Pappa ante Portas © Wolfgang Jahnke/dpa
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Bild: Wolfgang Jahnke/dpa

Komödie von Loriot | Silvester im Ersten - "Pappa ante Portas"

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Vicco von Bülow – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Loriot - war einer der größten deutschen Humoristen. Für viele war er sogar DER größte deutsche Humorist. Als Loriot 2011 starb, hinterließ er eine Fülle von legendären Sketchen, einige Bücher mit Cartoons – und zwei Kinofilme. Einer davon, die 1991 entstandene Komödie "Pappa ante Portas", läuft an Silvester im Ersten: als versöhnlicher Ausklang eines Jahres, in dem es ansonsten nicht viel zu lachen gab.

Ruhestand mit Mitte 50: Für viele Menschen ist das ein Wunschtraum, für Heinrich Lohse (Loriot) hingegen eine Katastrophe. Schließlich liebt der pflichtbewusste Einkaufsdirektor der deutschen Röhren AG seinen Job und füllt ihn mit Leib und Seele aus. Leider ist sein Chef (Kurt Hübner) weniger überzeugt von Lohses Fähigkeiten. Als der in einem genialen Rabatt-Coup Schreibmaschinenpapier für die nächsten 40 Jahre ordert, ist das Maß voll.

Workaholic im Ruhestand

Gedanken über ein Leben im Ruhestand hat sich der Workaholic nie gemacht – und alle Versuche, seine Tatkraft in den Dienst der Familie zu stellen, sind zum Scheitern verurteilt. Ehefrau Renate (Evelyn Hamann) sieht den häuslichen Frieden in Gefahr, die Putzfrau (Inge Wolffberg) will sich nicht von ihm helfen lassen und Sohn Dieter (Gerrit Schmidt-Foß) ist von der plötzlichen väterlichen Nähe ebenfalls alles andere als begeistert.

Ideale Zielscheibe

Heinrich Lohse ist einer dieser Menschen, die Loriot immer geliebt hat: pedantisch, pflichtbewusst und akkurat von der Sohle bis zum Scheitel – eine ideale Zielscheibe für den feinen Spott des Brandenburger Humoristen. Mit einer Mischung aus Trotz und Larmoyanz stolpert der Frühpensionär von einer Peinlichkeit in die nächste – ober er nun den Haushalt neu organisiert, seiner Frau den Kaffeeklatsch ruiniert oder einfach nur ein Glas Senf kaufen geht: "Mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein."

Fallstricke zwischenmenschlicher Kommunikation

Komödien aus den 90er Jahren zu schauen, kann manchmal schmerzhaft sein, weil kaum etwas so schnell altert wie Humor. Doch wie Loriot hier mit hintergründigem Witz die Fallstricke zwischenmenschlicher Kommunikation auslotet, ist heute noch genauso treffend wie vor 30 Jahren. Und ganz nebenbei entkräftet "Pappa ante Portas" auch noch das Vorurteil, der Meister des 5-Minuten-Sketches habe nur das Kleinformat beherrscht.

Frauen haben auch ihr Gutes

Wer "Pappa ante Portas" noch nicht gesehen, sollte das unbedingt nachholen. Und wer den Film schon kennt, kann sich immerhin auf vergnügliche 90 Minuten freuen und auf ein Wiedersehen mit großartigen Schauspielern: Die in diesem Jahr verstorbene Irm Hermann ist mit dabei, Loriot selbst, der gleich in vier verschiedenen Rollen zu sehen ist – und natürlich seine kongeniale Partnerin Evelyn Hamann als Ehefrau Renate.

Denn schließlich – so klärt Heinrich Lohse Sohn Dieter beim Mittagessen (Königsberger Klopse aus der Dose) auf: "Frauen haben auch ihr Gutes."

Carsten Beyer, rbbKultur

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