Helmut Newton – The Bad And The Beautiful | Arena, New York Times © Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation
Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation
Bild: Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation

Dokumentarfilm - Helmut Newton - The Bad And The Beautiful

Bewertung:

Helmut Newton war einer der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts. An seinen Bildern scheiden sich bis heute die Geister: Die Einen loben seine Eleganz, seinen Blick für die Details und seinen Erfindungsreichtum, andere haben ihn angegriffen als sexistisch, als frauenfeindlich und sogar als Vertreter einer faschistischen Ästhetik. Der Dokumentarfilm "Helmut Newton - The Bad And The Beautiful" lässt nun vor allem die Protagonistinnen seiner Bilder zu Wort kommen.

Claudia Schiffer, Nadia Auermann, Isabella Rossellini, Charlotte Rampling, Hanna Schygulla und Grace Jones – es ist ein beeindruckendes Star- Aufkommen, das der Dokumentarist Gero von Boehm in seinem Film versammelt hat: Ausführlich und mit zum Teil mit sehr amüsanten Beobachtungen erzählen sie über ihre Begegnung mit dem Mann, der mit seiner Kamera ihr Image mitgeprägt hat.

Männer spielen keine Rolle

Männer kommen in diesem Film dagegen so gut wie gar nicht vor. Warum denn auch, schließlich spielen sie auch in Newtons Fotografie bestenfalls eine Nebenrolle. Im Zentrum stehen immer die Frauen: große, starke, oft nur leicht bekleidete oder nackte Frauen, die mit herrischem Blick in die Kamera schauen. Helmut Newton hat eine ganz eigene, unverwechselbare Bildsprache erschaffen, die man in diesem Film ausführlich studieren kann.

Helmut Newton – The Bad And The Beautiful | Selbstporträt, Monte Carlo, 1993 © Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation
Bild: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation

Ein Charmeur und Menschenfänger

Mit einer Mischung aus Talking Heads, Filmstills und alten Dokumentar- Aufnahmen zeichnet Gero von Boehm das Bild eines Charmeurs und Menschenfängers, der allerdings auch ein harter und disziplinierter Arbeiter sein konnte. Mitunter hat Newton stundenlang an einem Motiv gefeilt, weil er auf das richtige Licht oder die richtige Eingebung wartete.

Bewegte Biografie

Newtons bewegte Biografie wird dagegen nur gestreift: Die Kindheit als Sohn einer jüdischen Knopffabrikanten- Familie in Berlin, die Flucht vor den Nazis 1938 und das Leben im Exil, zunächst in Australien, später dann in den USA und in Monaco. Auch das gespaltene Verhältnis Newtons zu den Deutschen oder seine merkwürdige Verehrung für die Arbeiten von Leni Riefenstahl bleiben eine Randnotiz.

Helmut Newton – The Bad And The Beautiful | Rue Aubriot, Yves Saint Laurent, 1975 © Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation
Bild: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation

Kritik sucht man vergeblich

"Helmut Newton - The Bad And The Beautiful" ist ein Film, der bildgewaltig ist und unterhaltsam – und der doch so manches schuldig bleibt. Die Kritik, die es seit den 80er Jahren an Newtons Bildern gab, wird beispielsweise kaum erwähnt. Angesichts der Tatsache, das die Berliner Newton Foundation und Newtons Frau June beim Zustandekommen des Films maßgeblich beteiligt waren, ist das vielleicht auch nicht verwunderlich.

Helmut Newton – The Bad And The Beautiful | Arena, New York Times © Foto: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation
Bild: Helmut Newton, Helmut Newton Estate / Courtesy Helmut Newton Foundation

Chance vertan

Nur an einer Stelle wird es mal kontrovers. Da diskutiert Helmut Newton in einer französischen Fernseh- Talkshow mit der amerikanischen Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Susan Sontag über weibliche und männliche Ästhetik. Zwei Welten prallen da aufeinander. Sontag – mit dem Strickzeug in der Hand – wirft Newton Misogynie vor. Der kontert mit entwaffnendem Lächeln: "Aber ich liebe doch die Frauen". Schnitt, Aus, Chance zu einer echten Auseinandersetzung vertan. In Zeiten von #metoo wäre er wohl nicht so glimpflich davongekommen.

Carsten Beyer, rbbKultur

Helmut Newton - The Bad And The Beautiful

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