Persischstunden – Nahuel Pérez Biscayart © Alamode Film
Bild: Alamode Film

Kriegsdrama von Vadim Perelman - "Persischstunden"

Bewertung:

Der Film "Persischstunden" wurde gedreht nach der Erzählung "Erfindung einer Sprache" von Wolfgang Kohlhaase. Er beruht, so wird im Vorspann versichert, auf einer wahren Geschichte und spielt in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager im besetzten Frankreich.

Es ist eine Mischung aus Komödie, Tragödie und Groteske, die der amerikanisch-ukrainische Filmregisseur Vadim Perelman erzählt. Gilles, ein Belgier, wird von den Nazis deportiert. Auf dem Transport bitte ihn ein Mitgefangener um eine Scheibe Brot und bietet im Tausch ein Buch an, das er von seinen persischen Nachbarn mitgenommen hat. Als alle Gefangenen erschossen werden sollen, gibt sich Gilles als Perser aus, und der Zufall will es, dass der SS-Mann, der für die Küche im KZ verantwortlich ist, ausgerechnet Farsi lernen will, weil er von einem Restaurant in Teheran träumt. Jetzt muss Gilles eine Sprache, die er nicht kann, erfinden um zu überleben. Er macht das, indem er die Namen der KZ-Insassen zu neuen Wörtern zusammensetzt. Beim "Persisch"-Lernen entsteht ein atemberaubender Zweikampf zwischen zwei sehr unterschiedlichen Gegnern.

Persischstunden – Lars Eidinger © Alamode Film

Exquisite Besetzung

Lars Eidinger mit strammem Seitenscheitel, blanken blauen Augen und blasierter Miene ist der penible, gefährlich leise Machtgenießer. Sein Klaus Koch findet Gefallen an Grausamkeit, bleibt höflich aber skrupellos. Ein seelenarmer Porzellanmensch – und so klingt auch seine Sprache: exquisit, aber vom Leben gereinigt. Eidingers Koch bleibt eine exzellent dargestellte Kunstfigur.

Der argentinische Schauspieler Nahuel Pérez Biscaryat muss nicht nur sein fiktives Farsi lernen, sondern auch Französisch und Deutsch und auf diesem Weg bekommt seine Sprache etwas von den Mühen, sein Sprechen wird schleppend. Einmal sagt Gilles: "Ich bin müde, Angst zu haben." Und diese Unvollkommenheit der Sprache überträgt sich auf die Figur, die qualvoll in ihrer Zwickmühle zermahlen wird.

Persischstunden – Nahuel Pérez Biscayart und Lars Eidinger © Alamode Film
Bild: Alamode Film

Eine Wolfsgesellschaft

Die Kerngeschichte um diesen Kampf mit der Sprache ist fast unerträglich spannend. Perelman löst diese Spannung immer wieder, indem er die Intrigen der KZ-Bewacher zeigt, eine Wolfsgesellschaft, in der jeder jeden verrät. Das sind aber leider nur Staffage-Figuren, die leblos um die Geschichte gereiht wurden und bei weitem nicht so gut erfunden und gespielt sind wie die zentralen Rollen. Dazu kommt ein düster verschattetes Set, das irgendwie doch nach Filmkulisse aussieht. Die radikalste Lösung wäre ein pures Zwei-Personen Stück gewesen. Jetzt fällt der Film auseinander - unerträglich bedrückend im Kern und künstlich an den Rändern.

Eine Filmkritik von Simone Reber, rbbKultur

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