Robert Redford und Faye Dunaway in "Die drei Tage des Condor" © imago/United Archives
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Spionage-Thriller | DVD und Blue-ray - "Die drei Tage des Condor"

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Sidney Pollacks Spionage-Thriller "Die drei Tage des Condor" gilt als Klassiker des "New Hollywood". Gedreht Mitte der 70er Jahre unmittelbar nach dem Watergate-Skandal zeigt der Film ein ganz neues Verständnis von der Rolle des Staates in der Gesellschaft: Das Böse kommt nicht von immer von außen, manchmal ist das Böse auch Teil des Systems. Nun kommt der Film in einer restaurierten 4K-Fassung als DVD und Blue-ray auf den Markt.

Joseph Turner (Robert Redford) ist ein Geheimagent, wie er nicht im Buche steht: Schlaghosen, coole Brille und lange Koteletten – ein Hipster ganz im Stil der 70er Jahre. Morgens fährt der Anti-Bond mit einem klapprigen Mofa zur Arbeit – und anstatt Spione zu jagen, liest er an seinem Schreibtisch Romane. "American Literary Historical Society" steht am Eingang des Hauses, eine Deckadresse des CIA, der dort an der Verbesserung geheimdienstlicher Methoden arbeitet.

Kafkaesker Albtraum

Eines Tages ist es - ganz abrupt - mit der Beschaulichkeit vorbei. Beim Überfall eines Killerkommandos werden alle Mitglieder der Abteilung getötet. Nur Turner entkommt durch einen Zufall, weil er gerade für seinen Chef das Mittagessen holt. Für den jungen Agenten beginnt ein kafkaesker Albtraum. Irgendjemanden im großen CIA trachtet ihm nach dem Leben. Die Frage ist nur wer? Und warum? Viel Zeit zum Überlegen bleibt dem Gejagten nicht, denn die Killer sind auf seinen Fersen – und er weiß nicht, wem er noch vertrauen kann.

Auftritt Faye Dunaway

Aus einem Instinkt heraus nimmt der Agent eine wildfremde Frau als Geisel, die Fotografin Kathy Hale (Faye Dunaway), um sich bei ihr eine Zeitlang zu verstecken. Die junge Frau ist zunächst verängstigt und irritiert, fast aber bald schon Vertrauen zu ihrem Kidnapper. Gemeinsam machen sich die Beiden auf die Suche nach den Hintermännern der brutalen Mordserie.

Der Feind im System

"Die drei Tage des Condor" beruht auf dem Roman "Six Days of the Condor" von James Grady aus dem Jahr 1974. Sidney Pollack hat aus der konventionellen Agentenstory einen hintersinnigen Polit-Thriller gemacht, der als Klassiker des "New Hollywood" in die Filmgeschichte eingegangen ist. Die CIA ist hier nicht mehr der lange Arm des Staates, der gegen Feinde von außerhalb agiert. Korruption und Machtgier sind im System selbst angekommen. Eine bis dahin unerhörte Infragestellung der klassischen US-amerikanischen Autoritäten, kurz nach der Aufdeckung des Watergate- Skandals.

Frappierende Parallelen

Nicht nur die Parallelen zur USA von heute sind frappierend, es gibt auch sonst gute Gründe, "Die drei Tage des Condor" nach über 40 Jahren noch einmal anzuschauen: Die wunderbaren Bilder von Kameramann Owen Roizman, der jazzige 70er-Jahre Soundtrack von Oscar-Gewinner Dave Grusin – und natürlich die beiden Hauptdarsteller, die überzeugend vermitteln, wie aus einer spontanen Entführung eine zarte Romanze wird - ein amouröses Stockholm-Syndrom mitten in New York.

Nihilistische Botschaft

Die zentrale, nihilistische Botschaft seines Films hat Sydney Pollack aber in der Person des Killers versteckt. Der mysteriöser Monsieur Joubert (Max von Sydow) ist ein Mann mit exzellenten Manieren und einem ganz eigenen Berufsethos. Profikiller sei "gar kein übler Beruf" lässt Pollack ihn sagen: "Niemand verlangt, dass sie an etwas glauben oder so. Es gibt keine gerechte Sache. Es gibt nur sie selbst!“

Carsten Beyer, rbbKultur

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