What You Gonna Do When the World's on Fire © Grandfilm
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Dokumentation - "What you gonna do when the world is on Fire"

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Der gewaltsame Tod des Afroamerikaner George Floyd durch weiße Polizeigewalt am 25.Mai dieses Jahres hat weltweite Proteste und Demonstrationen gegen systemischen Rassismus ausgelöst. Den Film hat Roberto Minervini zwar bereits 2017 gedreht worden, hat durch den Tod von George Floyd aber eine so aktuelle Brisanz und Dringlichkeit bekommen, dass der Grandfilm-Verleih ihn ab morgen in die deutschen Kinos bringt.

In "What you gonna do when the world is on Fire?" geht es um die Lebenserfahrung Schwarzer in New Orleans, um ihren täglichen Kampf gegen Diskriminierung und Polizeigewalt, das Leben in Angst und Wut. Gedreht hat die italienisch-französisch-amerikanische Co-Produktion der seit zehn Jahren in Amerika lebende Italiener Roberto Minervini. Ihm geht es darum, seine Wahlheimat Amerika mit ihren politischen Spannungsfeldern zu ergründen.

Embedded filmmaking

Er hat bereits drei Filme über Texas gedreht, und mit "The Other Side" einen weiteren in den Südstaaten. Statt von außen drauf zu schauen, betreibt er sozusagen "embedded filmmaking", nimmt sich viel Zeit, um sich in die fremden Lebenswelten einzufühlen und das Vertrauen seiner Protagonisten zu gewinnen. Entsprechend ist seine Kamera kein außenstehender Beobachter oder gar Eindringling, stattdessen wird sie zum Teil der Community. Er spielt sich auch nicht als Vermittler auf, sondern tritt so aufmerksam wie diskret zurück, um ihnen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selber sprechen können.

Forderung nach Gerechtigkeit

Beispielsweise Judy Hill, die im Viertel die Oh Poo Pa doo Bar betreibt, jedenfalls bis ihr der Mietvertrag gekündigt wird. Dort wirbelt, diskutiert und singt sie. Mit ihrer Power und Vitalität und ihrer charismatisch kämpferischen Ausstrahlung, ist sie das Herz des Films. Oder die beiden Brüder Titus und Ronaldo, die durchs Viertel streifen und von ihrer Mutter eingeschärft bekommen, nach Hause zu kommen, wenn die Straßenlaternen angehen, denn sie wüssten ja, was letzte Woche passiert sei, vier Schwarze auf der Straße erschossen und in der Woche davor ein Überfall auf die Tankstelle.

Die dritte Ebene sind die Mitglieder der Black Panther Bewegung, die durchs Viertel patrouillieren, die Gewalt durch die Polizei und den KuKluxKlan anprangern, Gerechtigkeit für die Morde an Schwarzen fordern, in einer langen Liste von Namen zu der täglich neue dazukommen. Auch George Floyd ist nicht der letzte geblieben. Kämpferisch sind sie alle hier, darauf bezieht sich auch der Filmtitel, eine Zeile aus einem Gospel: "Wenn die Welt brennt, hilft rennen nichts, man muss sich den Gefahren stellen, aktiv etwas unternehmen, die Missstände anprangern, Gerechtigkeit fordern."

What You Gonna Do When the World's on Fire © grandfilm
Bild: Grandfilm

Eine Augenweide in gestochen scharfem Schwarzweiß

Aller dokumentarischen Wahrhaftigkeit zum Trotz begnügt sich Minervini nicht mit grobkörnig verwackelten Bildern. Sein Respekt und seine Zuneigung drücken sich auch in erlesen komponierten Schwarzweißbildern aus, die in ihren malerischen Kontrasten an die berühmten Fotos aus der Jazz- und Blues Szene der fünfziger- und sechziger Jahre erinnern. Zusammen mit der immer wieder live gespielten Musik entsteht ein zugleich sinnliches und kämpferisches Bild vom Leben der Schwarzen im Süden Amerikas.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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