Kiss Me Kosher; © X Verleih/Nati Levi
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Lesbischer Liebesfilm aus Israel - "Kiss me Kosher"

Bewertung:

Ein lesbischer Liebesfilm, der alle Klischees über das Leben in Israel aneinanderreiht, der aber trotzdem erfrischend ist und auf Kitsch verzichtet. Mit ihrem Debutfilm “Kiss me Kosher” ist Regisseurin Shirel Peleg das schier Unmögliche gelungen. Das liegt nicht zuletzt an ihren großartigen Schauspielern.

Manchmal kommt die große Liebe unverhofft: Bei einem Studienaufenthalt in Israel lernt die junge Klimaforscherin Maria (Luise Wolfram) die gleichaltrige Shira (Moran Rosenblatt) kennen, die in Tel Aviv eine Hipster-Bar betreibt. Zwischen den beiden Frauen sprühen die Funken derart, dass Maria nicht nur bei Shira einziehen will, sondern bald sogar von Hochzeit die Rede ist…

Die Sache wird kompliziert

Damit allerdings kommen die Familien ins Spiel – und das macht die Sache kompliziert. Shiras Eltern (Irit Kaplan & John Carroll Lynch) sind konservative Siedler im Westjordanland, ihre Schwester Ella (Aviv Pinkas) Soldatin in der israelischen Armee und Oma Berta (Rivka Michaeli) eine Holocaust-Überlebende, die sich mit allen Mitteln dagegen sperrt, ihre Lieblings-Enkelin ausgerechnet an „Hitlers Brut“ zu verlieren – das ist nur eine der liebevollen Formulierungen, die sie sich für Maria ausgedacht hat.

Dazu kommt noch Shiras kleiner Bruder Liam (Eyal Shikratzi), der unbedingt einen Film über das deutsch- jüdische Lesbenpaar drehen will, und – nicht zu vergessen – Marias Eltern (Juliane Köhler & Bernhard Schütz), zwei Stuttgarter Alt- Linke, die als Freunde des palästinensischen Volkes mit ganz eigenen Augen auf das Gelobte Land schauen.

Alle Konflikte des Nahen Ostens in anderthalb Stunden

In ihrem Debutfilm „Kiss me Kosher“ hat die israelische Regisseurin Shirel Peleg so ziemlich alle Probleme des Nahen Ostens in anderthalb Stunden gepackt. Doch auch wenn der Culture Clash zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern (Oma Bertas heimlicher Liebhaber Ibrahim, gespielt von Salim Daw, wirkt auch noch mit) an manchen Stellen leicht konstruiert wirkt, kitschig oder krampfhaft wird es nie.

Das liegt zum einen an einem hervorragenden Drehbuch, dass die Konflikte nicht ausblendet, sondern offen zutage legt; es liegt aber auch an Pelegs Cast, der zu gleichen Teilen mit iraelischen und deutschen Darstellern besetzt ist.

Resolute Großmutter mit Diven- Attitüde

Moran Rosenblatt und Luise Wolfram sind ein schön anzusehendes Paar. Man nimmt ihnen nicht nur ihre Liebe ab, sondern auch die Verzweiflung über all die Hindernisse auf dem Weg zum großen Glück.

Rivka Michaeli brilliert als resolute Großmutter mit Diven-Attitüde, hin-und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Enkelin und ihrem Hass auf alles Deutsche – und dann sind da ja auch noch Bernhard Schütz und Juliane Köhler als linksliberale Gutmenschen aus dem Ländle, die im Nahen Osten unbedingt alles richtig machen wollen und genau deshalb kein Fettnäpfchen auslassen.

Gute Kenntnis beider Kulturen

Shirel Peleg ist in Israel aufgewachsen und hat an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Die gute Kenntnis beider Kulturen ist in ihrer liebevollen Charakterzeichnung zu spüren. Das gelobte Land, das sie zeigt, ist definitiv keine heile Welt – und das Lachen über gelungene Situationskomik bleibt einem mehr als einmal im Hals stecken.

Nimmt man noch die handwerklichen Details dazu - die ausdrucksstarken Bilder, die schnellen Schnitte und eine originell eingesetzte Filmmusik - so ist „Kiss me Kosher“ ein absolut gelungenes Debut.

Eine Filmkritik von Carsten Beyer, rbbKultur

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