Master Cheng in Pohjanjoki © 2019 Marianna Films Oy, By Media, Han Ruan Yuan He
Bild: 2019 Marianna Films Oy, By Media, Han Ruan Yuan He

Komödie - Master Cheng in Pohjanjoki

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Bisher hat der Finne Mika Kaurismäki, Bruder des berühmten Aki Kaurismäki vor allem Musikdokumentationen und gelegentlich auch mal einen Spielfilm gedreht. Jetzt kommt sein neuer Film "Master Cheng in Pohjanjoki" in die Kinos, und laut Trailer geht es um Kochen, Freundschaft und Liebe, und irgendwie auch ums Reisen, denn der Film spielt in Lappland.

Ein Chinese steigt mit seinem kleinen Sohn in einem kleinen gottverlassenen Kaff mitten in der malerischen Einsamkeit der lappländischen Landschaft aus. Sie laufen zu einer miesen kleinen Raststätte, die von ein paar brummigen Einheimischen als Wohnzimmerersatz genutzt wird. Einzelne Touristen verirren sich nur gelegentlich hierhin. Der Mann äußert ein seltsames Anliegen, er sucht einen gewissen Mr. Fongtron, von dem hier niemand etwas gehört hat.

Und dann serviert die blonde, finnische Restaurantbesitzerin Sirrka eine ziemlich unappetitliche Pampe aus Wurstgulasch und Kartoffelbrei und bringt sie nachts in einem Gästezimmer ihres Hauses unter. Als am nächsten Morgen eine chinesische Reisegruppe ankommt, springt Master Cheng hilfsbereit ein und startet eine kleine Küchenrevolution, in deren Verlauf sich Finnen und Chinesen bald näherkommen.

Master Cheng in Pohjanjoki © Marianna Films Oy, MFA
Bild: 2019 Marianna Films Oy, By Media, Han Ruan Yuan He, MFA

Kulinarische Verführung zu Toleranz und Zusammenhalt

Grantige Menschen werden durch duftende Mahlzeiten von ihren Vorurteilen geheilt, solche Geschichten erzählt das kulinarische Kino immer wieder gerne, etwa in "Madame Mallory und der Duft von Curry".

Auch Mika Kaurismäki setzt auf Toleranz und friedliche Koexistenz, wie er in einer Videogrußbotschaft auf deutsch erzählen kann, weil er an der Münchner Filmhochschule studiert hat: "Servus, ich bin Mika Kaurismäki aus Finnland. Da unsere Welt fast auseinanderzufallen droht, wollte ich einen Film machen, der Menschen zusammenführt, statt sie zu trennen, im Gegensatz zu dem was sehr viele wahnsinnige, politische Führer versuchen zu tun. Ich wollte auch zeigen, dass die Welt ein sehr schöner Platz sein kann, wenn wir uns um sie gemeinsam kümmern. Also viel Spaß, Grüße aus Finnland, Servus."
Die alte Geschichte von Liebe und Freundschaft, die durch den Magen gehen, ist hier auf sympathisch liebenswerte, manchmal aber auch recht simple Art erzählt.

Finnische DNA

Dabei setzt Mika Kaurismäki nicht allein auf die Sinnlichkeit gekochter Köstlichkeiten, sondern auch auf andere völkerverbindende Aspekte, wie das gemeinsame Singen und Tanzen, etwa beim Männerausflug zum See und in die Sauna, bei dem erst die alten Finnen auf dem Schifferklavier eine traurige Waise spielen, und danach Master Cheng ein sehnsuchtsvolles Liebeslied anstimmt.

Der Film weist eine typisch finnische DNA auf, mit schrulligen, aber liebenswerten Helden mit starkem Hang zum Alkohol, mit der malerisch kargen Schönheit lappländischer Landschaften und einem Licht, das auch eine trostlose Raststätte noch magisch erscheinen lässt. Aber ganz so raffiniert, tiefgründig und lakonisch wie die Filme seines jüngeren Bruders Aki Kaurismäki ist "Master Cheng in Pohjanjoki" dann doch nicht.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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