bild: © Universal/Everett Collection

Ein ungleiches Paar

Jodie Turner- Smith und Daniel Kaluuya brillieren in diesem road movie als ungleiches Paar. Nicht nur, dass die streitbare Junganwältin den eher schüchteren Slim um einen halben Kopf überragt, auch sonst sind die Rollen umgedreht: Queen erkennt als erste den Ernst der  Lage, ergreift auch gleich die Initiative, während sich der gläubige Slim am Liebsten zu seinen Eltern flüchten würde. Erst mit der Zeit findet auch er Gefallen am Outlaw- Dasein, da allerdings tickt bereits die Uhr in Richtung eines fulminanten Showdown …

Video-Clip Ästhetik

Man merkt diesem Film an, dass Melina Matsoukas das Regie-Handwerk in der Videoclip- Branche gelernt hat: Originelle Bilder, schnelle Schnitte und ein großartiger Soundtrack machen "Queen& Slim" zu einem ästhetischen Hochgenuss. Wenn Matsoukas allerdings Erotik und Gewalt zu stark verknüpft, wenn sie Bilder eines brutalen Polizistenmordes mit einer Liebeszene mischt, dann wird ihr Stilbewußtsein doch ein wenig fragwürdig. Dennoch:  "Queen und Slim" ist sehr guter Debütfilm zu einem wichtigen Thema. Wer den Film nicht schon im Kino gesehen hat, sollte das unbedingt auf DVD nachholen.

Carsten Beyer, rbbKultur

weitere rezensionen

The Virtues – Filmstill; © arte
arte

Britische Serie auf arte.tv - "The Virtues"

Bekannt geworden ist der britische Autor und Regisseur Shane Meadows vor allem mit seinem Kinofilm "This is England" über einen 12-jährigen Jungen, der sich einer Bande Skinheads anschließt. In der Miniserie "The Virtues" thematisiert Meadows einen besonders wunden, lange verdrängten Teil des eigenen Lebens. Die Serie ist Teil eines großen Online-Angebots britischer Serien auf Arte.

Bewertung:
Home © imago images / Mary Evans
imago images / Mary Evans

Drama - "Home"

Homeoffice, Homeschooling, Homestudio – langsam sind wir der eigenen vier Wände überdrüssig. Was aber, wenn das Zuhause bedroht ist? Wenn der Ort der Privatheit, des Schutzes, der Erholung zu bröckeln beginnt? Die Schweizer Regisseurin Ursula Meier spielt dieses Worst-Case-Szenario einmal durch in ihrem Film "Home" mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle. Ursula Meier gewann 2008 mit ihrem Erstlingswerk drei Césars.

Bewertung:
Anne with an E – Amybeth McNulty und Dalila Bela; © Netflix/Courtesy Everett Collection
Netflix/Courtesy Everett Collection

Dramaserie - "Anne with an E"

Kennen Sie Anne of Green Gables? Wenn nicht, wird es höchste Zeit! Erfunden wurde sie vor mehr als 100 Jahren von der Kanadierin Lucy Maud Montgomery, die schon früh über selbstbewusste und eigensinnige Mädchen und Frauen geschrieben hat. Ihre Romanreihe über das Coming of Age des Waisenkindes "Anne of Green Gables" wurde ab 1908 in Kanada veröffentlicht und schon mehrfach für TV und Kino adaptiert. Für Netflix hat Moira Walley-Beckett den Stoff neu aufgelegt.

Bewertung: