Endlich Frühling im Mumintal. Muminpapa und Muminmama freuen sich auf den Sommer; © ZDF/Moomin Characters/Gutsy Animations
Bild: ZDF/Moomin Characters/Gutsy Animations

Animationsserie für Kinder im Kika - "Mumintal"

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Kennen Sie Mumins? Das sind Trolle, die weißen Nilpferden gleichen, auf zwei Beinen laufen, einen Puschelpinselschwanz haben und ein freundliches Gesicht ohne sichtbaren Mund. Sie sind der wohl prominenteste Exportschlager Finnlands, erfunden von der schwedisch-finnischen Schriftstellerin und Illustratorin Tove Jansson.

Die Abenteuer, die Mumin und seine Eltern Muminmama und Muminpapa in ihrem kleinen Tal mit bizarren Fantasiewesen erleben, sind seit 1945 zuerst als Bücher und Comicstrips erschienen, und bereits mehrfach fürs Fernsehen verfilmt worden. Jetzt gibt es eine moderne Neuverfilmung, die preisgekrönte britisch-finnische Co-Produktion "Mumintal" (im Original: "Moominvalley"). Regisseur Steve Box war zuletzt für die Knetanimation "Wallace und Gromit und das Riesenkaninchen" verantwortlich.

Jähes Ende des Winterschlafs

Durch den Nebel geht der Blick ins idyllische Tal der Mumins, hinein ins blaue Turmhaus mit dem roten Ziegeldach. Beherzt springt Mumin durchs Fenster auf eine rosa gefärbte Wolke, schaut einträchtig mit einem Mumin-Mädchen durch die Wolken auf die Welt. Doch dann wird er durch lautes Klopfen jäh aus den wolkigen Träumen gerissen.

"Es ist erst viertel nach Winter", schimpft Muminpapa und geht schlaftrunken zur Tür, vor der Mymla mit ihrer Kinderschar steht.

26 neue Folgen

Wer mit Tove Janssons Mumin-Welt vertraut ist, weiß, dass die kleine Mü, eine von Mymlas vielen Kindern, immer bei den Mumins überwintert. In der ersten von insgesamt 26 Folgen der neuen Verfilmung wird erzählt, wie es dazu kam. Vorzeitig aus dem Winterschlaf gerissen, wird die Muminfamilie von Mümlas Kinderschar geradezu überfallen. Der Versuch, ein Mittagsschläfchen anzuregen, scheitert kläglich.

Liebenswerte Troll-Gestalten

"Eine drollige Gesellschaft" hieß eines der Bücher über die Trollfamilie und die anderen Bewohner des idyllischen kleinen Tales, das bisweilen an die Welten des kleinen, tschechischen Maulwurfs erinnert. Und drollig sind sie tatsächlich, die fantasievollen Gestalten wie das Snorkfräulein, der Schnupferich, die Hatifnatten, die schwarze Morra oder die kleine, pfiffige Mü, die Mumin in der ersten Folge schwer zu schaffen macht.

Während Mumin schlafen möchte, platzt sie vor Tatendrang, und wehrt jeden seiner trickreichen Versuche, ihre quirlige Familie wieder loszuwerden, pfiffig ab: "Ich weiß, was ihr vorhabt. Ihr wollt Mutter austricksen, damit sie wieder geht!"

Ganz nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger fallen dabei immer wieder auch ein paar liebenswerte Lebensweisheiten ab, wie "Man muss nicht groß sein, um eine Haltung zu den Dingen zu haben!" oder "Du kannst nie wirklich frei sein, wenn du jemanden zu sehr bewunderst."

Verarbeitung des Kriegstraumas

Die erste der Mumin-Geschichten wurde nach dem Krieg 1945 veröffentlicht. Mit ihnen verarbeitete Tove Jansson ihre eigenen Kriegserfahrungen. Doch Themen wie Verlust und Vertreibung werden kindgerecht und versöhnlich durch Sicherheit und Geborgenheit in der Familie und unter Freunden aufgefangen. Von ihren Abenteuern werden die Mumins nie überfordert, Hindernisse und Herausforderungen werden immer gemeinsam überwunden. Und jeder Streit wird am Ende zu aller Zufriedenheit beigelegt.

In der ersten Folge der neuen Staffel heißt das eben, dass Mumin den quirligen Störenfrieden, die er nicht vertreiben kann, einfach ein eigenes Haus baut. Ein willkommener Nebeneffekt: Der vermeintliche Hügel erweist sich als bewegliche Schildkröte.

Sanfte Modernisierung

Schon mehrfach wurden die Mumin-Geschichten verfilmt, unter anderem von der Augsburger Puppenkiste und in Form einer japanischen Anime-Serie. Während die Figuren dort zweidimensional und kantig gezeichnet waren, gibt ihnen der Engländer Steve Box sanfte, dreidimensionale Rundungen und glättet damit auch den eigenwilligen Strich von Tove Janssons Zeichnungen.

Die englischen Songs sind ein bisschen zu süßlich geraten, doch mit ihren feinen Farbharmonien entwickelt seine Gestaltung der Mumin-Welt einen besonderen Zauber. Pastellige Grün-, Türkis- und Gelbtöne sind mit dem kräftigen Bordeauxrot von Müs Rumpelstilzchen-Outfit akzentuiert, und die stilisierten Wälder und Wiesen im Tal schmeicheln in vielen Schattierungen von Grün und Braun.

Die Mumin-Modernisierung könnte dabei helfen, die Abenteuer der Talbewohner für eine neue Generation von Kindern zu erschließen. Spätestens zu Weihnachten könnten nostalgische Eltern dann ein Buch mit Tove Janssons Originalillustrationen nachlegen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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