Die schönsten Jahre eines Lebens: Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée © Wild Bunch Germany
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Drama - "Die schönsten Jahre eines Lebens"

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1966 drehte der französische Regisseur Claude Lelouch den Film "Ein Mann und eine Frau". Die Love Story im Stil der Nouvelle Vague wurde vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit zwei Oscars und der Goldenen Palme von Cannes - und sie begründete den Weltruhm der beiden Hauptdarsteller Anouk Aimée und Jean-Louis Trintignant. Nun, mehr als 50 Jahre später, hat Lelouch die Beiden noch einmal vor die Kamera geholt.

Früher war er Rennfahrer und Frauenheld, doch mittlerweile fährt Jean-Louis (Jean-Louis Trintignant) Siege nur noch in seiner Erinnerung ein. Er ist gebrechlich geworden, sitzt im Rollstuhl und auch sein Gedächtnis ist nicht mehr das Allerbeste. Die meiste Zeit hängt er seinen Gedanken nach – Gedanken, die sich vor allem um seine große Liebe Anne (Anouk Aimée) drehen.

Ein Wiedersehen mit der alten Liebe

Eines Tages fasst sich sein Sohn Antoine (Antoine Sire) ein Herz. Er macht die lange verschollene Anne in der Normandie ausfindig, wo sie einen kleinen Laden betreibt, und überredet sie zu einem Besuch bei Jean-Louis im Altersheim. Der erkennt seine große Liebe nach über 50 Jahren erstmal gar nicht wieder. Trotzdem ist er sofort von dieser für ihn fremden Frau begeistert und möchte am Liebsten sofort mit ihr durchbrennen

Eine Fortsetzung, die von Erinnerungen lebt

“Die schönsten Jahre eines Lebens” ist die Fortsetzung von Claude Lelouchs Film-Klassiker “Ein Mann und eine Frau”– allerdings eine sehr nostalgische Fortsetzung, die vor allem von Erinnerungen lebt. Stürmische Romantik und leidenschaftliche Liebeszenen sollte man aufgrund des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptdarsteller nicht erwarten. Es geht vielmehr um den Blick zurück, um das, was hätte sein können.

Die schönsten Jahre eines Lebens

“Ein Mann und eine Frau” endet damit, dass sich eine große Liebe nicht realisiert. Sie denkt noch zu sehr an ihren kurz zuvor verstorbenen Ehemann, er - als Autorennfahrer und Frauenschwarm - kann sich ohnehin nur schwer festlegen. Also gehen sie auseinander – aber, wie wir jetzt erfahren, haben sie all die Jahre immer aneinander gedacht. Und damit erklärt sich dann auch der Titel des Films, ein Zitat von Victor Hugo: „Die schönsten Jahre eines Lebens sind jene, die man nicht gelebt hat”

Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab

In der Montage von Claude Lelouch wechseln sich Vergangenheit und Gegenwart munter ab: Schwarzweiß-Bilder der Nouvelle Vague und farbige Bilder von heute fließen ineinander, zwischendurch zitiert er seinen Kurzfilm „C’etait un rendez-vous“, eine atemlose Kamerafahrt durch das frühmorgendliche Paris - und als Dreh- und Angelpunkt des Ganzen fungiert die wunderbare Musik des kürzlich verstorbenen Francis Lai („Love Story“)

Sparsame Gesten

Auch wenn der Film an manchen Stellen etwas beschaulich daherkommt, “Die schönsten Jahre eines Lebens” lohnt den Weg ins Kino allein schon wegen des Wiedersehens mit Jean Louis Trintignant und Anouk Aimée. Zwei wunderbare Schauspieler, die nur mit ihren Blicken und ein paar sparsamen Gesten mehr ausdrücken als eine ganze Armee von jungen Casting –Stars. 1985 hat Claude Lelouch schon einmal eine Fortsetzung von “Ein Mann und eine Frau” gedreht. Die ist damals ziemlich in die Hose gegangen und mittlerweile - zu Recht - in Vergessenheit geraten. Diesmal hat er es zum Glück besser gemacht.

Carsten Beyer, rbbKultur

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