Exil © Alamode Film
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Identitätsdrama von Visar Morina - "Exil"

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Regisseur Visar Morina wurde 1979 im Kosovo geboren. Als er 15 war, ging seine Familie nach Deutschland. Integration? Ein Begriff mit dem er nichts anfangen kann, sagt er. Und doch geht es in seinem dritten Spielfilm "Exil" um das Ankommen in einem anderen Land.

Was heißt es fremd zu sein? Oder anders gefragt: Ab wann ist man in der Fremde angekommen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um nicht mehr als fremd wahrgenommen zu werden? Fragen, die einfach klingen. Doch wenn man versucht, sie beantworten, merkt man schnell, wie komplex sie sind. Regisseur Visar Morina nähert sich dem Thema in "Exil" auf kompromisslose Art, indem er uns mit unserem eigenen tiefsitzenden Schubladendenken konfrontiert. Und er zeigt die andere Seite: wie schwierig es ist, als "assimilierter Fremder" eine eigene sichere Identität zu finden.

Ein "ganz normaler" Deutscher, geboren im Kosovo

"Exil" erzählt von Xhaver, Ende 30, Pharmaingenieur, verheiratet, drei Kinder, Einfamilienhaus, eine Geliebte: die Putzfrau der Firma, in der er angestellt ist. Ein ganz normaler Deutscher, der eine ganz normale bürgerliche Existenz lebt – kleiner Unterschied: geboren im Kosovo mit einem für viele unaussprechlichen Nachnamen. Sein Name (unter anderem) führt ihm seine Fremdheit immer wieder vor Augen. Er entwickelt eine Hypersensibilität: jeden noch so blöden Witz, jede kleinste Kritik nimmt er persönlich – bis er sicher ist, bei der Arbeit gemobbt zu werden.

Doch gibt es hier nicht den Guten und den Bösen. Alle bewegen sich in einem diffusen Raum von Feindseligkeit. Rainer Bock als Kollege von Xhaver rutscht nach seinem furiosen Auftritt in dem Kinofilm "Atlas" leider wieder zurück aufs Nebengleis, spielt still und leise, wie wir ihn kennen, und dabei hochkonzentriert – und gibt in Xhavers Augen den typischen Unterdrücker ab.

Rassistische Mobbing-Kampagne?

Tatsächlich eskaliert die Situation irgendwann, es gibt tote Ratten im Briefkasten, der Kinderwagen brennt – aber es gibt keinen sichtbaren, greifbaren Feind. Xhaver sieht in dem Ganzen eine rassistische Mobbing-Kampagne gegen sich persönlich. Und verliert sich in hilfloser Wut. Misel Maticevic spielt das sehr körperlich, mit versteinertem Gesicht, mahlendem Kiefer, man hat Angst, er könnte jede Sekunde explodieren. Seine Frau - beiläufig unterkühlt: Sandra Hüller - weigert sich, ihn zu bemitleiden, versucht ihm klar zu machen, dass die Ablehnung seiner Kollegen auch damit zu tun haben kann, dass sie ihn als Mensch nicht leiden können – und nicht als Ausländer.

Kommunikation findet nicht statt

Es sind viele Wege, auf denen wir Xhaver begleiten: der Weg durch die Gänge seiner Firma, der Weg nach Hause, in seinem Zuhause – einsame Wege, die begleitet werden von einem rhythmisch bedrohlichen Geräusch. Überhaupt steht die ganze Erzählung unter einer immensen Anspannung, fast kafkaesk, dunkel von der Atmosphäre.

Neben der Frage, ob sich hier ein Mann nur als Opfer fühlt oder ob er es wirklich ist, geht es vor allem auch um Kommunikation. Kommunikation nämlich findet überhaupt nicht statt – hier ist niemand wirklich in Kontakt. Das ist bitter zu sehen, weil es viel mit unserer gesellschaftlichen Situation in Deutschland zu tun hat. Geschrieben hat Visar das Drehbuch 2016, nach der ersten Flüchtlingswelle. Es spiegeln sich Beobachtungen und natürlich auch eigene autobiografische Erfahrungen. Auch macht er keinen Hehl aus seiner sehr kritischen Haltung gegenüber dem deutschen Selbstverständnis.

Einmal zitiert Xhaver ein Sprichwort, das sein Grundgefühl beschreibt, das viel Wahres birgt und in dem sich vielleicht die Essenz dieses Films fassen lässt: Ein alter Mann fällt vom Apfelbaum. Alle wollen ihn besuchen, ihn trösten. Er aber lässt nur die zu sich, die selbst schon einmal vom Baum gefallen sind ...

Christine Deggau, rbbKultur

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