The Eddy – Filmstill; © imago-images/Lou Faulon
Bild: imago-images/Lou Faulon

Mini-Serie | Netflix - "The Eddy"

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"The Eddy" ist ein Jazzclub in Paris. Nicht in allerbester Lage, auch nicht besonders nobel ausgestattet. Touristen gehen dort nicht hin, eher Einheimische mit Migrationshintergrund. In dem Viertel leben Araber, Afrikaner, Osteuropäer zusammen.

Die zentrale Figur ist Elliot Udo. Er kommt aus New York, wo er erfolgreicher Jazzpianist war. Nach dem Tod seines Sohnes und der Trennung von seiner Frau hat er die Musik an den Nagel gehängt. Es verschlug ihn nach Paris, wo er mit seinem Freund Farid "The Eddy" eröffnet. Mit einer Hausband, in der er nicht mitspielt, die er aber groß rausbringen will.

Elliot kümmert sich um die Kunst, Farid ums Geschäft. Und das läuft schlecht. Um das zu ändern, lässt sich Farid mit Gangstern ein, wovon Elliot nichts mitbekommt. Schon in der ersten von den acht Folgen wird Farid von den Gangstern ermordet.

Mehr als ein Krimi

Klingt nach Krimi, ist es auch, aber nicht nur. Elliot kämpft an mehreren Fronten. Er sucht den Mörder seines Freundes und muss zunächst begreifen, wo hinein der geraten ist. Es geht um Geld, das die Gangster haben wollen. Nun von Elliot. Aber eigentlich interessiert der sich vor allem für die Band, der er einen Schallplattenvertrag verschaffen will. Die Sängerin Maja ist seine Ex-Freundin, aber so wirklich kommen die beiden auch nicht voneinander los.

Außerdem gibt es noch seine pubertierende Tochter Julie. Die lebte bei ihrer Mutter in New York, wurde aber von der rausgeschmissen und zu ihrem Vater nach Paris geschickt. All das wird in der Geschichte miteinander verwoben. Das ist einerseits spannend, hat aber auch eine gewisse Redundanz. In jeder Folge steht eine Figur im Fokus. Alle haben Probleme: Drogen, kein Geld, Beziehungen, Familie.

The Eddy – Filmstill; © imago-images/Lou Faulon
Bild: imago-images/Lou Faulon

Echte Musiker

Zusammengehalten wird alles mehr oder weniger von der Musik, die nicht nur Beiwerk, sondern einer der Handlungsstränge ist. Die Band ist eine echte Band, keine Schauspieler, die nur so tun, als wären sie Musiker. Die Sängerin Maja wird z. B. von Joanna Kulig dargestellt. Sie ist in Polen geboren und dort als Schauspielerin und Sängerin aktiv.

Pianist Randy wird von Randy Kerber gespielt. Er ist in den USA ein wirklicher Star. Für seine Arbeit am Soundtrack für "Die Farbe Lila" wurde er für den Oscar nominiert und komponierte mit Glen Ballard auch den Soundtrack für "The Eddy", der übrigens am 12. Juni auf Vinyl und CD veröffentlicht wird.

Und bei den anderen ist es ebenso: Die Schlagzeugerin Katarina wird von der kroatischen Drummerin Lada Obradovic gespielt, der Saxofonist Jowee wird vom kanadischen Saxofonisten Jowee Omicil verkörpert, der den im Grunde relativ braven, aber eingängigen Film-Songs immer wieder etwas Biss verleiht. Diese Besetzung macht die Musik, die zum großen Teil hörbar live eingespielt wurde, jedenfalls recht authentisch.

Zur Jazz-Ästhetik passende Bilder

Auch einer der Regisseure und Produzenten – Damien Chazelle – ist kein Unbekannter. Für seine Filme "La La Land" und "Wiplash" wurde er mit Auszeichnungen fast überhäuft. In beiden spielte Musik eine wichtige, wenn nicht sogar zentrale Rolle. "The Eddy" wurde auf 16-mm-Film und zu großen Teilen mit einer Handkamera gedreht. So entstehen recht unruhige, manchmal verwackelte Bilder, die für Tempo sorgen und gut zur Jazz-Ästhetik passen.

Die für das Online-Portal Netflix produzierte Mini-Serie ist durchaus sehenswert, wenngleich die Handlungsstränge etwas Straffung vertragen würden. Pro Folge eine knappe Stunde braucht es nicht wirklich. Falls es also eine Fortsetzung geben sollte – das Ende der ersten Staffel lässt das offen – könnte die Story durchaus noch ein bisschen Fahrt aufnehmen.

Ulf Drechsel, rbbKultur

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