Pelikanblut – Wiebke (Nina Hoss) und Raya (Katerina Lipovska); © DCM/Temelko Temelkov
Bild: DCM/Temelko Temelkov

Psychodrama - "Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter"

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Eine aufopferungsvolle Mutter, zwei Adoptivkinder aus Osteuropa und ein einsamer Pferdehof. Klingt nach einer Idylle? Nicht so für Katrin Gebbe. Die preisgekrönte Filmemacherin macht aus einem Familienfilm eine Horrorstory.

Wiebke (Nina Hoss) betreibt einen Pferdehof auf dem Land. Die toughe Mittvierzigerin hat sich auf das Training von Polizeipferden spezialisiert. Einen Mann braucht sie nicht, die Avancen des smarten Benedict (Murathan Muslu) lässt sie immer wieder abblitzen.

Adoption mit Hindernissen

Auf dem Hof lebt Wiebke mit der 9-jährigen Nicolina (Adelia-Constance Giovanni Ocleppo), die sie vor einigen Jahren in Osteuropa adoptiert hat. Nun soll die Familie komplettiert werden - mit der 5-jährigen Raja (Katerina Lipovska), die lange in einem bulgarischen Waisenhaus gelebt hat. Was zunächst wie ein friedlicher Familienfilm beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zu einem Albtraum: Die kleine Raja ist zwar total süß mit ihren Kulleraugen und ihren Mausezähnchen. Leider ist sie aber auch ein Satansbraten. Sie beißt, sie spuckt, sie quält kleinere Kinder in der Kita und sammelt in ihrem Kinderzimmer tote Tiere, die sie selbst umgebracht hat.

Pelikanblut – Wiebke (Nina Hoss); © DCM/Temelko Temelkov
Bild: DCM/Temelko Temelkov

Inbegriff der aufopferungsvollen Mutter

"Pelikanblut" – dieser Titel bezieht sich auf das Bild einer Pelikanmutter, die sich mit dem Schnabel die Brust aufhackt, um mit ihrem Blut die eigenen, verhungernden Kinder zu retten: Dieses Bild aus der christlichen Ikonographie begegnet Wiebke das erste Mal bei ihrem Besuch im Waisenhaus. Mehr und mehr aber wird sie selbst zur Pelikanmutter. Um Raja trotz aller Probleme ein liebevolles, behütetes Zuhause zu bieten, opfert sie ihr Privatleben, ihre Freunde, ihre berufliche Existenz und zuletzt sogar (fast) das Leben ihrer zweiten Tochter.

Falsche Fährte

Dabei lockt Regisseurin Katrin Gebbe ("Tore tanzt") die Zuschauer auf eine falsche Fährte. Lange hat man das Gefühl, in ihrem Film ginge es um Erziehung, um den Umgang mit traumatisierten Menschen und Tieren. Die Bilder der beiden heranwachsenden Mädchen werden immer wieder kontrastiert mit eindrucksvollen Szenen aus dem Alltag der Pferdetrainerin.

Der Film kippt

Gegen Ende kippt der Film jedoch mehr und mehr in Richtung Horror. Die Bilder werden dunkler, die Musik drohender, und die Geschichte bekommt eine übernatürliche Komponente, die stark an den US-amerikanischen Genrepapst Stephen King erinnert. Das ist schade, denn trotz der großartigen schauspielerischen Leistung von Nina Hoss, trotz der fast schon unheimlichen Präsenz der kleinen Katerina Lipovska bleibt ein schales Gefühl zurück. Wie hier aus einem ernsten Thema – traumatisierte Kinder, die sich nicht mehr in den normalen Alltag einfinden können – ein Horrorthriller wird, das ist vielleicht handwerklich gelungen, wird der Problematik aber einfach nicht gerecht.

Eine Filmkritik von Carsten Beyer, rbbKultur

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