Max und die Wilde 7 © Daniel Dornhöfer/Leonine/dpa
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Verfilmung der beliebten Kinderbuchreihe - "Max und die wilde 7"

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Drei Bände der Kinderbuchreihe "Max und die wilde 7" sind bisher erschienen. Der erste Band ist nun im Kino zu sehen – und das in Starbesetzung.

An der Seite des neunjährigen Newcomers Jona Eisenblätter spielen Uschi Glas, Thomas Thieme und Günther Maria Halmer – sie nämlich sind die "wilde 7". Ihr Name, der in dieser Residenz mit einer Mischung aus Respekt und Ehrfurcht geraunt wird, bezieht sich auf die Tischnummer: an Tisch Nummer sieben im Altersheim "Burg Geroldseck" sitzen drei Alte, die nicht so recht ins Schema pflegebedürftiger Senioren passen wollten. Die drei nämlich haben es faustdick hinter den Ohren: der eine ein ehemaliger Professor, der alle mit seiner Besserwisserei und seinem Hang zum Genitiv nervt, ein ehemaliger Fußballtrainer und eine ehemalige Schauspielerin, Vera.

Mit ihr macht die Hauptfigur, der neunjährige Max, schon am ersten Tag seines Einzugs auf "Burg Geroldseck" Bekanntschaft.

Uschi Glas' selbstironisches Kinderfilm-Debüt

Gespielt wird Vera von Uschi Glas und das schlichterdings zum Verlieben. Ungefragt erzählt Vera alias Uschi von ihrer schauspielerischen Hoch-Zeit, zitiert sich selbst und Filmtitel, ihr Zimmer ist gepflastert mit Fotos von sich in jungen Jahren – auch wenn Kinder diese Anspielungen nicht verstehen, es ist eine wunderbar selbstironische Referenz für das erwachsene Publikum. Dass "Max und die wilde 7" Glas‘ erster Kinderfilm ist, mag man gar nicht glauben – und sie selbst versteht es übrigens auch nicht, hat sie uns erzählt -, so beherzt und selbstironisch wie sie sich hier der Dinge annimmt.

Thomas Thieme, Günter Maria Halmer und Jona Eisenblätter - ein überzeugendes Team

Auch die beiden ehrfurchteinflößenden Freunden von Vera, Horst und Kilian, gespielt von Thomas Thieme und Günter Maria Halmer, sind genau die Richtigen für diesen Film: Thieme, ein patriarchales Schwergewicht in jeder Hinsicht, ist hier mal gegen den Strich besetzt, was ihm sichtbar Spaß macht und hinreißend ist auch Günter Maria Halmer als Skeptiker und Misanthrop, der sich dann aber zum väterlichen Freund von Max entwickelt. Diese drei in Kombination mit dem kleinen Jona Eisenblätter, der hier das erste Mal vor der Kamera steht, sind ein sehr überzeugendes Team!

Max ist ein kleiner Antiheld, der einmal Detektiv werden will

Worum geht’s? "Max und die wilde 7"erzählt von Max, der mit seiner alleinerziehenden Mutter auf dieser Ritterburg in der sich das Altersheim befindet, einzieht, weil sie hier einen Job als Altenpflegerin antritt. Max ist neu, Max ist fremd und bei seinen Klassenkameraden haftet ihm der Nimbus von "äh bäh" an, weil er auf der Burg bei den Alten lebt. Max ist eher ein kleiner Antiheld, er kann zwar für sich einstehen und ist clever, aber er hat auch Angst vor Konflikten und schwindelt lieber als die Wahrheit zu sagen, und vom 10 Meter-Turm zu springen, traut er sich auch nicht. Als dann ein Einbrecher im Altersheim sein Unwesen treibt, da ist Max‘ Stunde gekommen. Er blüht richtig auf. Max will nämlich einmal Detektiv werden – vielleicht auch, um seinen Vater wiederzufinden, der die Familie vor ein paar Jahren wortlos verlassen hat. Durch sein Engagement jedenfalls verschafft er sich Respekt bei dem Professor…

Max und die Wilde 7 © Frank Rumpenhorst/dpa
Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Das Drehbuch bleibt dicht dran an der Kinderbuchreihe

Die Entscheidung, die beiden Autoren der Kinderbuchreihe mit der Verfilmung zu betrauen, zeigt, wie sinnvoll es sein kann, wenn alles in einer Hand bleibt. Winfried Oelsner schreibt die "Wilde 7"- Reihe zusammen mit seiner Frau Lisa-Marie Dickreiter, die vor Jahren ihr großartiges Romandebüt "Atmen unter Wasser" vorgelegt hat und hier das Drehbuch verantwortet. Beide haben mal Film studiert und beide kennen ihre Figuren ganz genau. Sie bleiben also dicht dran und überzeichnen nicht, machen nichts bunter als es ist. Das macht diesen Film auch für uns Erwachsene sehenswert.

Ein Kinderkrimi - auch für Erwachsene

Ein Krimi, natürlich kindgerecht zugeschnitten, aber auch eine Geschichte über Freundschaft und Vorurteile: Die Lebenserfahrung der Erwachsenen kann nämlich durchaus hilfreich sein, wenn man ihnen vertraut. Also: ausreichend Tiefgang gibt’s, aber man kann auch richtig lachen. Am besten alle zusammen.

Christine Deggau, rbbKultur

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