Jan-Eje Ferling in einer Szene des Films "Über die Unendlichkeit" © Neue Visionen Filmverleih
Bild: Neue Visionen Filmverleih

Drama von Roy Andersson - "Über die Unendlichkeit"

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Der Schwede Roy Andersson wird vom Filmmagazin "epdFilm" als "gutherziger Philosoph des europäischen Kinos" bezeichnet, als einer, der "mit melancholisch-lakonischem Witz auf die menschliche Existenz blickt, mit all ihren Unzulänglichkeiten, kleinen Hoffnungen und deren Scheitern." Sein neuester Film "Über die Unendlichkeit" gewann bei der Premiere auf dem Filmfestival in Venedig im letzten Jahr den Silbernen Löwen für die beste Regie.

"Ich sah ein Liebespaar, zwei Liebende, die schwebten über einer Stadt, die bekannt war für ihre Schönheit, aber jetzt in Ruinen lag.": Die Liebe und der Krieg, die Schönheit und die Ruinen, das Alltägliche und die Historie: Zwischen diesen Polen bewegt sich der Film, in vielen kleinen Erzählvignetten, die wie Perlen auf einer Kette aufgereiht sind. Ein Mann, der seine Frau mit einem schönen Essen überraschen wollte. Eine Frau, die sich über einen abgebrochenen Absatz ärgert, ein Zug von Kriegsgefangenen, die durch versehrtes Land ziehen …

Das Leben ist seltsam, manchmal komisch und sehr oft melancholisch in den Filmen des Schweden Roy Andersson. Es geht um Alltagsmenschen mit Alltagsproblemen. Statt sich gegen die Zumutungen aufzulehnen, nehmen sie sie resigniert hin, und auch ein bisschen kläglich wie der Pfarrer, der in der Sprechstunde eines Arztes Linderung sucht, er habe seinen Glauben verloren, was man denn da tun könne fragt er verzweifelt, doch seine existenziellen Nöte werden von der Sprechstundenhilfe und dem Arzt sehr lapidar abgewehrt: "Wir schließen". "Ich muss zu meinem Bus." "Sie haben doch einen Termin in acht Tagen."

Lisa Blohm und Pär Fredriksson in einer Szene des Films "Über die Unendlichkeit" © Neue Visionen Filmverleih
Lisa Blohm und Pär Fredriksson in einer Szene des Films "Über die Unendlichkeit"Bild: Neue Visionen Filmverleih

Absolute Kontrolle

So merkwürdig künstlich wie die Orte schon auf der Tonspur klingen, sehen sie auch im Film aus. Denn statt an realen Schauplätzen zu drehen, baut Andersson seine ganz persönliche Welt kunstvoll im eigenen Stockholmer Filmstudio nach. Ihm geht es um die absolute Kontrolle über wirklich jedes noch so kleine Detail, über Farben, Texturen, Licht und die reduzierten Gesten der Laiendarsteller, die er sich von den Straßen pflückt.

Das braucht viel Zeit - fünf oder sogar sieben Jahre liegen zwischen den Filmen. Die trüben, fahlen Farben stammen aus Anderssons Erinnerungen an seine 50er Jahre Kindheit. Wie lebende Bilder muten diese Szenen an, in denen sich die absurde Komik des Lebens entfaltet. All die endlos langen Gänge und sterilen Räume, Büros, Krankenzimmer, Bahnhofshallen und Kneipen sind minimalistisch klar eingerichtet und schattenlos bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Kein Möbelstück wirft hier einen Schatten. Niemand kann sich hier verstecken oder etwas Heimliches tun.

Feiner Humor und absurde Komik gegen die Nöte der menschlichen Existenz

Der neue Film ist ein bisschen schwermütiger geraten als zuletzt "Das jüngste Gewitter" und "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach". Die wirkliche Welt ist ja auch noch ein bisschen düsterer geworden. Trotzdem gibt es immer noch diesen feinen Humor und die absurde Komik, ohne die das alles nicht auszuhalten wäre. Und natürlich die Magie des Kinos, in Bildern, die immer wieder auch von Malern und Filmemachern inspiriert sind: "Meine Philosphie, mein Ehrgeiz ist, den Zuschauern etwas zu zeigen, das sie noch nie zuvor gesehen haben," sagt der Regisseur.

So besteht "Über die Unendlichkeit" im Grunde aus 32 kleinen Filmen, die auf immer neue, mal tragische, mal banale, mal absurde, mal komische Weise beleuchten, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Eine Filmkritik von Anke Sterneborg, rbbKultur

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