Milla meets Moses, hier: Eliza Scanlen; © Lisa Tomasetti
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Coming-of-Age-Film - "Milla meets Moses"

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Ein krebskrankes Mädchen verliebt sich in einen Junkie – das klingt nach einem ziemlich düsteren Sozialdrama. Doch die australische Regisseurin Shannon Murphy schafft es in ihrem Kino-Debut "Milla meets Moses", einer tragischen Story auch ein paar heitere Seiten abzugewinnen.

"Babyteeth" heißt dieser Film im Original, denn Milla (Eliza Scanlen), die charmante Hauptfigur in Shannon Murphys Debutfilm, hat tatsächlich noch einen Milchzahn im Mund. Überhaupt wirkt die 16-Jährige noch sehr kindlich, wie sie da in ihrer Schuluniform auf dem Bahnsteig steht und auf den Zug wartet.

Milla meets Moses, hier: Toby Wallace und Eliza Scanlen; © Lisa Tomasetti
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Gegensätze ziehen sich an

Dann kommt Moses (Toby Wallace) ins Bild: Zerrissene Kleidung, selbstgemachte Tattoos, überall Schrammen. Moses ist ein Junkie, seine Mutter hat ihn rausgeschmissen. Jetzt schnorrt er sich das Geld für den nächsten Schuss zusammen. Einem Impuls folgend, nimmt Milla ihn mit zu sich nach Hause …

Regisseurin Shannon Murphy arbeitet in ihrem Debut-Film von Anfang an mit gegensätzlichen Bildern: Moses' harte Mutter, die ihn noch nicht mal an Weihnachten in die Wohnung lässt gegen die behütete Vorstadt – Idylle von Millas Elternhaus. Die harte Realität der Junkies auf der Straße gegen das Getuschel der Teenager auf Millas Schulhof. Doch der Schein trügt: Denn Milla hat Krebs, hat bereits mehrere Chemo-Therapien hinter sich und weiß nicht, ob Sie ihren 18. Geburtstag noch erleben wird.

Der Schein trügt

Ihre Mutter Anna (Essie Davis) ist eigentlich Pianistin, hat jedoch die Musik aus Kummer über das Schicksal ihrer Tochter aufgegeben und lebt nur noch von Tabletten. Ihr Vater Henry (Ben Mendelsohn), ein erfolgloser Psychiater, der nicht nur seine Ehefrau mit Drogen versorgt, sondern sich gelegentlich auch mal selbst ein bisschen Morphium gönnt. Das führt zu komischen Szenen: Beim ersten gemeinsamen Abendessen der Vier weiß man gar nicht so genau, wer nun eigentlich breiter ist: die Mutter, der Vater, oder Moses, den Milla als ihren neuen Liebhaber präsentiert, weil sie ihre Eltern schocken will.

Eine große Verantwortung

Nach und nach entwickelt sich tatsächlich eine zarte Liebe zwischen den beiden Außenseitern – misstrauisch beäugt von Millas Umfeld. Ist Moses überhaupt in der Lage, der Verantwortung gerecht zu werden, die ihm erwächst als Liebhaber einer Todkranken? Oder spekuliert er nur auf die kostenlosen Drogen, die ihm Henry zur Verfügung stellt?

Saftiges Drehbuch

"Milla meets Moses" ist die Adaption eines Theaterstücks von Rita Kalnejais, das 2012 am Belvoir Street Theater in Sydney uraufgeführt wurde. Shannon Murphy hat es geschafft, aus der spröden Vorlage ein saftiges Drehbuch zu destillieren, das zwischen Familien-Drama, Krebs-Tragödie und Liebesfilm wechselt, ohne dabei in den Kitsch abzugleiten.

Hervorragende Schauspieler

Das ist nicht zuletzt ihren hervorragenden Schauspielern zu verdanken. Eliza Scanlen und Toby Wallace sind trotz ihrer Zerbrechlichkeit ein wunderbares Paar, Essie Davies überzeugt als hypernervöse Künstler-Mutter und Ben Mendelsohn ("Star Wars", "Spiderman") liefert die gelungene Charakterstudie eines Mannes, dem sein Leben entglitten ist und der nun versucht, sich an Resten seiner gutbürgerlichen Existenz aufrecht zu halten.

Achtungserfolg für das australische Kino

2019 wurde Shannon Murphy mit "Milla meets Moses" in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig eingeladen. Ein großer Achtungserfolg für das australische Kino und ein Versprechen für die Zukunft.

Carsten Beyer, rbbKultur

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