Berlin Alexanderplatz © Wolfgang Ennenbach
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Drama - "Berlin Alexanderplatz"

Bewertung:

Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" aus dem Jahr 1929 ist ein Klassiker der Moderne: Mehrfach verfilmt wurde das Buch, immer wieder für die Theaterbühne adaptiert und dann gibt es ja auch noch die legendäre Fernsehfassung, die Rainer Werner Fassbinder Ende der 70er Jahre gedreht hat. Nun sich hat der junge deutsch-afghanische Regisseur Burhan Qurbani den "Alexanderplatz" noch einmal vorgenommen.

Franz heißt Francis

Qurbani hat Döblins Geschichte auf 5 Kapitel und einen Epilog verteilt: Sein Franz Biberkopf heißt Francis (Welket Bungué) und kommt aus Ghana. Beim Weg über das Mittelmeer hat er seine Frau verloren und hofft nun auf einen Neubeginn in Berlin. Das ist der zentrale Clou dieser Neuverfilmung – und daraus folgt auch der Blickwinkel, den der Film einnimmt.

Die Figuren sind geblieben

Die Figuren des Döblin- Romans sind geblieben: Der diabolische Reinhold (Albrecht Schuch), die mysteriöse Eva (Annabelle Mandeng) und der mächtige Gangsterboss Pums (Joachim Król) – sie alle versuchen, Francis zu beeinflussen. Und natürlich Mieze (Jella Haase), die junge Prostituierte, die sich in ihn verliebt und die seine größte Hoffnung ist, dem kriminellen Umfeld zu entkommen. Aber wer den Roman gelesen hat, weiß auch: Ein Franz Biberkopf hat eigentlich gar keine Chance. Gut zu sein in einer schlechten Welt, das funktioniert einfach nicht.

Gut zu sein reicht nicht aus

Eigentlich habe er einen Film über schwarze Drogendealer in der Hasenheide machen wollen, hat Burhan Qurbani bei der Premiere seines Films auf der Berlinale erzählt. Der Park liege unmittelbar in seiner Nachbarschaft. Geflüchtete Menschen, die zu Kriminellen werden, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen: Sie sind für Qurbani die Biberköpfe von heute. Diese Auslegung des Romans macht durchaus Sinn, denn, wie es Francis in einer Schlüsselszene des Films formuliert: "Gut zu sein, das reicht nicht. Ich will auch gut leben."

Mängel in der Umsetzung

Doch auch wenn das Konzept des Films aufgeht, in der Umsetzung gibt es Mängel. Das fängt mit den Bildern an: In dem Bemühen, sich möglichst weit von Fassbinders Zwanziger Jahre- Szenerie zu entfernen, hat sich Burhan Qurbani eine Berliner Fantasieunterwelt ausgedacht, die seltsam unecht wirkt. Schnitt und Rhythmus des Films überzeugen, doch die Musik von Dascha Dauenhauer ist zu opulent und übertönt alle Zwischentöne.

Berlin Alexanderplatz © Stephanie Kulbach
Bild: Sommerhaus/eOne Germany / Stephanie Kulbach

Licht und Schatten bei den Schauspielern

Ähnlich gemischt ist die Leistung des Ensembles. Welket Bungué hat eine sehr starke, körperliche Präsenz, die gut zu Franz Biberkopf passt. Jella Haase dagegen bleibt blass, so wie die meisten Frauen in diesem Film. Die heimliche Hauptrolle hat Albert Schuch, der den Reinhold als psychotische Mischung aus Dämon und Demagoge spielt – mit schiefgelegtem Kopf und heller Kopfstimme.

Zur Hälfte gelungen

Die Latte für eine Neuverfilmung von "Berlin Alexanderplatz" lag hoch. Burhan Qurbani hat das gewusst und ist trotzdem gesprungen. Dafür gebührt ihm Respekt. Doch seine Neuinterpretation des Romans ist nur zur Hälfte gelungen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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