Standbild: "Stilles Land" - Der junge Regisseur Kai (Torsten Merten) sieht seine Ziele und auch seine Beziehung zu Claudia (Jeanette Arndt) gefährdet. (Bild: imago images/United Archives)
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DVD Kritik - "Stilles Land"

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In "Stilles Land" aus dem Jahr 1992 erzählt der damals 27-jährige Andreas Dresen eine kleine Geschichte aus der ostdeutschen Provinz im Herbst 1989. Letztes Jahr erschien das Debüt auf DVD. Was ist hier schon erkennbar, was den Regisseur heute auszeichnet?

Andreas Dresens Filme stehen für einen zutiefst menschlichen Blick auf seine Figuren, einen sehr feinen Humor, für eine besondere Art alltägliche Geschichten spannend zu erzählen. Dresen ist einer, der immer genau hinsieht und keine Angst hat vor schwierigen Konstellationen oder Situationen.

All das lässt sich auch bei "Stilles Land" schon im Ansatz erkennen. Mag die Inszenierung auch noch ungelenk sein, spürt man doch, dass hier jemand etwas will, ein Anliegen hat und dafür eine Sprache sucht. Dresen erzählt in seinem Debüt von Menschen in der ostdeutschen Provinz kurz vor dem Mauerfall. Während man in den Städten auf die Straße ging, wusste, dass sich etwas verändern würde, war hier in der Provinz die Zeit wie stehengeblieben.

Desillusion im Niemandsland

Es ist eine Art Niemandsland, in das der jung Regisseur Kai - die Hauptfigur von "Stilles Land" - kommt: ein kleiner Ort am Fluss (gedreht wurde in Anklam), in dem die Straßen menschenleer und die aktuelle Politik weit weg ist.

Hier am Provinztheater träumt Kai davon, Becketts "Warten auf Godot" zu inszenieren, und das ganz anders, ganz neu! Womit er nicht gerechnet hat, ist das komplett desillusionierte und völlig lethargische Ensemble, das schon lange kein Publikum mehr hat und an gar nichts mehr glaubt. Als dann endlich auch hier die Nachricht ankommt, dass die Mauer gefallen ist, machen sich Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor gemeinsam auf den Weg nach Berlin, um diesen historischen Moment hautnah mitzuerleben. Aber leider gibt der Theater-Bus seinen Geist auf und alle steigen wieder aus.

1992 noch ein Flop

Fokussiert auf die kleine zusammenbrechende Welt eines Provinztheaters, das als Bild für den zusammenbrechenden DDR-Staat zu lesen ist, floppte der Film 1992 in den Kinos. Vielleicht war es zu früh, zwei Jahre nach der Wende, über die Wende selbst einen Film von einem No Name herauszubringen. Dresen selbst bezeichnete "Stilles Land" als "vertane Chance" - übrigens nur einer von drei Filmen, die er in den 90er Jahren über den Alltag in Ostdeutschland gedreht hat.

Später hat er dann andere, wunderbare Geschichten erzählt – meist nach Drehbüchern von Wolfgang Kohlhaase oder Laila Stieler. Mit ihr zusammen hat er auch das Buch für "Stilles Land" geschrieben – und wenn man auf die Credits seiner Filme schaut, wird sichtbar, dass Dresen in den 30 Jahren seiner Karriere als Regisseur seinen Mitstreitern die Treue gehalten hat - und sie ihm.

Standbild: "Stilles Land" - Der junge Regisseur Kai (Torsten Merten) sieht seine Ziele und auch seine Beziehung zu Claudia (Jeanette Arndt) gefährdet. (Bild: imago images/United Archives)
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Ein Einblick in die filmischen Anfänge

In der DVD-Box gibt es neben dem Film auch ein 45-minütiges Interview mit Andreas Dresen aus dem Jahr 2006, in dem er von seinem Werdegang erzählt.

Zum Beispiel wie ihn das Theater schon als Kind geprägt hat – seine Mutter war Schauspielerin am Theater in Schwerin, sein Vater Adolf Regisseur – was es ihm bedeutet, später dann selbst fürs Theater zu inszenieren. Oder über die fast absurde Aufnahmeprozedur an der HFF (Hochschule für Film und Fernsehen) in Potsdam Babelsberg, wo er studiert hat, er spricht über seine Vorbilder und sehr offen auch darüber, wie es ihn damals zumindest noch nervte, als "ostdeutscher Regisseur" bezeichnet zu werden.

Wenn man sich das Interview ansieht, weiß man dann zum Beispiel auch, wie gerne Dresen immer schon die Erzählung "Romeo" von Jurek Becker verfilmen wollte. Das Ergebnis aus dem Jahr 1990 gibt es auf der zweiten DVD mit sechs Kurzfilmen.

Diese filmischen Anfänge geben in ihrer Gesamtheit einen wunderbaren Einblick in das Schaffen von Andreas Dresen, den großen Humanisten des deutschen Kinos.

Christine Deggau, rbbKultur

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