Gary Oldman in "Mank" © Netflix
Bild: Netflix

Drama | ab 04.12. auf Netflix - "Mank"

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In seinem neuen Film "Mank" rollt Regisseur David Fincher die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs zu "Citizen Kane" auf, für das Orson Welles und Herman Mankiewicz 1942 gemeinsam einen Oscar bekamen. Ab dem 4. Dezember ist "Mank" auf Netflix verfügbar.

Als "Citizen Kane" 1941 in die Kinos kam, war er ein Flop. Dch heute steht der Film auf allen Ranglisten des Kinos sehr weit oben, wenn nicht an erster Stelle. Die Geschichte des fiktiven Medienmagnaten Charles Foster Kane war kaum verhohlen an die Lebensgeschichte des Zeitungsmagnaten Randolph Hearst angelehnt.

"Citizen Kane" war das Regiedebüt des damals 26-jährigen "Wunderkindes“ Orson Welles. In seinem neuen Film "Mank" rollt David Fincher jetzt die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs auf, für das Welles und Herman Mankiewicz 1942 gemeinsam einen Oscar bekamen.

Riskante Abrechnung mit einem mächtigen Medienmogul

Mank war der Spitzname des Journalisten und Drehbuchautors Herman Mankiewicz. Ende der Dreißigerjahre war sein guter Ruf in Hollywood durch übermäßigen Alkoholmissbrauch ziemlich ruiniert. Als Orson Welles Carte Blanche für ein Projekt seiner Wahl erhielt, beauftragte er trotzdem ihn mit dem Drehbuch. Weil es schnell gehen sollte, wurde Mankiewicz auf einer entlegenen Ranch untergebracht und von mehreren Aufpassern kontrolliert.

Gary Oldman lässt den abgehalfterten, daueralkoholisierten und zynischen Autor, der immer ein böses Bonmot auf den Lippen hat, zwischen getriebener Verzweiflung und lässiger Coolness oszillieren.

Für seinen Mankiewicz war das Drehbuch eine durchaus riskante Abrechnung mit dem mächtigen Medienmogul Randolph Hearst, von der ihm viele Freunde und Kollegen abrieten: "Wie ich hörte, jagst Du äußerst gefährliches Wild. Bist du bereit und gewillt, den großen weißen Wal zu jagen? Wenn du einen Streit mit Willie vom Zaun brichst bist du erledigt, Mayer kann dich nicht retten, niemand kann das."

Kritische Hommage an das goldenen Zeitalter Hollywoods

"Mank" ist eine liebevolle, aber durchaus auch kritische Hommage an das goldene Zeitalter Hollywoods im Allgemeinen und ganz konkret an das Meisterwerk "Citizen Kane", dessen visuellen Stil der Regisseur David Fincher auf raffinierte Weise spiegelt, bis hin zu konkreten Zitaten einzelner Szenen.

Wie die Geschichte des fiktiven Medienmoguls ist auch seine Entstehungsgeschichte des Drehbuchs ein labyrinthisches Spiel, in einem vielschichtigen Netz von Rückblenden. Lustvoll und opulent beschwört Fincher den vergangenen Glamour des Kinos, mit dem leicht künstlich überhöhten Spiel der Schauspieler, mit der kunstvoll ziselierten Sprache, dem seidigen Glanz der Schwarzweißbilder, dem fein modellierten Licht, den altmodischen Schwarzblenden, dem feine Knistern des analogen Tons und den sinfonischen Klängen des Soundtracks von Trent Reznor und Atticus Ross.

"Mank" sieht aus wie ein Film, der in den Vierzigerjahren entstanden ist - mit Ausnahme des luxuriösen Breitwandformats, das 1941 noch nicht zur Verfügung stand.

Geschichte und Gegenwart

Zugleich gibt es aber auch vielfältige Bezüge zur Gegenwart. Wenn Randolph Hearst die Wahl des sozialistischen Kandidaten Upton Sinclair sabotiert, erinnert das stark an die modernen Manipulationstechniken in der Politik.

Darüber hinaus werden auch die künstlerischen Prozesse beleuchtet. Und es geht um das komplizierte Verhältnis von Geld und Kunst, beispielsweise wenn der Studioboss Louis B. Mayer den Mankiewicz-Brüdern die fianzielle Magie des Kinos erklärt: "Das ist ein Geschäft bei dem der Käufer nichts als eine Erinnerung für sein Geld bekommt. Was er gekauft hat, gehört immer noch dem Verkäufer. Das ist die wahre Magie des Films!"

Schon seit den frühen Neunziger Jahren hat sich Fincher mit dem Projekt befasst. Das Drehbuch hatte sein Vater Jack Fincher, ein pensionierter Journalist, geschrieben. Erst 17 Jahre nach seinem Tod konnte es jetzt verwirklicht werden, denn "Mank" ist eine Kino-Extravaganza, wie sie derzeit nur noch der Streamingdienst Netflix finanziert, gedreht in Mono-Sound und auf wunderschön seidigem Schwarzweiß-Material, das man im besten Falle eigentlich im Kino genießen sollte.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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