Anne Ratte-Polle als Anna, Mark Waschke als Matthias und Kasimir Brause als Sohn Lukas in einer Szene des Films "Der Geburtstag" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 25.06.2020 in die deutschen Kinos. foto: Friede Clausz/W-film/dpa
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Film noir - "Der Geburtstag"

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Ein Kindergeburtstag steht im Mittelpunkt dieses kleinen 84 Minuten langen deutschen Spielfilms: Ein kleines Schwarz-Weiß-Drama – das so gar nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

Sehr ambitioniert verbindet Regisseur Morelli hier Horror-Elemente, er macht Anleihen beim Film noir. Es gibt eine komplizierte Beziehungs-Trennungsgeschichte, vor allem aber ist "Der Geburtstag" das Psychogramm eines unglaublich gestressten und überforderten Vaters.

Nicht nur, dass er das Geburtstagsgeschenk für seinen siebenjährigen Sohn vergessen hat, er will auch das Wochenende mit ihm absagen und Kindergeburtstag ist schon gar nicht seine Sache. Er bleibt aber dann doch und als am Abend nach der Party eines der Kinder nicht abgeholt wird, will er diesen Jungen nach Hause bringen. Und danach ins Bett. Mehr nicht. Natürlich kommt es anders.

Moment der Unachtsamkeit

Mark Waschke spielt diesen Vater mit Inbrunst. Viele Eltern werden sich in ihm wiedererkennen – doch Morelli geht es um mehr. Das Besondere an diesem Film ist, wie sich aus ganz alltäglichen, normalen Situtionen unheimliche Momente entwickeln. Nachmittags sinnflutartige Regenfälle. Nachts menschenleere Straßen. Eltern, die ihr Kind vergessen. Eine Polizistin, die nichts glaubt. Diese ganze Nacht ist für den gestressten Vater eine Nacht der Kontrollverluste. Der Höhepunkt ist dann ein Moment der Unachtsamkeit – und das fremde Kind Julius ist aus dem Auto verschwunden.

ark Waschke als Matthias und Finnlay Jan Berger als Julius in einer Szene des Films "Der Geburtstag" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 25.06.2020 in die deutschen Kinos. foto: Friede Clausz/W-fil/dpa
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Gefühl der Bedrohung

All das mutet völlig surreal an und wird unterstrichen durch die Geräusch- und Musikebene. Eine Jazztrompete erzeugt eine ganz eigene Stimmung, man fühlt sich wie in einem französischen Film der Sechzigerjahre – und natürlich: die Schwarz-Weiß-Ästhetik. Das Spiel von Licht und Schatten nachmittags durch die Jalousien und nachts auf den menschenleeren Straßen erzeugt ein latentes Gefühl der Bedrohung. Womöglich spiegelt das, was wir sehen, ja nur das Innenleben des gestressten Vaters, findet nur in seiner Einbildung statt?

Überzeugend bis zum Schluss

Inhaltlich schildert Morelli – der durch einen wegen Regen ins Wasser gefallenen Geburtstag seines Sohnes auf die Idee zu dem Film kam – den Weg eines Vaters zu seinem Sohn, wie der begreift, worum es wirklich geht: im Moment zu sein, Situationen zu akzeptieren, wie sie sind.

Die Geschichte verliert sich ein bisschen im Laufe der Erzählung, doch die formale Umsetzung – die Schwarz-Weiß-Bilder, die intensive Verbindung von Musik und Bild, die Beiläufigkeit der Dialoge - und auch die Schauspieler überzeugen bis zum Schluss.

Christine Deggau, rbbKultur

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