Soul – Filmstill; © 2020 Disney/Pixar
Bild: 2020 Disney/Pixar

Pixar-Animationsfilm - "Soul"

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Für das Animationsstudio von Pixar hat Pete Docter moderne Klassiker wie "Monster Inc.", "Oben" und "Wall-E" erschaffen, und konnte dafür immerhin auch schon zwei Oscars für den besten animierten Film verbuchen. Inzwischen hat Disney den einstigen Konkurrenten Pixar aufgekauft, und Pete Docters neuester Film "Soul" startet am 25. Dezember pandemiebedingt nicht im Kino, sondern auf dem Streaming Dienst Disney+.

Joe ein begnadeter Jazzmusiker, doch im Alltag steht er nicht auf der Bühne, sondern ´in einer Mittelschule vor musikalisch eher untalentierten Schulkindern. Doch heute hat er Glück, denn die berühmte Jazzsaxophonistin Dorothea Williams - im Original von Angela Bassett gesprochen - sucht einen Pianisten für ihre Band, und sie engagiert ihn.

Vor Freude juchzend hüpft und springt Joe durch die trubeligen Straßen von New York, die ein bisschen zu gefährlich sind für solchen Überschwang: Zack! fällt er in die Tiefe eines offenen Gulli-Lochs! Und als er wieder aufsteht, ist er nur noch ein körperlos weißes Wesen auf der langen Rolltreppe hoch ins Jenseits. Aber dahin will Joe auf keinen Fall, nicht an dem Tag, an dem er endlich seine Chance bekommen soll.

Auf der verzweifelten Flucht irrt er durch verschiedene Abteilungen des Himmels und landet im "Davorseits": Hier werden die zukünftigen Menschenseelen von Mentoren aufs irdische Leben vorbereitet. In diesem Seelen-Trainingscamp lernt Joe die kleine Seele Nummer 22 kennen, die schon sehr lange in diesem Zwischenreich festhängt. Sie findet, dass die Erde dämlich klingt und hat keinerlei Ambitionen dorthin zu gelangen.

Soul – Filmstill; © 2020 Disney/Pixar
Bild: 2020 Disney/Pixar

Suche nach dem Sinn des Lebens

Joe, der unbedingt auf die Erde zurück möchte, obwohl er sein Leben bisher ziemlich verplempert hat, und 22, die das Leben gar nicht erst ausprobieren will: Natürlich können die beiden viel voneinander lernen, als sie dann mit vertauschten Körpern auf die Erde kommen, 22 in Gestalt von Joe und Joe in Gestalt einer Katze, die Mühe hat, sich ohne Worte verständlich zu machen.

Während Joe alles daran setzt, auftreten zu können, entdeckt 22 die sinnlichen Freuden des irdischen Daseins: die Süße eines Lutschers, das Aroma einer Pizza, das Vergnügen einer Unterhaltung beim Barbier und den elektrisierenden Luftstrom einer durchfahrenden U-Bahn. Und vor allem: Musik …

Joes Leidenschaft für den Jazz prägt den Sound des ganzen Films. Das Lebensgefühl in Harlem setzt sich aus vielen kleinen, liebevollen Ausstattungsdetails zusammen. Im Kontrast dazu sind die Himmelswelten ein bisschen kitschig bonbonbunt geraten.

Aber die Figuren sind ausgesprochen vielfältig und phantasievoll gestaltet: Die unfertigen Seelen sehen aus wie kleine, fröhliche, weiße Kugeln mit Gesicht und Beinen, Joes Seelenkostüm dagegen wirkt wie ein liebenswertes Gespenst, und die zweidimensionalen Strichmännchen des himmlischen Aufsichtspersonals erinnern an animierte Picasso-Zeichnungen.

Körpertausch-Komödie und lebensphilosophisches Gedankenspiel

Im Original spricht Joe mit der Stimme von Jamie Foxx, der schon Ray Charles gespielt hat. Das charismatische Timbre seiner Stimme ist ein starkes Argument für die Originalfassung. In der Tradition der Pixar-Filme, gelingt es Regisseur Pete Docter auch hier, zugleich Kinderbedürfnisse und Erwachsenenansprüche zu erfüllen: "Soul" ist ein quirlig rasantes Abenteuer zwischen Himmel und Erde, eine vergnügliche Körpertausch-Komödie mit schlagfertigen Dialogen und vor allem ist es ein lebensphilosophisches Gedankenspiel: Wer sind wir? Wie finden wir unsere Bestimmung? Welche Leidenschaft versetzt uns in Schwingung?

Eigentlich sollte "Soul" schon im Sommer im Kino starten. Der sinnliche Reichtum der Bilder hätte sich auf der Leinwand ausgesprochen gut gemacht. Andererseits: Mit seiner nachdenklich besinnlichen Botschaft kommt der Streaming-Start des Films an Weihnachten durchaus zur rechten Zeit!

Anke Sterneborg, rbbKultur

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