Drinnen © zdf
Bild: Screenshot zdf Mediathek

ZDF Mediathek | Comedy - "DRINNEN - Im Internet sind alle gleich"

Bewertung:

Corona ist noch nicht überstanden. Homeoffice setzt sich durch. Und auch wenn Restaurants und Bars jetzt wieder öffnen, die Wochen nach dem Lock Down sind besonders gewesen. In dieser Zeit entstand für ZDF-Neo eine kleine Serie, die wir noch einmal all denen ans Herz legen wollen, die sie vielleicht übersehen haben.

Abgesehen davon, dass „DRINNEN – im Internet sind alle gleich“ überaus lustig ist und ziemlich genau beschreibt, wie sich unser Leben durch Corona verändert hat, ist diese Serie auch ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mit einfachsten Mitteln spannende Unterhaltung machen kann. 


Drehort: der Schreibtisch

Für diese Produktion musste niemand das Haus verlassen, alle konnten bleiben, wo sie sind. Das funktioniert, weil es in "DRINNEN" nur eine Hauptfigur gibt: Charlotte, gespielt von Lavinia Wilson. Und einen Drehort: der Schreibtisch von Lavinia Wilson bei sich zu Hause. Regieanweisungen und die ganze Kommunikation mit dem Filmteam lief auf verschiedenen Kanälen per Videocall. Das heißt: Lavinia Wilson saß tatsächlich die ganze Zeit in ihrer Berliner Wohnung, sie war ihre eigene Masken- und Kostümbildnerin, und da es nur eine Einstellung gibt, ist sie auch ständig im Bild, an ihrem Schreibtisch - in Kommunikation mit diversen Gesprächspartnern, die natürlich allesamt nur auf ihrem Bildschirm erscheinen: via skype oder teams. Das Besondere an dieser Serie ist, dass sie trotz dieser ungewöhnlich reduzierten Ausgangslage kein bisschen langweilig ist.


Aktuell und lebensnah

Da ist also Lavinia Wilson alias Charlotte Tielemann. Charlotte ist eine Mittdreißigerin aus der Werbebranche, eine liebenswert-chaotische Person, eigentlich ziemlich gut organisiert, aber von der Situation doch überfordert. Charlotte nun versucht im Home-Office ihr Leben zu organisieren. Indem sie telefoniert, skypt, mailt. Und ab und zu lange Monologe in ihr Handy spricht – an wen die gerichtet sind, erfährt man erst später. Ihre tägliche Kommunikation pflegt sie mit ihrer Chefin, die an Corona erkrankt ist und Charlotte darum die Leitung der Agentur überträgt, mit Kunden, mit ihrer besten Freundin, ihrer Familie und mit den Männern, die sie über Tinder anschreibt. Oft alles parallel, da geht dann versehentlich schon mal was schief …

Und das macht diese Serie unter anderem aus: dass sie nicht nur aktuell, sondern sehr lebensnah ist. Gut gewählt ist auch die Länge der 15 Folgen, sie sind zwischen 8 und 12 Minuten lang.

Echter Alltag" in Corona-Zeiten

Aufgrund der besonderen Produktionsbedingungen vermischen sich Privates und Berufliches. Wenn Lavinia Wilson am Schreibtisch sitzt, sehen wir ihr Bücherregal und gemalte Kinderbilder, es ist ja ihre Wohnung. Und so wie sie selbst drei Kinder hat, ist auch der Mann, den sie in der Serie verlassen will und der da weitestgehend auf dem Land weilt, Barnaby Metschurat, auch im wirklichen Leben der Vater ihrer Kinder.

Ihre Eltern werden gespielt von Viktoria Trautmannsdorf und Wolf-Dietrich Sprenger (auch sie sind verheiratet) und senden aus ihrer Küche. Oder Jana Pallaske, die die Schwester spielt und sich aus Thailand zuschaltet – sie lebt tatsächlich teilweise dort.

Jeder ist hier also auch ein bisschen er/ sie selbst. Und auch die Ausgangssituation ist in gewisser Weise "echter Alltag" in Corona-Zeiten. Mal reißt der Ton ab oder die Bilder bleiben stehen, dann wieder geht’s auch um technische Unzulänglichkeiten: wenn die Mutter beim Skypen das Handy ans Ohr hält, statt in die Kamera zu gucken. Regisseur Lutz Heineking macht aus der Not eine Tugend: er nutzt die Tücken des Internets auch als dramaturgisches Mittel.

Neue Art des filmischen Erzählens

Mit der Entwicklung solcher Serien wie "DRINNEN – im Internet sind alle gleich" findet eine neue Art des filmischen Erzählens statt: schnell, aktuell, fordernd. Da tritt eine neue Generation von Filmemachern auf den Plan: angstfrei und technisch ganz weit vorne. Viel kreative Energie ist spürbar: Inhaltlich, visuell und technologisch. Und all das spiegelt sich in dieser Serie "DRINNEN". Sie markiert eine Zäsur und sie wird sicher im Gedächtnis bleiben: als die erste und sehr gelungene filmische Auseinandersetzung mit der Frage, was technische Kommunikation im Zeitalter von Corona leisten kann und muss.

Christine Deggau, rbbKultur

weitere rezensionen

Pelikanblut – Wiebke (Nina Hoss) und Raya (Katerina Lipovska); © DCM/Temelko Temelkov
DCM/Temelko Temelkov

Psychodrama - "Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter"

Eine aufopferungsvolle Mutter, zwei Adoptivkinder aus Osteuropa und ein einsamer Pferdehof. Klingt nach einer Idylle? Nicht so für Katrin Gebbe. Die preisgekrönte Filmemacherin macht aus einem Familienfilm eine Horrorstory.

Bewertung:
Persischstunden – Nahuel Pérez Biscayart © Alamode Film
Alamode Film

Kriegsdrama von Vadim Perelman - "Persischstunden"

Der Film "Persischstunden" wurde gedreht nach der Erzählung "Erfindung einer Sprache" von Wolfgang Kohlhaase. Er beruht, so wird im Vorspann versichert, auf einer wahren Geschichte und spielt in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager im besetzten Frankreich.

Bewertung:
Jan-Eje Ferling in einer Szene des Films "Über die Unendlichkeit" © Neue Visionen Filmverleih
Neue Visionen Filmverleih

Drama von Roy Andersson - "Über die Unendlichkeit"

Der Schwede Roy Andersson wird vom Filmmagazin "epdFilm" als "gutherziger Philosoph des europäischen Kinos" bezeichnet, als einer, der "mit melancholisch-lakonischem Witz auf die menschliche Existenz blickt, mit all ihren Unzulänglichkeiten, kleinen Hoffnungen und deren Scheitern." Sein neuester Film "Über die Unendlichkeit" gewann bei der Premiere auf dem Filmfestival in Venedig im letzten Jahr den Silbernen Löwen für die beste Regie.

Bewertung: