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Dokumentarserie | arte Mediathek - "History Catchers - Auf der Jagd nach dem perfekten Augenblick"

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Die meisten Kameraleute in dieser Dokumentarserie von Anne Thevenin und Julien Gaurichon sind unbekannt geblieben. Und das, obwohl die Ereignisse, die sie gefilmt haben, die Welt veränderten. Der Angriff auf Pearl Harbor zum Beispiel, die Atombombentests auf dem Bikini Atoll oder die erste Landung auf dem Mond. Wir kennen die Bilder, aber wir wissen nicht, wer sie aufgenommen hat.

Die Mini-Serie ist zusammen mit dem Nationalen Rundfunk – und Fernseharchiv in Frankreich entstanden und versteht sich als Hommage an die Menschen hinter der Kamera. George Méjat zum Beispiel hat gemeinsam mit seinem Bruder das Attentat auf den jugoslawischen König Alexander I. gefilmt. Der Königsmord ereignete sich 1934 in Marseille und war das erste Attentat, das minutiös dokumentiert wurde.

Die Kameramänner setzten mehrere Kameras ein

George Méjat war an dem Tag nur einer von vielen Kameraleuten und Fotografen, die den Staatsbesuch in Marseille dokumentierten. Er stand zuerst mit einer schweren Kamera auf Stativ im oberen Stockwerk eines Wohnhauses, sein Bruder drehte unten auf der Straße. Dann ging er mit der Handkamera hinunter und filmte die Menge. Als die Schüsse fielen, lief er schnell um das Auto herum, um den sterbenden König aufzunehmen.

Manchmal griffen die Kameraleute auch dezent ins Geschehen ein. Gaston Madru zum Beispiel filmte im August 1944 General de Gaulle, wie er nach der Befreiung von Paris zur Kathedrale Notre Dame ging, umringt von Menschen. Gaston Madru begleitete den Zug auf dem Dach seines Autos. Weil noch immer Scharfschützen von den Gebäuden auf die Straße zielten, hatte er sich ein Schild gebastelt, darauf stand in englischer Sprache: "Please don’t kill the french cameramen" (sic). Eine besonders ergreifende Szene inszenierte Madru selbst. De Gaulle wird von einer Frau aufgehalten und mit ihm die ganze Menge. Sie überreicht dem General einen Blumenstrauß. Es ist die Ehefrau des Kameramanns. Die Szene endet im Tumult, weil Scharfschützen auf die Menge schießen. Madru springt vom Auto und lässt seine Kamera weiterlaufen. Er bleibt an diesem Tag unverletzt. Aber sechs Monate später, im April 1945, wird er in Leipzig von einem Heckenschützen erschossen.

Interviews mit der Kameraleuten sind rar

Die meisten Kameraleute bleiben hinter der Kamera. Nur einmal ist tatsächlich ein Kameramann im Interview zu sehen. Al Brick, von dem die Bilder der Zerstörung nach dem Angriff der Japaner auf den amerikanischen Marine-Stützpunkt Pearl Harbor stammen. Das war am 7. Dezember 1941, aber die Filme wurden zensiert und durften erst ein Jahr später veröffentlicht werden. Bei der Präsentation zeigte Movietone auch den Kameramann Al Brick. Wie ein Held steigt er in Uniform aus dem Flugzeug. Steht vor den Linsen seiner Kollegen, grinst verlegen und sagt: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll."

Hollywood half

Anne Thevenin und Julien Gaurichon zerlegen die kurzen Sequenzen sehr präzise. Manchmal hebt eine Zeichnung hervor, was sonst übersehen werden könnte: die Pistole des Attentäters etwa, der den jugoslawischen König erschoss. Bei der Mondlandung wurden die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin in Hollywood geschult, aber ihre Bilder kamen etwas verwaschen auf der Erde an. Da umrandet dann ein Zeichenstift die Person und in einem Trickfilm wird auch die Kamera gezeigt, die in einer Klappe der Landefähre angebracht war. Sie hat die ersten Schritte auf dem Mond gefilmt und später auch die gemeinsamen Aufnahmen von Armstrong und Aldrin gemacht. Da zeigt diese außergewöhnliche Serie bei arte nicht nur die Menschen, sondern auch die Maschinen hinter der Kamera.

Simone Reber, rbbKultur

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